IT security, FreeBSD, Linux, mail server hardening, post-quantum crypto, DNS, retro computing & hands-on hardware hacks. Privater Tech-Blog seit 2003.

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MikroTik CRS305-1G-4S+IN: Der 10-Gbit-Switch für 130 Euro im Langzeittest

Den MikroTik CRS305-1G-4S+IN habe ich Ende 2020 in meinem Arbeitszimmer in Betrieb genommen. Workstation, Storage, Hauptswitch und Windows-PC hängen seitdem an seinen vier SFP+ Ports. Fünf Jahre später läuft das Teil immer noch ohne Ausfall und ich denke es ist Zeit für ein ehrliches Update.

Damals lag der Preis bei knapp über 100 Euro, aktuell zeigt mir Amazon 131,62 Euro an. Klingt nach Inflation, ist für einen managebaren 4-Port 10-Gbit-Switch trotzdem immer noch ein Witz.

Was bekommt man fürs Geld?

An der Hardware hat sich seit dem Erstkauf nichts geändert: Vier SFP+ Ports mit 10 Gbit/s, dazu ein Gigabit-Port für Out-of-Band-Management. Komplett lüfterlos, das Metallgehäuse dient als Kühlkörper. Stromversorgung wahlweise per Steckernetzteil, über den zweiten Netzteil-Anschluss redundant oder per PoE-In über den Management-Port. Wer es ernst meint mit Hochverfügbarkeit, packt drei verschiedene Quellen drauf.

Auf der Unterseite sind Bohrungen für die Wandmontage. Bei mir hängt der Switch seit Jahren an genau dieser Stelle.

RouterOS, jetzt in Version 7

Auf dem Gerät läuft echtes RouterOS, kein abgespecktes SwitchOS-Light. Vor ein paar Jahren bin ich von Version 6 auf 7 umgestiegen, der Sprung lief schmerzfreier als befürchtet. Container-Support, eine neue Routing-Engine, in-kernel WireGuard, ROSE-storage. Für den CRS305 in reiner Switch-Funktion ist das meiste davon Overkill, aber der gleiche Software-Stack läuft auf allen MikroTik-Geräten und das einmal gelernte Wissen ist übertragbar.

Wer den Switch wirklich nur als Switch braucht und das volle Routing-Featureset nicht will, kann alternativ SwOS einspielen. Ich bleibe bei RouterOS, weil ich VLANs, VRRP und gelegentlich mal eine kleine Bridge mit eigenen Regeln nutze.

Härtung: das was 2021 noch keiner gesagt hat

In den letzten Jahren ist MikroTik mehrfach unangenehm aufgefallen. Botnetze auf nicht aktualisierten RouterOS-Geräten (Mēris, TrickBot, VPNFilter), mehrere Webfig-Authentifizierungs-Bypässe, dazu der Klassiker: Default-User „admin“ ohne Passwort. Wer so ein Gerät ohne Härtung ans Internet hängt oder auch nur ohne Trennung ins LAN, hat sich selbst beschenkt.

Mein Standardvorgehen direkt nach dem Auspacken sieht ungefähr so aus:

/user add name=adminneu group=full password=...
/user remove admin
/ip service disable telnet,ftp,www,api,api-ssl
/ip service set winbox address=192.168.X.0/24
/ip service set ssh address=192.168.X.0/24
/system clock set time-zone-name=Europe/Berlin
/system ntp client set enabled=yes servers=pool.ntp.org
/system package update check-for-updates
/system routerboard upgrade

Webfig und API mögen bequem sein, ich brauche beides nicht. Telnet und FTP haben auf einem Gerät von 2026 nichts mehr verloren. Wer trotzdem das Webinterface nutzen will, sollte zumindest auf HTTPS umstellen und die Zugriffe auf das Management-Subnetz beschränken.

Auto-Update gibt es bei MikroTik leider noch immer nicht out-of-the-box. Ich habe mir einen kleinen Cron-Job gebaut, der einmal im Monat anpingt ob ein Update da ist. Manuell einspielen muss ich es dann selbst, weil mir bei einem zentralen Netzwerkgerät ein automatisches Reboot mitten in der Nacht zu heikel ist.

