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Schlagwort: Linux (Seite 3 von 10)

Quantis USB – Alter Quantenzufall aus der Schublade

Ich hatte noch einen Quantis USB in der Schublade liegen. Einen Hardware-Quantenzufallsgenerator von ID Quantique aus Genf. Ein Gerät, das echten Zufall erzeugt. Nicht pseudo, nicht algorithmisch, nicht „irgendwie aus Interrupts zusammengewürfelt“, sondern auf Basis von Quantenphysik. Fundamental unvorhersagbar.

Image of quantis usb

Nachdem ich in den letzten Beiträgen OpenSSH und Postfix/Dovecot mit Post-Quantum-Kryptografie abgesichert habe, fiel mir wieder ein: PQC schützt die Algorithmen vor Quantencomputern. Schön und gut. Aber was ist eigentlich mit der Zufallsquelle, die diese Algorithmen füttert? Zeit, das Teil mal wieder anzuschließen und zu schauen, was es taugt.

Was steckt in dem Gerät?

Der Quantis USB von ID Quantique ist ein sogenannter Quantum Random Number Generator, kurz QRNG. Das Prinzip dahinter: Ein Photonendetektor misst quantenoptisches Vakuumrauschen. Das sind Fluktuationen im elektromagnetischen Feld, die nach den Gesetzen der Quantenmechanik fundamental zufällig sind. Nicht „fast zufällig“ oder „praktisch zufällig“, sondern physikalisch beweisbar unvorhersagbar. Das ist ein wichtiger Unterschied zu allem, was ein Algorithmus je leisten kann. Dazu gleich mehr.

Das Gerät selbst ist fast schon enttäuschend simpel. USB 2.0 High-Speed, ein einziger Bulk-IN-Endpoint (0x86), 512 Bytes pro Read, rund 4 Mbit/s Durchsatz. Flashbare Firmware gibt es nicht. Die „Intelligenz“ steckt in der Optik und einem FPGA, nicht in Software. Das Ding macht genau eine Sache, und die macht es gut.

Mein Testgerät hat die Seriennummer 132244A410. Der Quantis USB ist inzwischen ein Legacy-Produkt, ID Quantique hat einen Nachfolger mit höherem Durchsatz im Programm. Einen öffentlichen Preis hatte das Gerät nie. „Request a Quote“, wie das bei Nischenprodukten mit Zertifizierungsanforderungen so üblich ist. Das Gerät ist METAS-zertifiziert und war für Kunden gedacht, die Common-Criteria-Anforderungen erfüllen müssen. Vergleichbare QRNGs bewegen sich im Bereich von 900 bis 2.000 Euro. Nicht gerade ein Impulskauf.

Einrichten unter Linux

Angeschlossen an mein Linux Mint 22.3 (Ubuntu 24.04 Basis) meldet sich das Gerät sofort im Kernel-Log:

$ dmesg | tail
usb 1-1: New USB device found, idVendor=0aba, idProduct=0102
usb 1-1: Product: Quantis USB
usb 1-1: Manufacturer: id Quantique
usb 1-1: SerialNumber: 132244A410

Kein spezieller Treiber nötig. Das ist ein generisches USB-Bulk-Device, der Kernel erkennt es und das war’s. Die proprietäre libquantis von ID Quantique kann man sich komplett sparen. Man kann direkt mit pyusb auf den Endpoint zugreifen. So mag ich das.

Damit das auch ohne Root funktioniert, legt man eine udev-Regel an:

# /etc/udev/rules.d/99-quantis.rules
SUBSYSTEM=="usb", ATTR{idVendor}=="0aba", ATTR{idProduct}=="0102", MODE="0666", GROUP="plugdev", TAG+="uaccess"

Danach:

$ sudo udevadm control --reload-rules && sudo udevadm trigger

Gerät abstecken, wieder anstecken, fertig. Ab jetzt kann jeder Benutzer in der Gruppe plugdev auf das Gerät zugreifen.

Daten lesen mit Python

Zum Auslesen reicht das Paket python3-usb (pyusb). Installieren via apt install python3-usb, falls nicht vorhanden. Dann braucht man erstaunlich wenig Code:

import usb.core, usb.util

dev = usb.core.find(idVendor=0x0ABA, idProduct=0x0102)
dev.set_configuration()

cfg = dev.get_active_configuration()
intf = cfg[(0, 0)]
ep = usb.util.find_descriptor(
    intf,
    custom_match=lambda e:
        usb.util.endpoint_direction(e.bEndpointAddress) == usb.util.ENDPOINT_IN
)

data = ep.read(512, timeout=5000)
print(f"{len(data)} Bytes Quantenzufall gelesen")

Das ist alles. USB öffnen, Configuration setzen, den einen IN-Endpoint finden, 512 Bytes lesen. Fertig. Kein SDK, keine Bibliothek, kein Account, kein Cloud-Dienst. USB rein, Bytes raus.

Wichtig: Immer volle 512-Byte-Blöcke lesen (wMaxPacketSize). Wer weniger anfordert, bekommt USB-Overflow-Fehler. Das Gerät kennt keine halben Sachen. Es produziert kontinuierlich Zufallsdaten und schiebt sie in den USB-Puffer. Die müssen abgeholt werden, so wie sie kommen.

Für den Test habe ich das Ganze in eine Schleife gepackt und 100.000 Bytes gesammelt. Parallel dazu 100.000 Bytes aus /dev/urandom. Beide Datensätze dann durch dieselben statistischen Tests gejagt.

Der Test: Quantis vs. /dev/urandom

Jetzt wird’s spannend. Wie gut ist echter Quantenzufall im Vergleich zum Software-PRNG des Linux-Kernels?

Spoiler: Statistisch seht ihr keinen Unterschied. Und genau das ist der Punkt.

MetrikQuantis USB/dev/urandom
Shannon-Entropie7,998513 Bits/Byte7,998077 Bits/Byte
Maximum (theoretisch)8,0000008,000000
Effizienz99,9814 %99,9760 %
Chi² (Byte-Verteilung)205,8267,3
Erwartet (Chi²)~255 ± 23~255 ± 23
Bit-Balance (Anteil Einsen)49,975 %50,018 %
Serielle Korrelation+0,001230+0,003801
Längster Bit-Run (10 kB)15 Bits21 Bits
Erwarteter Run~16~16

Die Shannon-Entropie liegt bei beiden Quellen über 99,97 % des theoretischen Maximums von 8 Bit pro Byte. Das ist hervorragend. Die Chi²-Werte zeigen eine gleichmäßige Byte-Verteilung, beide liegen im erwarteten Bereich um 255. Die Bit-Balance ist nahezu perfekt bei 50/50, die serielle Korrelation praktisch null.