SFP+ Module und DAC-Kabel

MikroTik ist da angenehm tolerant: vendor-locked Module von Cisco, Juniper oder HPE fliegen in der Regel ohne Murren rein. In meinen vier Ports stecken aktuell zwei FS.com-Module mit LWL, ein generisches Kupfer-DAC zur Workstation und ein 10GBASE-T-Adapter ans Storage. Alles funktioniert, kein Kabel oder Modul zickt.

Vorsicht bei 10GBASE-T-Adaptern: die werden warm. Sehr warm. Bei zwei oder mehr Stück im engen Gehäuse kann der Switch im Sommer am thermischen Limit kratzen. Wer kann, sollte LWL oder DAC bevorzugen, das ist effizienter und kühler. DACs sparen außerdem die Modul-Kosten und bringen Latenzen, die mit aktiven Modulen schlicht nicht zu erreichen sind.

Stromverbrauch

Bei mir liegt der Verbrauch im Mittel zwischen 8 und 12 Watt, je nach Bestückung. Mit zwei 10GBASE-T-Adaptern kann es Richtung 14 bis 16 Watt gehen. Für einen 24/7 laufenden Switch ist das vertretbar, in Zeiten von Stromrechnungen die jedes Jahr neue Höchststände erreichen sollte man es zumindest wissen.

Markt 2026: Alternativen

2021 war der CRS305 in seiner Preisklasse fast konkurrenzlos. 2026 sieht das anders aus. Ein paar Optionen, die ich heute mit auf die Liste setzen würde:

  • MikroTik CRS309-1G-8S+IN: Doppelte Portzahl, gleicher Aufbau, etwa 250 bis 300 Euro. Wenn vier Ports knapp werden, der logische Schritt nach oben.
  • MikroTik CRS310-1G-5S-4S+IN: Mischmasch aus 1G/2.5G und 4× SFP+, brauchbar wenn das eigene Netz nicht komplett auf 10G migriert ist.
  • TP-Link TL-SX3008F: 8× SFP+ JetStream-Smart-Switch, kein RouterOS aber gepflegtes Webinterface, etwa 250 Euro. Für reines Switchen oft entspannter als RouterOS.
  • QNAP QSW-M408S: 4× SFP+ plus 4× 1G, simples Web-UI, knapp 280 Euro. Gut für Leute, die kein RouterOS lernen wollen.
  • Ubiquiti USW-Aggregation: 8× SFP+ mit Web-Controller, etwa 280 Euro. Wer schon im UniFi-Ökosystem unterwegs ist, will sowieso nichts anderes.

Für den absoluten Einstieg in 10G zuhause, mit kleinem Budget und der Bereitschaft sich kurz mit RouterOS zu beschäftigen, ist der CRS305 weiterhin der beste Deal. Wer mehr Ports braucht oder das Routing-Featureset gar nicht erst anfassen will, sollte einen der oben genannten in die engere Wahl nehmen.

Fazit nach 5 Jahren

Das Gerät ist seit 2021 ohne einen einzigen Ausfall durchgelaufen, hat zwei Wohnungswechsel und mehrere RouterOS-Major-Updates überlebt. Bei aktuell 131,62 Euro auf Amazon oder direkt von MikroTik bleibt es eine klare Empfehlung. Mit der Einschränkung, dass man die paar Minuten in Härtung investieren sollte, sonst wird aus dem schönen kleinen Switch schnell ein Botnet-Knoten.

Ich mache ja eher selten Werbung für ein Produkt, aber dieser Switch hat sich nach fünf Jahren als die beste Empfehlung herausgestellt, die ich in dieser Preisklasse jemals geben konnte.

Siehe auch: IPv6 Prefix Delegation: FritzBox und MikroTik und Ist mein Netzwerk kompromittiert? Warum das kaum jemand merkt.

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Linux Mint mit verschlüsseltem ZFS-Root-Pool installieren

ZFS als Root-Dateisystem unter Linux — will man haben. Verschlüsselung auf der Festplatte — will man auch haben. Die Kombination aus beidem war unter Linux lange ein manueller Kraftakt. Seit Linux Mint 20 bringt der Installer aber fast alles mit. Man muss ihm nur an zwei Stellen unter die Arme greifen.

Linux Mint Boot-Bildschirm: ZFS-Pool-Passwortabfrage nach erfolgreicher Verschluesselung.

Hinweis: Diese Anleitung wurde mit Linux Mint 20.1 geschrieben, funktioniert aber genauso mit Mint 21.x und 22.x — der Installer nutzt das gleiche zsys-setup-Skript.

Pakete im Live-System nachinstallieren

Die gewünschte Linux Mint ISO herunterladen und davon booten. Im Live-System ein Terminal öffnen und die ZFS-Pakete installieren:

sudo aptitude -y install libzfs2linux zfs-initramfs zfsutils-linux zfs-zed

Wer nur ZFS ohne Verschlüsselung will, ist damit schon fertig. Einfach den Installer starten, bei der Festplattenauswahl auf Advanced features… klicken und EXPERIMENTAL: Erase disk and use ZFS wählen. Für Verschlüsselung weiter lesen.

Installer-Skript für Verschlüsselung anpassen

Der Installer fragt kein Passwort für die ZFS-Verschlüsselung ab — das muss man ihm vorher ins Skript schreiben. Im Terminal:

sudo vi /usr/share/ubiquity/zsys-setup

Nach zpool create suchen — es taucht zweimal auf. Beim rpool (nicht beim bpool) zwei Änderungen vornehmen:

1. Vor die zpool create-Zeile des rpool ein echo mit dem gewünschten Passwort setzen:

echo 'EUER-PASSWORT' | zpool create -f \

2. Vor die Zeile -O mountpoint=/ -R "${target}" rpool "${partrpool}" die Encryption-Optionen einfügen:

-O encryption=aes-256-gcm \
-O keylocation=prompt \
-O keyformat=passphrase \

Das fertige Ergebnis sieht dann so aus:

echo 'Kennwort!' | zpool create -f \
        -o ashift=12 \
        -O compression=lz4 \
        -O acltype=posixacl \
        -O xattr=sa \
        -O relatime=on \
        -O normalization=formD \
        -O mountpoint=/ \
        -O canmount=off \
        -O dnodesize=auto \
        -O sync=disabled \
        -O encryption=aes-256-gcm \
        -O keylocation=prompt \
        -O keyformat=passphrase \
        -O mountpoint=/ -R "${target}" rpool "${partrpool}"

Sicherheitshinweis: Das Passwort steht kurzzeitig im Klartext in der Datei und in der Bash-History. Im Live-System ist das unkritisch — nach dem Reboot ins installierte System ist das Live-System weg. Trotzdem nicht das Produktivpasswort in Screenshots posten.

Jetzt den Installer starten, ZFS als Dateisystem wählen — fertig. Funktioniert mit EFI und Legacy-Boot.

Verschlüsselung prüfen

Nach dem ersten Boot ins neue System — Terminal öffnen und prüfen, ob die ZFS-Verschlüsselung aktiv ist und sich durch den Pool bis zu den Benutzerdaten vererbt hat:

$ zpool get feature@encryption bpool rpool
NAME   PROPERTY            VALUE     SOURCE
bpool  feature@encryption  disabled  local
rpool  feature@encryption  active    local

$ zfs get encryption rpool/USERDATA/test_9d9i92
NAME                        PROPERTY    VALUE        SOURCE
rpool/USERDATA/test_9d9i92  encryption  aes-256-gcm  -

feature@encryption: active beim rpool und aes-256-gcm auf den Benutzerdaten — alles korrekt. Der bpool (Boot-Pool) bleibt unverschlüsselt — GRUB muss den Kernel lesen können, bevor das Passwort eingegeben wird.

Wer seine SSDs im ZFS-Pool auch gleich mit TRIM versorgen will — das ist in einem separaten Beitrag beschrieben.


Bilder von der Installation zum Durchklicken:

Siehe auch: ZFS Encryption

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Windows Server RRAS: L2TP/IPsec-VPN mit sicheren Cipher Suites

Windows Server RRAS mit L2TP/IPsec-VPN-Tunnel, Firewall-Konfiguration, AES-256, DH Group 20, UDP 500/4500 und Registry-Hardening.

Wenn ich schon bei Microsoft-Themen bin: Warum nicht gleich noch RRAS (Routing und RAS) mit einem L2TP/IPsec-VPN absichern? Im Standard verbinden sich die Clients nämlich mit SHA-1, 3DES und DH Group 2 (modp1024, also 1024 Bit). SHA-1 ist grenzwertig, 3DES muss nicht sein und modp1024 will man definitiv nicht mehr.