In den einfachen Tests schneidet der Quantis sogar minimal besser ab: niedrigere Korrelation, gleichmäßigere Verteilung, kürzerer maximaler Bit-Run. Aber ehrlich gesagt liegt das im statistischen Rauschen. Bei 100.000 Bytes Sample-Größe kann man keine belastbare Aussage über die Überlegenheit einer Quelle treffen. Man müsste Millionen oder Milliarden Bytes testen und Testsuiten wie die NIST SP 800-22 oder Dieharder durchlaufen lassen, um wirklich statistisch signifikante Unterschiede zu finden.

Heißt das, der Quantis ist überflüssig? Nein. Denn der Unterschied liegt nicht in der Statistik.

Wo liegt dann der echte Unterschied?

Die spannende Frage ist nicht, ob die Zahlen „zufälliger“ sind, sondern warum sie es sind.

/dev/urandom verwendet intern ChaCha20, einen deterministischen CSPRNG (Cryptographically Secure Pseudo-Random Number Generator). Der initiale Seed kommt aus der Kernel-Entropie: Hardware-Interrupts, Timing-Jitter, Geräte-Events, und seit einigen Jahren auch RDRAND/RDSEED aus der CPU, falls vorhanden. Das funktioniert in der Praxis hervorragend und ist extrem gut untersucht.

Aber es bleibt ein Algorithmus mit einem internen State. Wer diesen State kennt (und sei es nur theoretisch), kann alle zukünftigen Outputs berechnen. Das ist kein realistisches Angriffsszenario für euren Laptop. Aber es ist eine fundamentale Eigenschaft: Die Sicherheit von /dev/urandom basiert auf Berechnungsannahmen. Man nimmt an, dass ChaCha20 nicht effizient invertierbar ist. Stand heute stimmt das. Aber es ist eine Annahme, kein Beweis.

Der Quantis hingegen erzeugt Zufall aus Quantenvakuum-Fluktuationen. Da gibt es keinen Algorithmus, keinen State, keinen Seed. Die Unvorhersagbarkeit ist nicht durch die Komplexität eines Algorithmus geschützt, sondern durch die Gesetze der Quantenmechanik. Kein Angreifer, egal mit welcher Rechenleistung und egal mit wie viel Zeit, kann die nächsten Bits vorhersagen. Auch kein Quantencomputer. Das ist nicht berechnungstheoretisch sicher, sondern informationstheoretisch sicher. Die höchste Sicherheitskategorie, die es gibt.

Klingt akademisch? Zum Teil. Für den Alltag auf eurem Desktop oder Server reicht /dev/urandom völlig aus. Es gibt keinen bekannten praktischen Angriff darauf, und Linux‘ CSPRNG ist schnell, überall verfügbar und gut gewartet.

Aber es gibt Szenarien, in denen der Unterschied real zählt:

  • Erzeugung kryptografischer Schlüssel mit höchsten Sicherheitsanforderungen
  • Seeding von HSMs (Hardware Security Modules), die selbst keine eigene Entropiequelle haben
  • Regulatorische und Zertifizierungsanforderungen, also Common Criteria, FIPS-Validierung, BSI-Vorgaben
  • Wissenschaftliche Experimente, die physikalisch echten Zufall benötigen (z. B. Quantenoptik, Monte-Carlo-Simulationen)
  • Quantenschlüsselaustausch (QKD), ein Bereich in dem ID Quantique ebenfalls aktiv ist

Das größere Bild: QRNG und PQC

Post-Quantum Cryptography schützt kryptografische Algorithmen davor, von Quantencomputern gebrochen zu werden. ML-KEM für den Schlüsselaustausch, ML-DSA für Signaturen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite ist die Zufallsquelle. Ein kryptografischer Algorithmus kann noch so quantensicher sein. Wenn der Zufall, mit dem Schlüssel erzeugt werden, vorhersagbar oder manipulierbar ist, hilft das alles nichts. Der Zufall ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

Ein QRNG schützt genau diesen Angriffsvektor. Beides zusammen, PQC-Algorithmen und eine quantenphysikalische Zufallsquelle, ergibt ein quantum-safe Gesamtsystem. Das ist heute für die meisten von uns Overkill. Aber die Bausteine existieren, sie sind verfügbar, und es schadet nicht zu wissen, wie sie funktionieren.

Übrigens: Wer jetzt denkt „dann stecke ich den Quantis in meinen Server und bin sicher“, der macht es sich zu einfach. Die Vertrauensfrage verschiebt sich nur. Woher weiß ich, dass das Gerät tatsächlich Quantenzufall liefert und nicht einfach einen internen PRNG hat? Bei einem zertifizierten Gerät wie dem Quantis gibt es dafür Prüfberichte. Aber Vertrauen in Hardware bleibt immer ein Thema. Das ist bei Intel RDRAND nicht anders.

Einbindung ins System

Für die Vollständigkeit: Der Quantis USB lässt sich über rng-tools (rngd) als zusätzliche Entropiequelle in den Kernel-Entropiepool einbinden. Für Server mit hohem Entropie-Bedarf, also TLS-Terminierung unter Last, Massenerzeugung von Schlüsseln oder VPN-Gateways, kann das sinnvoll sein.

Ich habe das auf meinem Desktop nicht gemacht. Brauche ich dort nicht. Aber die Möglichkeit steht im Raum, falls jemand von euch einen Quantis oder ein vergleichbares Gerät an einen Server hängen möchte.

Fazit

Ein alter Hardware-QRNG, ein USB-Port, ein paar Zeilen Python, und man hat echten Quantenzufall auf dem Tisch. Statistisch nicht unterscheidbar von /dev/urandom, aber fundamental anders in der Entstehung. Die Sicherheit kommt nicht aus einem Algorithmus, sondern aus der Physik. Informationstheoretisch statt berechnungstheoretisch. Ein Unterschied, der in den allermeisten Fällen keine praktische Rolle spielt. Aber ein verdammt eleganter.

Für euren Desktop braucht ihr das nicht. Aber verstehen, warum es existiert und wie es sich einordnet, gerade im Kontext von Post-Quantum-Kryptografie, das lohnt sich. Warum denke ich jetzt an CIA und MAD? ;-D

Wie haltet ihr es mit euren Zufallsquellen? Vertraut ihr blind auf /dev/urandom, oder habt ihr euch schon mal Gedanken über die Entropiequelle dahinter gemacht?

NEXT Biometrics NB-2020-U Fingerabdruckleser unter Linux zum Laufen gebracht

In meinem Fujitsu Notebook steckt ein Fingerabdruckleser. Ein NEXT Biometrics NB-2020-U, USB ID 298d:2020. Unter Windows funktioniert er, unter Linux nicht. Kein Treiber, kein Support, nichts. Das Gerät taucht in lsusb auf, wird aber von keinem Treiber erkannt. Im libfprint Wiki steht es auf der Liste der nicht unterstützten Geräte. Dort steht es schon eine Weile.

Das hat mich gestört.