Hinweis: Ursprünglich für Windows Server 2012 R2 geschrieben (inzwischen End of Life). Die Konfiguration über die Windows-Firewall funktioniert auf neueren Versionen identisch.

Wo man die Einstellung findet (Spoiler: nicht bei RRAS)

Ich habe einige Zeit gesucht. Man würde erwarten, dass die IPsec-Cipher irgendwo in der Nähe von Routing und RAS konfiguriert werden. Falsch gedacht. Die Einstellung steckt in der Windows-Firewall mit erweiterter Sicherheit. Irgendeinen Grund wird es haben, das dort zu verstecken. Ich hätte dort nie gesucht.

Der Klickpfad: Windows Firewall → Rechtsklick auf „Windows-Firewall mit erweiterter Sicherheit“ → Eigenschaften → IPsec-Einstellungen → IPsec-Standardeinstellungen → „Anpassen“ → Schlüsselaustausch.

Screenshot der Windows-Firewall mit erweiterter Sicherheit und angezeichnetem Klickpfad um die Sicherheitsmethoden zu konfigurieren.

Hier kann man die Sicherheitsmethoden und Datenschutzeinstellungen anpassen. Windows Firewall als Ort für VPN-Cipher-Konfiguration. Kopfschütteln.

Screenshot der Windows-Firewall mit erweiterter Sicherheit und angezeichnetem Klickpfad um die Datenschutzeinstellungen zu konfigurieren.

UDP Encapsulation hinter NAT

Steht der RRAS hinter einem NAT, muss man noch UDP Encapsulation per Registry aktivieren. Dafür habe ich ein Registry-File:

Registry-File für IPsec UDP Encapsulation

Nach allen Änderungen den Server neu starten. Microsoft halt.

Prüfen ob es geklappt hat

Auf einem Windows-Client per PowerShell (mit erweiterten Rechten) prüfen, welche Cipher die VPN-Verbindung tatsächlich nutzt:

Get-NetIPsecMainModeSA | Select-Object -First 1
Screenshot des Kommandos Get-NetIPsecMainModeSA inkl Konsolenausgabe.

Relevant sind CipherAlgorithm, HashAlgorithm und GroupId. Im Standard steht da 3DES, SHA-1 und DH Group 2 (1024 Bit). Nach den Änderungen:

Encryption:                AES256
Authentication/Integrity:  SHA-1
Key Size:                  DH Group 20 (384-bit ECC)

Immer noch SHA-1 für die Integrity, aber AES-256 und ECC sind ein großer Sprung. Über Gruppenrichtlinien ließe sich das Ganze auch zentral ausrollen, aber das ist nochmal ein eigenes Thema. Vor allem die Reihenfolge korrekt vorzugeben ist dort unerwartet fummelig.

Wer auch die TLS-Cipher für Exchange/OWA härten will: SSL Labs A+ mit Exchange. Fragen? Einfach melden.

WSUS-Bereinigung: Timeouts beheben und Speicherplatz freigeben

Pfffff… Einen dauerhaft richtig gut laufenden WSUS Server habe ich tatsächlich noch nie gesehen. Irgendwann werden die Dinger langsam, dann gibt es Timeouts, die Serverbereinigung läuft nicht mehr durch und die Platten laufen voll. WSUS ist kein Dienst, den man einmal konfiguriert und dann läuft er. WSUS möchte dauerhaft Aufmerksamkeit. Was mir dabei so aufgefallen ist, möchte ich hier teilen.

Keine Treiberupdates über WSUS

Screenshot der WSUS-Oberfläche: Produkte und Klassifizierungen konfigurieren.

Nie Treiberupdates über WSUS verteilen. Hier explodiert der Platzverbrauch. Falls aktiviert: Über Optionen → Produkte und Klassifizierungen → Klassifizierungen den Haken bei „Treiber“ entfernen. Dann unter Updates → Alle Updates die Dropdown-Menüs auf „Genehmigung: Genehmigt“ und „Status: Alle“ setzen, nach Klassifizierung sortieren und alle Treiberupdates ablehnen.

Abgelehnte Updates löschen

Abgelehnte Updates belegen weiterhin Plattenplatz, bis sie aktiv gelöscht werden. Dieses PowerShell-Script räumt sie weg — es läuft eine Weile, schafft aber viel Platz:

Screenshot der PowerShell ISE mit WSUS-Bereinigungsscript.
[reflection.assembly]::LoadWithPartialName("Microsoft.UpdateServices.Administration")
$wsus = [Microsoft.UpdateServices.Administration.AdminProxy]::GetUpdateServer();
$wsus.GetUpdates() | Where {$_.IsDeclined -eq $true} | ForEach-Object {
    $wsus.DeleteUpdate($_.Id.UpdateId.ToString())
    Write-Host $_.Title removed
}

Serverbereinigung automatisieren

Der „Assistent für die Serverbereinigung“ löscht überflüssige Updates — abgelehnte, ersetzte und nicht mehr benötigte. Man sollte ihn regelmäßig laufen lassen, aber er lässt sich nicht direkt automatisieren. Dafür braucht man ein PowerShell-Script, das man per Aufgabenplanung täglich ausführt:

# Variablen
$DateFormat = Get-Date -format yyyyMMdd-HH-mm
$Logfile = "H:\Logs\wsus-bereinigung-$DateFormat.log"

# WSUS Bereinigung durchführen
Invoke-WsusServerCleanup -CleanupObsoleteUpdates `
    -CleanupUnneededContentFiles -CompressUpdates `
    -DeclineExpiredUpdates -DeclineSupersededUpdates `
    | Out-File $Logfile

# Status-Mail versenden
$MailBody = Get-Content $Logfile | Out-String
Send-MailMessage -SmtpServer "smtp.example.de" `
    -From "wsus@example.de" -To "admin@example.de" `
    -Subject "${env:COMPUTERNAME} Bereinigung $DateFormat" `
    -Body $MailBody -Encoding Unicode

IIS-Einstellungen bei Timeouts

Wenn die WSUS-Konsole oder Bereinigung mit Timeouts abbricht, hilft es oft, dem WsusPool im IIS mehr Ressourcen zu geben:

IIS-Manager → Anwendungspools → WsusPool → Erweiterte Einstellungen

  • Limit für den privaten Speicher (KB): 6000000
  • Maximale Anzahl von Arbeitsprozessen: 0
  • Startmodus: AlwaysRunning

Danach den IIS neu starten — oder besser gleich den ganzen Server, es ist ja ein Windows.

SUSDB-Datenbank warten

Screenshot der Database Properties SUSDB: Compatibility Level auf SQL Server 2012 setzen.

Mit dem SQL Server Management Studio zur Windows Internal Database verbinden: \\.\pipe\MICROSOFT##WID\tsql\query

Compatibility Level anheben: Databases → SUSDB → Properties → Options → Compatibility level: SQL Server 2012 (110)

Screenshot SUSDB Shrink Database Dialog.

Datenbank verkleinern: Databases → SUSDB → Tasks → Shrink → Database

Synchronisierungshistorie aufräumen:

Screenshot SQL Server Management Studio mit Bereinigungsquery für WSUS-Synchronisierungen.
USE SUSDB
GO
DELETE FROM tbEventInstance
WHERE EventNamespaceID = '2'
  AND EVENTID IN ('381', '382', '384', '386', '387', '389')

Wenn die Bereinigung hängen bleibt

Manchmal bleibt die Serverbereinigung an einem bestimmten Update hängen. Dann hilft es, das erste Update in der „zu löschen“-Liste von Hand zu entfernen:

USE SUSDB
GO
-- Erste Update-ID ermitteln
exec spGetObsoleteUpdatesToCleanup
-- ID notieren und löschen
exec spDeleteUpdate @localUpdateID=HIER_UPDATE_ID

Wenn auch das nicht reicht, kann man alle obsoleten Updates in einer Schleife löschen — das läuft lange, räumt aber zuverlässig auf:

USE SUSDB
DECLARE @var1 INT, @curitem INT, @totaltodelete INT
CREATE TABLE #results (Col1 INT)
INSERT INTO #results(Col1) EXEC spGetObsoleteUpdatesToCleanup
SET @totaltodelete = (SELECT COUNT(*) FROM #results)
SELECT @curitem = 1