Picture of NB-2020-U

libfprint kennt den NB-1010-U. Das ist ein externer USB Fingerabdruckleser von NEXT Biometrics, der seit einiger Zeit einen funktionierenden Treiber hat. Der NB-2020-U ist die eingebettete Variante desselben Sensors, gedacht für den Einbau in Notebooks. Wenn man sich Teardown Reports ansieht, etwa von System Plus Consulting oder Yole Group, dann stellt man fest: Beide Geräte verwenden den identischen Sensor Die. Gleiche Technik, anderes Gehäuse.

Das war der erste Anhaltspunkt. Wenn die Hardware gleich ist, sollte auch das USB Protokoll gleich sein. Und wenn das Protokoll gleich ist, sollte der vorhandene Treiber funktionieren.

Bevor ich aber einfach auf Verdacht losprogrammiert habe, wollte ich es absichern. Ich habe NEXT Biometrics direkt angeschrieben. Kevin Hung, Director FAE bei NEXT Biometrics, hatte mir bereits 2022 auf eine Anfrage zu Linux Treibern geantwortet. Damals war sein Vorschlag, über Fujitsu zu gehen. Das führte ins Leere. Diesmal habe ich konkret angeboten, selbst einen libfprint Treiber zu schreiben, und um das SDK gebeten.

Kevin hat mir daraufhin das NBBiometrics ANF SDK 3.0.0.1384 zugeschickt. Ein komplettes SDK mit Headern, Bibliotheken, Beispielcode und Dokumentation. Das war sehr hilfreich, denn die Header bestätigen einiges. Das SDK nutzt eine einzige Shared Library libNBBiometrics.so für alle Gerätetypen. Der NB-1010-U hat den internen Gerätetyp 200, der NB-2020-U den Typ 202. Beide verwenden dasselbe Scanformat: 180×256 Pixel bei 385 DPI. Die USB Vendor ID ist bei beiden 0x298d, nur die Product ID unterscheidet sich: 0x1010 beim einen, 0x2020 beim anderen.

Wichtig: Das SDK ist proprietär. Für den eigentlichen Treiber habe ich keinen Code daraus verwendet. libfprint akzeptiert nur sauberen, eigenständig entwickelten Code. Das SDK diente ausschließlich als Referenz, um die Protokollkompatibilität zu bestätigen.

Also habe ich es einfach ausprobiert. Den bestehenden nb1010.c Treiber genommen, die USB Product ID 0x2020 zur id_table hinzugefügt und gebaut. Dann auf dem Fujitsu Notebook getestet.

Es funktionierte sofort.

Geräteerkennung, USB Interface Claim, die State Machine für die Fingererkennung, alles lief auf Anhieb. fprintd-enroll hat Fingerabdrücke aufgenommen, fprintd-verify hat sie korrekt verifiziert. Der bestehende Treibercode brauchte keinerlei Anpassungen. Null. Nur die PID in der Tabelle und den Gerätenamen.

Ein Blick auf die USB Deskriptoren bestätigt das Bild. Der NB-2020-U hat exakt dasselbe Endpoint Layout wie der NB-1010-U: Bulk OUT auf Endpoint 0x02, Bulk IN auf Endpoint 0x83. Dazu kommt ein Interrupt Endpoint auf 0x81, den der Treiber nicht verwendet. Die Kommunikation läuft identisch ab.

Der Patch selbst ist entsprechend klein. Drei Dateien, drei Zeilen rein, drei Zeilen raus:

  1. libfprint/drivers/nb1010.c: Die neue PID 0x2020 wird in die id_table eingetragen und der full_name auf "NextBiometrics NB-1010-U/NB-2020-U" erweitert.
  2. data/autosuspend.hwdb: Der Eintrag 298d:2020 wird von der Liste der nicht unterstützten Geräte in die Sektion des nb1010 Treibers verschoben.
  3. libfprint/fprint-list-udev-hwdb.c: Der Eintrag wird aus der Allowlist der nicht unterstützten Geräte entfernt, da er jetzt vom Treiber abgedeckt wird.

Den Merge Request habe ich bei libfprint upstream eingereicht: MR !569. Die CI Pipeline läuft durch, alle 124 Tests bestehen. Jetzt heißt es warten auf das Review durch die Maintainer.

Update, Juli 2026: Das Warten ist vorbei. MR !569 ist am 2. Juli 2026 upstream gemergt. Maintainer Marco Trevisan hat den Patch auf den aktuellen master rebased und per Auto-Merge aufgenommen, ohne blockierende Review-Kommentare. Der NB-2020-U wird damit ab der nächsten libfprint Version out of the box unterstützt. Die Details stehen im kurzen Nachtrag zum Merge.

Für alle, die denselben Fingerabdruckleser in ihrem Notebook haben: Sobald der Patch gemergt und in einer neuen libfprint Version enthalten ist, funktioniert der Sensor out of the box. Enrollment und Verifikation über fprintd laufen sauber. Wer nicht warten möchte, kann den Patch auch jetzt schon selbst auf ein aktuelles libfprint anwenden.

Im selben Fujitsu Notebook meiner Tochter steckt ein NB-2033-U, ein weiterer Fingerabdruckleser aus der gleichen Familie. Der verwendet allerdings ein komplett anderes Protokoll und ließ sich nicht einfach mit dem nb1010 Treiber ansprechen. Den habe ich per Reverse Engineering geknackt.

PDS OSIcom-Office Box: Retro-PC mit JUMPtec SBC & SUSE Linux​

Vor etwas über 20 Jahren habe ich unter anderem mit OSIcom-office Boxen von PDS (Programm und Datenservice) gearbeitet. Dazu habe ich schon mal etwas geschrieben.

Picture of an PDS OSIcom-office Box

Zufällig bin ich dann in einem Onlineshop auf genau so eine OSIcom Box gestoßen, die dort zum Verkauf angeboten wurde. Der Preis lag deutlich über dem, was ich aus nostalgischen Gründen bereit wäre, dafür zu zahlen – aber ich habe einfach mal mein Glück versucht und per E-Mail ein Angebot unterbreitet. Und siehe da, der Verkäufer war einverstanden! Nun bin ich also Besitzer einer alten OSIcom-office Box. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Wie-Tec für das Entgegenkommen.

Die Box basiert auf einem SBC (Single Board Computer) von JUMPtec. Das Modell scheint folgendes zu sein: 07029-0000-26-7. Im POST wird die BIOS-Version <LEU2R118> angezeigt. Hersteller: JUMPtec® Industrielle Computertechnik AG.

Verbaut sind ein Intel Pentium MMX 266 MHz, 256 MB RAM, eine 40 GB Festplatte, ein Diskettenlaufwerk, sowie eine Netzwerk- und ISDN-Karte. Der SBC steckt in einer ISA-Backplane. Das könnte sogar ein ziemlich guter Retro-DOS-Gaming-PC werden!