DECLARE WC Cursor FOR SELECT Col1 FROM #results
OPEN WC
FETCH NEXT FROM WC INTO @var1
WHILE (@@FETCH_STATUS > -1)
BEGIN
    RAISERROR('%d/%d: Deleting %d', 0, 1, @curitem, @totaltodelete, @var1) WITH NOWAIT
    EXEC spDeleteUpdate @localUpdateID=@var1
    SET @curitem = @curitem + 1
    FETCH NEXT FROM WC INTO @var1
END
CLOSE WC
DEALLOCATE WC
DROP TABLE #results

Abschließend die Indexe der SUSDB neu aufbauen — das beschleunigt danach alles spürbar. Microsoft hatte dafür ein Script in der TechNet Gallery veröffentlicht. Die Gallery ist inzwischen offline, aber das Script findet sich als WsusDBMaintenance.sql in diversen Microsoft-Docs-Artikeln. Im Kern macht es nichts anderes als fragmentierte Indexe zu erkennen und per ALTER INDEX REBUILD oder REORGANIZE zu reparieren, gefolgt von sp_updatestats.

Meist hilft eine Kombination aus mehreren dieser Maßnahmen. Bisher hat mir immer irgendetwas davon geholfen — auch wenn ich dafür einige Zeit in Suchmaschinen verschwenden musste. Fragen? Einfach melden.

Siehe auch: Windows Server Backup mit Nagios

Rspamd: Automatisches Spam/Ham-Lernen mit Dovecot und IMAPSieve

Rspamd hat ein Webinterface. Da kann man E-Mails reinkopieren und als Spam oder Ham markieren. Klingt erstmal praktisch. Ist es aber nicht. Niemand kopiert ernsthaft den Quellcode jeder fehlklassifizierten Mail in ein Webformular. Das macht man einmal zum Testen und dann nie wieder.

Automatisches Spam-Training mit Rspamd über Dovecot IMAPSieve – Mail wird zwischen Inbox und Junk verschoben

Was man eigentlich will: Wenn ein Benutzer eine Mail in den Junk-Ordner verschiebt, soll rspamd das automatisch als Spam lernen. Und wenn eine Mail aus dem Junk-Ordner rausgeholt wird, soll rspamd sie als Ham lernen. Kein Webinterface, kein manueller Eingriff. Der Benutzer sortiert einfach seine Mails — und rspamd lernt mit.

Genau das geht mit Dovecot und IMAPSieve. Hier beschreibe ich, wie ich das bei mir eingerichtet habe. Die Konfiguration läuft seit Mai 2020 unverändert — über sechs Jahre, ohne eine einzige Anpassung. Das darf man ruhig als stabil bezeichnen.

Was passiert da eigentlich

Der Datenfluss ist simpel:

  • Benutzer verschiebt eine Mail in den Ordner „Junk“
  • Dovecot erkennt die Verschiebung per IMAPSieve
  • IMAPSieve startet ein Sieve-Script
  • Das Sieve-Script ruft ein Shell-Script auf
  • Das Shell-Script übergibt die Mail per rspamc an rspamd
  • Rspamd lernt die Mail als Spam (Bayes-Klassifikator)

In die andere Richtung genauso: Mail raus aus Junk, Dovecot erkennt es, rspamd lernt Ham. Egal ob der Benutzer über Thunderbird, Roundcube, ein Smartphone oder was auch immer sortiert — solange es IMAP ist, greift das.

Voraussetzungen

  • Dovecot mit Sieve-Support (dovecot-pigeonhole unter FreeBSD, dovecot-sieve unter Debian/Ubuntu)
  • Rspamd mit laufendem Controller-Worker
  • rspamc CLI-Tool (kommt mit rspamd mit)

Mein Setup läuft auf FreeBSD. Die Pfade beginnen daher mit /usr/local/. Unter Linux ist es /etc/dovecot/ statt /usr/local/etc/dovecot/ und /usr/lib/dovecot/ statt /usr/local/libexec/dovecot/. Ansonsten ist alles identisch.

Mein rspamd läuft in einer eigenen Jail und lauscht auf 127.0.0.3:11334. Wer rspamd lokal auf dem gleichen System hat, nimmt stattdessen 127.0.0.1:11334 oder den Unix-Socket.