Spannenderweise war die Festplatte noch mit Daten gefüllt. Ob es sich dabei nur um eine Testinstallation oder echte Produktivdaten handelt, kann ich nicht bewerten. Überrascht hat mich das dennoch positiv, denn so konnte ich den kompletten Bootvorgang noch einmal genießen. Wobei – nicht nur ich:

Kernel 2.4.27 – man, ist das lange her! Grundlage ist ein altes SUSE Linux. Natürlich habe ich auch noch ein paar Bilder für euch angelegt.

Das BIOS konnte ich sichern, und zusammen mit den Bildern wird das sicher eine brauchbare Ergänzung für The Retro Web. Falls jemand von euch noch Handbücher oder ähnliches zur Hardware hat – ich würde mich sehr darüber freuen!

Siehe auch: Dallas DS80C400: 8051-Ethernet-Mikrocontroller neu entdeckt, Commodore Floppy Disk Preservation: Firmware-Bug im xum1541 gefunden und gefixt

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BitLocker im Dual-Boot: Systemplatte auf Passwortschutz umstellen

Die Feiertage sind da, und ich hatte tatsächlich etwas Zeit zum Zocken. Gearbeitet wird unter Linux, gezockt unter Windows. Dafür habe ich mein Windows auf einer gesonderten SSD installiert, verschlüsselt mit BitLocker.

Illustration eines Dual-Boot-Systems mit Linux und Windows, dargestellt durch die Logos beider Betriebssysteme. Die Windows-Seite zeigt ein BitLocker-Schloss-Symbol, das auf die Verschlüsselung der Systemplatte hinweist.

Die SSD hat irgendwann aufgegeben, Windows musste neu drauf. Backup spare ich mir, ist eh nur zum Zocken. Windows 11, Treiber, Games, fertig. Aber: BitLocker fragt bei jedem Start nach dem Wiederherstellungsschlüssel, wenn ich vorher in Linux war. Das hatte ich schon mal, am gleichen Rechner. Damals nicht aufgeschrieben. Diesen Fehler mache ich nicht noch mal.

Das Problem

BitLocker mit TPM merkt, wenn sich die Boot-Kette ändert. Wechselt man über GRUB zwischen Linux und Windows, sieht das TPM eine Änderung und verlangt den Recovery Key. Die Lösung: TPM als Schlüsselschutz entfernen und stattdessen ein Passwort setzen. Dann fragt BitLocker bei jedem Start nach dem Passwort, egal ob vorher Linux oder Windows lief.

Gruppenrichtlinie anpassen

Damit Windows erlaubt, TPM vom Betriebssystemvolume zu entfernen, muss eine Gruppenrichtlinie geändert werden. Win + S, nach Gruppenrichtlinie bearbeiten suchen, dann:

Computerkonfiguration → Administrative Vorlagen → BitLocker-Laufwerkverschlüsselung → Betriebssystemlaufwerke → Zusätzliche Authentifizierung beim Start anfordern

Editor für lokale Gruppenrichtlinien mit geöffneter Einstellung 'Zusätzliche Authentifizierung beim Start anfordern' unter 'Computerkonfiguration > Administrative Vorlagen > BitLocker-Laufwerkverschlüsselung > Betriebssystemlaufwerke'. Die Option ist aktiviert, um die BitLocker-Verschlüsselung ohne TPM zu ermöglichen.
Detailansicht der Gruppenrichtlinieneinstellung 'Zusätzliche Authentifizierung beim Start anfordern'. Die Option 'BitLocker ohne kompatibles TPM zulassen' ist aktiviert, und die Konfiguration für TPM-Start, Systemstartschlüssel und PIN wird angezeigt. Die Beschreibung auf der rechten Seite erläutert die Auswirkungen der Richtlinie.

Den Haken bei „BitLocker ohne kompatibles TPM zulassen“ setzen. Danach im Administrator-Terminal die Richtlinie anwenden:

gpupdate /force

Schlüsselschutz umstellen

Zuerst den aktuellen Status prüfen:

manage-bde -protectors -get C:

In meinem Fall waren drei Schlüsselschutzvorrichtungen konfiguriert: Numerisches Kennwort, TPM und PIN, sowie TPM. Alle müssen weg, damit nur noch das Passwort übrig bleibt.

Schritt für Schritt im Administrator-Terminal:

# 1. Alle Schutzvorrichtungen deaktivieren
manage-bde -protectors -disable C:
# 2. Vorhandene Schutzvorrichtungen anzeigen (IDs notieren)
manage-bde -protectors -get C:
# 3. Jede Schutzvorrichtung einzeln löschen (ID aus Schritt 2)
manage-bde -protectors -delete C: -id {TPM-UND-PIN-ID}
manage-bde -protectors -delete C: -id {TPM-ID}
manage-bde -protectors -delete C: -id {NUMERISCHES-KENNWORT-ID}
# 4. Prüfen, dass keine mehr da sind
manage-bde -protectors -get C:
# Erwartete Ausgabe: "Es wurden keine Schlüsselschutzvorrichtungen gefunden."
# 5. Passwort als neue Schutzvorrichtung hinzufügen
manage-bde -protectors -add C: -password
# (Passwort eingeben und bestätigen)
# 6. Schutz wieder aktivieren
manage-bde -protectors -enable C:

Ergebnis prüfen

manage-bde -status
Volume "C:" [System]
    Verschlüsselt (Prozent):      100,0 %
    Verschlüsselungsmethode:      XTS-AES 128
    Schutzstatus:                 Der Schutz ist aktiviert.
    Schlüsselschutzvorrichtungen:
        Kennwort

Nur noch Kennwort als Schutzvorrichtung. Beim nächsten Start fragt BitLocker nach dem Passwort, unabhängig davon ob vorher Linux oder Windows lief. GRUB stört nicht mehr.

Wer auf der Linux-Seite ebenfalls verschlüsselt: Bei LUKS kann ein falsches Tastaturlayout bei der Passphrase-Abfrage für Verwirrung sorgen.

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VueScan: Beste Scannersoftware für alte und vielseitige Scanner

Einen guten Dokumentenscanner zu finden, der auch noch bezahlbar ist, kann schnell zu einer Herausforderung werden. Viele ältere Geräte verlieren nach kurzer Zeit den Support für das nächste Betriebssystem und funktionieren dann nicht mehr. Wenn der Scanner zusätzlich unter Linux reibungslos laufen soll, wird es noch spannender.

Vor vielen Jahren konnte ich mir günstig einen Fujitsu ScanSnap S1500 zulegen. Dieser Dokumentenscanner erfüllt genau meine Anforderungen: Er zieht mehrere Seiten über den automatischen Dokumenteneinzug (ADF) ein, scannt beidseitig, ist schnell und liefert eine gute Auflösung. Wenn ich ihn nicht brauche, lässt er sich genauso schnell zusammenklappen, wie er sich aufstellen lässt, und nimmt kaum Platz auf meinem ohnehin schon überladenen Schreibtisch ein. Ich nutze den Scanner, um meine Post, Rechnungen und andere wichtige Unterlagen zu digitalisieren. Anfangs lief dies noch über eine Windows-VM, da es lange keine wirklich einfache Software für Linux gab, die auf Knopfdruck Dokumente scannt, Texterkennung (OCR) anwendet und alles als durchsuchbares PDF abspeichert. Dieses PDF wandert dann automatisch in meine Nextcloud und hilft mir, Ordnung in meinen Unterlagen zu halten.

Vor etwa anderthalb Jahren stieß ich auf die Software VueScan. Zwar kostet sie etwas, aber für mich ist sie jeden Cent wert. Sie läuft nativ oder als Flatpak auf meinem Linux-System, bietet mehr Funktionen, als ich tatsächlich benötige, und unterstützt eine beeindruckend große Anzahl an Scannern. Sie scannt sogar mein Netzwerk nach anderen Geräten, so läuft auch mein Samsung-Multifunktionsdrucker problemlos damit. Was mich jedoch wirklich beeindruckt, sind die Menschen hinter der Software.

Soweit ich weiß, wird VueScan nur von zwei Leuten entwickelt. Sie reagieren extrem schnell auf E-Mail-Anfragen und bieten hervorragenden Support. Gestern ist die Anwendung zum ersten Mal abgestürzt. Ich konnte sie direkt wieder öffnen, und alles war in Ordnung. Da VueScan den Absturz jedoch selbst erkannte, öffnete sich sofort ein Dialog für einen Fehlerbericht. Das kennt man ja. Ich füllte den Bericht aus und schickte ihn ab. Heute hatte ich bereits eine E-Mail vom Entwickler im Postfach, der mir Unterstützung anbot und weitere Fragen zum Absturz stellte. Diese schnelle, persönliche Reaktion hat mich sehr positiv überrascht.

Klar, mir war bereits aufgefallen, dass VueScan sehr häufig und regelmäßig Updates erhält, aber dass der Entwickler so engagiert dahintersteht, beeindruckt mich wirklich. Das gibt mir ein gutes Gefühl. Die Software ist klasse, der Preis ist in Ordnung (ich habe die Professional-Version), und der Support sowie die Reaktionszeit sind erstklassig. Außerdem unterstützen sie gefühlt jeden Scanner auf diesem Planeten. Und ja, die Software gibt es natürlich auch für Windows und Mac.

Ich muss also nur einmal lernen, wie eine Software funktioniert, und bin dann in der Lage, auf verschiedenen Betriebssystemen und mit verschiedenen Geräten zu arbeiten. Ich möchte ja nicht Experte für x verschiedene Softwarelösungen werden, sondern einfach nur schnell meine Dokumente digitalisieren.

Ich bekomme für diesen Beitrag keinerlei Vergütung oder Ähnliches, ich bin einfach wirklich überzeugt von VueScan. Probiert es doch einfach mal aus, und ich bin gespannt, ob ihr meine Meinung teilt.

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Google Chrome: Hardwarebeschleunigung unter Linux (auch Flatpak) aktivieren

Wer Chrome unter Linux für Videocalls oder Microsoft Teams nutzt, kennt das Problem: hohe CPU-Auslastung, träge Performance, unscharfer Hintergrund fühlt sich an als wäre das System 15 Jahre alt. Ob Chrome aus den Paketquellen oder als Flatpak installiert ist, macht keinen Unterschied.

Die Ursache: Chrome nutzt unter Linux standardmäßig kaum GPU-Beschleunigung. Das lässt sich ändern.

Voraussetzung: VA-API prüfen

Zuerst sicherstellen, dass vainfo in der Konsole ohne Fehler läuft. Die meisten Distributionen bringen das out of the box mit. Falls nicht, gibt es im Arch Wiki gute Anleitungen dazu.

Aktuellen Status prüfen

In Chrome chrome://gpu aufrufen. Typischerweise sind Video Encode, Vulkan und WebGPU deaktiviert. Nach der Anpassung sieht es so aus:

  • Rasterization: Hardware accelerated on all pages (vorher: nur „Hardware accelerated“)
  • Video Encode: Hardware accelerated (vorher: Software only)
  • Vulkan: Enabled (vorher: Disabled)
  • WebGPU: Hardware accelerated (vorher: Disabled)

Konfiguration

Die Flags kommen in eine Konfigurationsdatei:

  • Chrome/Chromium aus Paketquellen: ~/.config/chromium-flags.conf
  • Chrome als Flatpak: ~/.var/app/com.google.Chrome/config/chrome-flags.conf
--ignore-gpu-blocklist
--enable-zero-copy
--enable-gpu-rasterization
--enable-gpu-compositing
--enable-smooth-scrolling
--canvas-oop-rasterization
--disable-direct-composition-bug-workarounds
--enable-unsafe-webgpu
--enable-features=VaapiVideoDecoder,VaapiVideoEncoder,VaapiIgnoreDriverChecks,Vulkan,DefaultANGLEVulkan,VulkanFromANGLE,UseOzonePlatform
--ozone-platform=x11

Chrome neu starten und chrome://gpu erneut prüfen.

Tipp für Flatpak-Nutzer: Flatseal macht die allgemeine Konfiguration von Flatpaks deutlich bequemer.

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DNSSEC und SSHFP unter Linux Mint und Ubuntu zum Laufen bringen

Heute habe ich versucht, mich von meiner neuen Linux Mint Installation aus mit einem meiner SSH-Server zu verbinden. Mein SSH-Client hat mich direkt gefragt, ob ich dem Hostkey vertrauen möchte:

ssh username@hostname.kernel-error.org
The authenticity of host 'hostname.kernel-error.org (2a01:5a8:362:4416::32)' can't be established.
ED25519 key fingerprint is SHA256:kTRGVCMRLiHfvJunW2CbW5H3NZmn3Wkx2KnHJXl3iJu.
This key is not known by any other names
Are you sure you want to continue connecting (yes/no/[fingerprint])?

Für viele ist das normal — man tippt „yes“ und sieht die Meldung nie wieder. Aber diese Meldung hat ihren Grund. Beim ersten Verbindungsaufbau zeigt SSH den Fingerprint des Server-Hostkeys an, damit man prüfen kann, ob man wirklich mit dem richtigen Server spricht und nicht mit einem Angreifer. Wer eh immer „yes“ sagt, könnte den Check auch gleich in seiner ~/.ssh/config abschalten:

Host *
    StrictHostKeyChecking no

SSHFP — Hostkeys per DNS verifizieren

Es gibt einen besseren Weg: SSHFP-Records (RFC 4255). Man hinterlegt die Fingerprints der erwarteten Hostkeys als DNS-Einträge. Der SSH-Client prüft diese automatisch — vorausgesetzt die DNS-Antwort ist per DNSSEC abgesichert. In der ~/.ssh/config:

Host *
   VerifyHostKeyDNS yes

Meine DNS-Server unterstützen alle DNSSEC, mein lokaler Resolver auf dem Router auch, die SSH-Config stimmt — und trotzdem erscheint die Meldung. Also mit ssh -vvv debuggen:

debug1: found 2 insecure fingerprints in DNS

Insecure. SSH findet die SSHFP-Records, vertraut ihnen aber nicht, weil die DNS-Antwort nicht als DNSSEC-validiert markiert ist.

Das Problem: systemd-resolved

Schneller Test mit dig +dnssec gegen Google DNS:

dig +dnssec hostname.kernel-error.org @8.8.8.8
;; flags: qr rd ra ad; QUERY: 1, ANSWER: 2, AUTHORITY: 0, ADDITIONAL: 1

Das ad-Flag (Authenticated Data) ist gesetzt — meine DNS-Server liefern DNSSEC korrekt aus. Auch der lokale Router-Resolver liefert ad. Aber ohne expliziten @server:

dig +dnssec hostname.kernel-error.org
;; flags: qr rd ra; QUERY: 1, ANSWER: 2, AUTHORITY: 0, ADDITIONAL: 1

Kein ad. Was steht in /etc/resolv.conf? 127.0.0.53 — systemd-resolved. Der Stub-Resolver von systemd schluckt das AD-Flag.

Man könnte in /etc/systemd/resolved.conf einfach DNSSEC=yes setzen — bei mir ging danach aber gar keine DNS-Auflösung mehr. Das liegt am Stub-Resolver, den man ebenfalls umkonfigurieren müsste. Nennt mich oldschool, aber für meine Zwecke reicht der klassische Weg über die vom NetworkManager gepflegte resolv.conf.

Lösung: systemd-resolved abschalten

sudo systemctl disable systemd-resolved
sudo systemctl stop systemd-resolved
sudo rm /etc/resolv.conf

In /etc/NetworkManager/NetworkManager.conf in der [main]-Sektion:

dns=default

NetworkManager neu starten:

sudo systemctl restart NetworkManager
cat /etc/resolv.conf
# Generated by NetworkManager
search kernel-error.local
nameserver 10.10.88.1
nameserver fd00:424e:6eff:f525:454e:6eff:f525:4241

DNS-Auflösung geht. Aber SSH sagt weiterhin „insecure“. Es fehlen noch zwei Optionen in der resolv.conf.

edns0 und trust-ad

Erste Erkenntnis — edns0 muss aktiviert sein, damit DNSSEC-Daten überhaupt transportiert werden. In /etc/resolv.conf:

options edns0

Jetzt zeigt dig das ad-Flag. Aber SSH sagt immer noch „insecure“. Warum? Ein Blick in den SSH-Quellcode — die ldns-Bibliothek macht die DNSSEC-Validierung:

        /* Check for authenticated data */
        if (ldns_pkt_ad(pkt)) {
                rrset->rri_flags |= RRSET_VALIDATED;
        } else { /* AD is not set, try autonomous validation */
                ldns_rr_list * trusted_keys = ldns_rr_list_new();
                /* ... */
                if ((err = ldns_verify_trusted(ldns_res, rrdata, rrsigs,
                     trusted_keys)) == LDNS_STATUS_OK) {
                        rrset->rri_flags |= RRSET_VALIDATED;
                }
        }

ldns prüft das AD-Flag im DNS-Paket. Aber die glibc setzt das AD-Flag in der Antwort nur dann, wenn trust-ad in der resolv.conf steht — sonst wird es aus Sicherheitsgründen herausgefiltert. Die vollständige Option:

options edns0 trust-ad

Und jetzt:

ssh username@hostname.kernel-error.org -vvv
[...]
debug1: found 2 secure fingerprints in DNS
debug3: verify_host_key_dns: checking SSHFP type 4 fptype 1
debug1: verify_host_key_dns: matched SSHFP type 4 fptype 1
debug3: verify_host_key_dns: checking SSHFP type 4 fptype 2
debug1: verify_host_key_dns: matched SSHFP type 4 fptype 2
debug1: matching host key fingerprint found in DNS

secure statt insecure. SSH verifiziert den Hostkey automatisch per DNSSEC — keine manuelle Fingerprint-Prüfung mehr nötig.

Rebootfest machen

Die manuell eingetragenen Optionen in der resolv.conf überleben keinen Reboot — der NetworkManager überschreibt die Datei. Per nmcli die Optionen dauerhaft im Netzwerkprofil setzen, für IPv4 und IPv6:

nmcli conn modify DEINE-PROFIL-UUID ipv4.dns-options edns0,trust-ad
nmcli conn modify DEINE-PROFIL-UUID ipv6.dns-options edns0,trust-ad

Die UUID des aktiven Profils findet man mit nmcli conn show. Beide Zeilen sind nötig — fehlt eine, greift es nicht.


Zusammenfassung: systemd-resolved unter Linux Mint und Ubuntu filtert das DNSSEC-AD-Flag heraus. Ohne AD-Flag kann SSH die SSHFP-Records nicht als vertrauenswürdig einstufen. Lösung: systemd-resolved abschalten, NetworkManager mit dns=default nutzen, edns0,trust-ad per nmcli setzen.

Wer einen DNSSEC-validierenden Resolver sucht — dns.kernel-error.de ist ein öffentlicher DNS-Resolver mit DNSSEC, DNS over TLS und DNS over HTTPS.

Und die offene Frage: Ich bin mit meinem FreeBSD-Wissen an das Thema gegangen. Wie macht man das als Linux-User mit systemd-resolved richtig? Schreibt mir, wenn ihr es wisst.

Siehe auch: SSH Host Keys per SSHFP

Kodi auf dem Raspberry Pi 4: Ruckelfreie Wiedergabe einrichten

Der Raspberry Pi 4 , egal ob mit 4GB oder 8GB RAM, ist in der Kombination mit Kodi eine wunderbare Erweiterung am Fernseher. Leider sorgte die letzte Version Kodi v19.3 (Matrix) bei mir für ein paar Problemchen. So stockte oder ruckelte die Wiedergabe von Videos oder die Wiedergabe lief für einige Minuten gut, dann wurde gebuffert, nur damit sich dieses Spielchen alle paar Minuten wiederholte. Egal ob im WLAN oder direkt am LAN.

Folgende Änderungen haben bei mir für eine Lösung der Probleme gesorgt:

  1. Erstellen einer XML Datei, welche die default Einstellungen des Cachings überschreibt.

    Speicherort und Dateiname ist: /storage/.kodi/userdata/advancedsettings.xml
<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<advancedsettings>
        <cache>
                <memorysize>524288000</memorysize>
                <buffermode>1</buffermode>
                <readfactor>6</readfactor>
        </cache>
</advancedsettings>

Achtung… Bei XML Dateien, spielt das richtige „Einrücken“ schon mal eine Rolle.

2. Erweitern des Arbeitsspeichers für die GPU, sowie das Erzwingen des „Turbo“ Modus.
Dafür einfach die Datei /flash/config.txt um folgende Zeilen erweitern/einpassen:

# Default GPU memory split, 76MB are needed for H264 decoder
gpu_mem=256
force_turbo=1

Wer dieses gerne per SSH machen möchte, muss das Volume /flash einmal schreibfähig mounten:

mount -o remount,rw /flash

Die Option gpu_mem setzt recht einfach den, für die Grafikkarte, reservierten Arbeitsspeicher fest auf 256MB. Dieses macht selbst bei der 4GB Raspberry PI 4 Version kein Problem.

force_turbo deaktiviert das dynamische, lastabhängige takten der CPU, GPU und des Arbeitsspeichers, sowie der Spannungen. Alles läuft daher auf Maximum, aber ohne zu übertakten. Dieses hat weniger Auswirkungen auf die Probleme bei der Wiedergabe, sorgt aber für ein allgemein „flüssigeres“ Verhalten. Dafür steigt die Stromaufnahme und die Temperatur. Da wir hier über einen Raspberry sprechen, ist es wohl für die Meisten zu vernachlässigen.

3. Um Temperatur und Geräuschpegel im Zaum zu halten, empfiehlt sich ein gutes passiv gekühltes Gehäuse. Folgendes kann ich empfehlen: https://amzn.to/3qF61pe

Das mitgelieferte Netzteil hat ausreichend Power, man kommt noch an „alles“ ran, das Gehäuse ist sehr massiv und selbst bei großer Last/langem Betrieb, wird alles nur handwarm.


Update Februar 2026 — Kodi 21 (Omega) / LibreELEC 12.x

Seit Kodi 21 (Omega), das mit LibreELEC 12.x ausgeliefert wird, funktioniert die oben beschriebene Cache-Konfiguration über die advancedsettings.xml nicht mehr korrekt. Die <cache> Sektion wird zwar noch eingelesen und im Log angezeigt — die tatsächlich aktiven Werte kommen aber aus den GUI-Settings (guisettings.xml). Im Kodi-Log erkennt man das an dieser Zeile:

New Cache GUI Settings (replacement of cache in advancedsettings.xml) are:
    Buffer Mode: 4
    Memory Size: 20 MB
    Read Factor: 4.00 x

Das bedeutet: Trotz konfigurierter 500 MB in der advancedsettings.xml läuft Kodi mit nur 20 MB Puffer — dem Default. Nicht gerade ideal.

Die neue Methode

Die Cache-Werte müssen jetzt direkt in /storage/.kodi/userdata/guisettings.xml gesetzt werden. Dafür Kodi stoppen, Datei bearbeiten, Kodi starten:

systemctl stop kodi
sleep 3

In der guisettings.xml diese drei Zeilen suchen und anpassen. Wichtig: Das default="true" muss entfernt werden, damit Kodi die Werte als benutzerdefiniert erkennt.

Vorher:

<setting id="filecache.buffermode" default="true">4</setting>
<setting id="filecache.memorysize" default="true">20</setting>
<setting id="filecache.readfactor" default="true">400</setting>

Nachher (Beispiel für 8 GB RAM):

<setting id="filecache.buffermode">1</setting>
<setting id="filecache.memorysize">500</setting>
<setting id="filecache.readfactor">600</setting>

Dann Kodi wieder starten:

systemctl start kodi

Was die Werte bedeuten

buffermode = 1

Legt fest, welche Quellen gepuffert werden:

WertBedeutung
0Nur Internet-Streams (HTTP, FTP…)
1Alles (Internet + LAN + lokal) ← empfohlen
2Nur „echte“ Internet-Streams
3Kein Puffer
4Alle Netzwerk-Quellen (Default in Kodi 21)

Wir setzen 1 statt 4, damit NFS-Quellen garantiert gepuffert werden — egal wie Kodi die Quelle intern klassifiziert.

memorysize = 500 (bzw. 250)

Die Größe des Puffers in MB. Das ist der Speicher, den Kodi im RAM reserviert, um Film-Daten vorauszulesen.

Praktisches Beispiel: Ein typischer 4K-Film hat ~80 Mbit/s Bitrate (ca. 10 MB/s).

  • 20 MB (Default): Nur ~2 Sekunden Film im Puffer. Wenn das Netzwerk kurz schwankt, stockt die Wiedergabe sofort.
  • 500 MB: Ca. 50 Sekunden Film im Puffer. Selbst wenn NFS mehrere Sekunden hängt, läuft die Wiedergabe weiter.

Empfohlene Werte nach verfügbarem RAM:

  • 8 GB RAM: memorysize = 500
  • 4 GB RAM: memorysize = 250

readfactor = 600 (= 6×)

Der Wert wird intern durch 100 geteilt, also 600 = 6,0×. Kodi liest Daten mit der 6-fachen Geschwindigkeit der benötigten Bitrate voraus. Bei einem 80 Mbit/s Film liest Kodi also mit ~480 Mbit/s vom NFS, bis der Puffer voll ist. Danach drosselt es auf die tatsächlich benötigte Rate. Das sorgt dafür, dass der Puffer sich schnell füllt und möglichst voll bleibt.

Verifizierung

Nach dem Neustart im Kodi-Log prüfen, ob die neuen Werte aktiv sind:

grep "New Cache GUI Settings" -A4 /storage/.kodi/temp/kodi.log

Hinweis zum Raspberry Pi 5

Die config.txt Anpassungen (gpu_mem=256 und force_turbo=1) gelten weiterhin für den Raspberry Pi 4. Beim Raspberry Pi 5 sind diese nicht nötig — er nutzt eine andere GPU-Architektur (VideoCore VII) und gpu_mem hat dort keine Wirkung.

Firmware- und BIOS-Updates unter Linux einfach mit fwupd durchführen

fwupd-Logo — das Open-Source-Tool fuer Firmware-Updates unter Linux.

Firmware- und BIOS-Updates waren unter Linux lange eine Qual. Hersteller lieferten ihre Tools nur für DOS oder Windows. Wer ein Update wollte, musste eine Platte ausbauen, Windows installieren, Treiber suchen, Herstellertool laden — für ein Update. So macht das keinen Spaß.

fwupd hat das grundlegend geändert. Ein paar GNOME-Entwickler haben zusammen mit Dell ein einheitliches Update-Framework gebaut. Hersteller müssen sich nicht mehr um Installer und Betriebssystem-Support kümmern — sie stellen ihre Firmware-Images in einem zentralen Repository (LVFS) bereit, und fwupd verteilt sie.

Was kann fwupd?

fwupd aktualisiert BIOS/UEFI, Thunderbolt-Controller, NVMe-Firmware, Intel ME, Netzwerkkarten, Logitech-Empfänger und vieles mehr. Über 1.000 Geräte werden unterstützt. Es läuft als Daemon im Hintergrund, prüft täglich auf neue Updates und kann sie automatisch installieren oder ankündigen. Gnome und KDE bringen grafische Frontends mit, auf der Kommandozeile geht es genauso einfach.

Geräte prüfen

Testgerät: ein Lenovo ThinkPad X1 Carbon. fwupdmgr get-devices zeigt, welche Hardware erkannt und unterstützt wird:

root@errorlap:~# fwupdmgr get-devices
20N588101
│
├─Thunderbolt Controller:
│     Current version:     20.00
│     Vendor:              Lenovo (TBT:0x0109)
│     Device Flags:        • Internal device
│                          • Updatable
│                          • Requires AC power
│                          • Device stages updates
│
├─SAMSUNG MZVLB256HB88-000L7:
│     Summary:             NVM Express Solid State Drive
│     Current version:     4M2QEXH7
│     Vendor:              Samsung Electronics Co Ltd
│     Device Flags:        • Internal device
│                          • Updatable
│
├─System Firmware:
│     Current version:     0.1.65
│     Vendor:              LENOVO
│     Device Flags:        • Updatable
│                          • Needs a reboot after installation
│                          • Cryptographic hash verification is available
│
└─UEFI Device Firmware (3×):
      Current version:     192.64.1551 / 0.1.19 / 1.1.8
      Device Flags:        • Updatable
                           • Needs a reboot after installation

Bei diesem Gerät werden Thunderbolt-Controller, NVMe-SSD, System-Firmware und drei UEFI-Komponenten erkannt. Die Device Flags zeigen Voraussetzungen — zum Beispiel „Requires AC power“ (Netzteil anschließen) und „Needs a reboot“ (Neustart nach dem Update).

Updates suchen und installieren

Zuerst den Firmware-Katalog aktualisieren — fwupd merkt auch selbst, wenn der Datenstand zu alt ist, und bietet das automatisch an:

root@errorlap:~# fwupdmgr refresh --force
Fetching metadata https://cdn.fwupd.org/downloads/firmware.xml.gz
Downloading…             [***************************************]
Successfully downloaded new metadata: 5 local devices supported

Dann fwupdmgr get-updates — hier gab es Updates für die System-Firmware (0.1.65 → 0.1.70, fünf BIOS-Versionen mit Security-Fixes und Bugfixes) und die Intel ME (192.64.1551 → 192.71.1681, unter anderem 16 CVEs). Die Changelogs kommen direkt vom Hersteller über LVFS.

Installation mit fwupdmgr update:

root@errorlap:~# fwupdmgr update
Upgrade available for UEFI Device Firmware from 192.64.1551 to 192.71.1681
20N588101 must remain plugged into a power source for the duration
of the update to avoid damage. Continue with update? [Y|n]: y
Downloading 192.71.1681 for UEFI Device Firmware...
Decompressing…           [***************************************]
Authenticating…          [***************************************]
Updating UEFI Device Firmware…
Scheduling…              [***************************************]
Successfully installed firmware

An update requires a reboot to complete. Restart now? [y|N]:

Beim Neustart übernimmt das UEFI — man sieht den Fortschritt auf dem Bildschirm (Fotos unten). Danach die Kontrolle:

root@errorlap:~# fwupdmgr get-updates
Devices that have been updated successfully:
 • System Firmware (0.1.65 → 0.1.70)
 • UEFI Device Firmware (192.64.1551 → 192.71.1681)

Sauber. Beide Updates eingespielt, keine Fehler. fwupd fragt am Ende noch, ob man einen anonymen Report hochladen möchte — das hilft den Herstellern, erfolgreiche und fehlgeschlagene Updates auf realer Hardware zu erkennen.

Was man wissen sollte

fwupd nutzt für BIOS-Updates den UEFI Capsule Update-Mechanismus. Das Firmware-Image wird in die EFI System Partition geschrieben, beim nächsten Boot übernimmt das UEFI die Installation. Dafür braucht das Gerät eine EFI System Partition und ein UEFI, das Capsule Updates unterstützt. Ältere BIOS-only-Systeme oder Hersteller ohne LVFS-Unterstützung fallen raus.

Es steht und fällt mit den Herstellern. Lenovo, Dell, HP und Intel sind gut dabei. Wenn euer Gerät nicht unterstützt wird — kurze Mail an den Hersteller-Support, warum sie nicht mit LVFS zusammenarbeiten. Jede Anfrage hilft.

Für FreeBSD-Nutzer: fwupd wurde 2021 auf der FOSDEM als BSD-Port vorgestellt und läuft mittlerweile auch auf FreeBSD. Die Abdeckung ist noch geringer als unter Linux, aber die Basis steht.

Wer noch Fragen hat — schreibt mir.

Siehe auch:

TRIM für SSDs im ZFS-Pool unter Linux aktivieren

Speicherzellen einer SSD sind nicht unendlich beschreibbar. Damit sie möglichst lange halten, verteilt die interne Logik der SSD Schreibzugriffe gleichmäßig über alle Bereiche — Wear Leveling. Dafür muss die SSD aber wissen, welche Blöcke wirklich frei sind. Diese Information kann sie nur vom Dateisystem bekommen. Genau dafür gibt es TRIM.

Wer sich für TRIM allgemein interessiert — im älteren Beitrag zu TRIM für SSDs und Flash-Speicher steht mehr zu den Grundlagen. Hier geht es nur um ZFS.

autotrim — kontinuierliches TRIM

ZFS kennt die Pool-Eigenschaft autotrim. Wenn aktiviert, schickt ZFS nach jedem Freigeben von Blöcken automatisch TRIM-Befehle an die darunterliegenden Geräte. Prüfen, ob es aktiv ist:

$ zpool get autotrim bpool rpool
NAME   PROPERTY  VALUE  SOURCE
bpool  autotrim  off    local
rpool  autotrim  off    local

Aktivieren:

$ zpool set autotrim=on bpool
$ zpool set autotrim=on rpool

Kontrolle — jetzt sollte on stehen:

$ zpool get autotrim bpool rpool
NAME   PROPERTY  VALUE  SOURCE
bpool  autotrim  on     local
rpool  autotrim  on     local

zpool trim — manuelles TRIM

Neben dem kontinuierlichen autotrim gibt es auch manuelles TRIM. Das ist sinnvoll, wenn man autotrim bisher nicht aktiviert hatte und den Pool einmalig aufräumen will:

$ zpool trim rpool

Der Fortschritt lässt sich mit zpool status -t rpool beobachten. Bei großen Pools kann das eine Weile dauern.

Tipp: SSD-Wartungsmodus

Wenn eine SSD nur am Strom hängt, ohne dass ein Rechner darauf zugreift, fallen viele SSDs in einen internen Wartungs- und Reparaturmodus. Die Firmware sortiert dann selbstständig Speicherzellen um, führt Diagnosen durch und versucht schwache Zellen zu retten. Einfach 2–3 Stunden laufen lassen. Über diesen Weg lassen sich manchmal sogar „tote“ SSDs wiederbeleben. Mit aktivem TRIM funktioniert das alles natürlich deutlich besser.

Hinweis für FreeBSD: autotrim und zpool trim funktionieren dort genauso — FreeBSD nutzt seit langem OpenZFS.

Fragen? Einfach melden.

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