Dovecot konfigurieren

Zuerst muss das Sieve-Plugin für IMAP aktiviert werden.

20-imap.conf:

protocol imap {
  mail_plugins = $mail_plugins sieve
}

Dann die IMAPSieve-Konfiguration. Hier wird festgelegt, welche Ordner-Aktionen welches Sieve-Script auslösen.

90-plugin.conf:

plugin {
  sieve_plugins = sieve_imapsieve sieve_extprograms

  # Wenn eine Mail in den Junk-Ordner kopiert oder dort ein Flag geaendert wird
  imapsieve_mailbox1_name = Junk
  imapsieve_mailbox1_causes = COPY FLAG
  imapsieve_mailbox1_before = file:/usr/local/etc/dovecot/sieve/report-spam.sieve

  # Wenn eine Mail AUS dem Junk-Ordner woanders hin verschoben wird
  imapsieve_mailbox2_name = *
  imapsieve_mailbox2_from = Junk
  imapsieve_mailbox2_causes = COPY
  imapsieve_mailbox2_before = file:/usr/local/etc/dovecot/sieve/report-ham.sieve

  sieve_pipe_bin_dir = /usr/local/libexec/dovecot

  sieve_global_extensions = +vnd.dovecot.pipe
}

Zwei Trigger: Einer für „Mail landet im Junk“ (→ Spam lernen), einer für „Mail verlässt Junk“ (→ Ham lernen). COPY deckt Verschieben ab, FLAG fängt den Fall ab, dass ein Mail-Client den Junk-Status per Flag statt per Verschieben setzt.

Sieve-Scripts

Jetzt die beiden Sieve-Scripts, die von IMAPSieve aufgerufen werden.

report-spam.sieve — wird ausgelöst, wenn eine Mail im Junk-Ordner landet:

require ["vnd.dovecot.pipe", "copy", "imapsieve", "environment", "imap4flags"];

if environment :is "imap.cause" "COPY" {
    pipe :copy "sa-learn-spam.sh";
}

# Beantworteten oder weitergeleiteten Spam ebenfalls lernen
elsif anyof (allof (hasflag "\\Answered",
                    environment :contains "imap.changedflags" "\\Answered"),
             allof (hasflag "$Forwarded",
                    environment :contains "imap.changedflags" "$Forwarded")) {
    pipe :copy "sa-learn-spam.sh";
}

Der erste Block fängt das normale Verschieben ab. Der zweite Block ist für einen Sonderfall: Wenn jemand auf eine Mail im Junk-Ordner antwortet oder sie weiterleitet, ändert sich das Flag — und auch das sollte als Spam gelernt werden.

report-ham.sieve — wird ausgelöst, wenn eine Mail den Junk-Ordner verlässt:

require ["vnd.dovecot.pipe", "copy", "imapsieve", "environment", "variables"];

if environment :matches "imap.mailbox" "*" {
  set "mailbox" "${1}";
}

if string "${mailbox}" [ "Trash", "train_ham", "train_prob", "train_spam" ] {
  stop;
}

pipe :copy "sa-learn-ham.sh";

Hier passiert etwas Wichtiges: Bevor die Mail als Ham gelernt wird, prüfen wir wohin sie verschoben wurde. Wenn sie im Papierkorb landet, war das vermutlich kein „Das ist kein Spam“ sondern ein „Ich lösche den Spam“. Deshalb: stop; für Trash und die Trainingsordner. Nur wenn die Mail in einen echten Ordner verschoben wird, ist es ein Ham-Signal.

Beide Scripts müssen kompiliert werden:

sievec /usr/local/etc/dovecot/sieve/report-spam.sieve
sievec /usr/local/etc/dovecot/sieve/report-ham.sieve

Shell-Scripts für rspamc

Die Sieve-Scripts rufen Shell-Scripts auf, die die Mail per rspamc an rspamd übergeben. Simpel — jeweils ein Einzeiler.

/usr/local/libexec/dovecot/sa-learn-spam.sh:

#!/bin/sh
exec /usr/local/bin/rspamc -h 127.0.0.3:11334 learn_spam

/usr/local/libexec/dovecot/sa-learn-ham.sh:

#!/bin/sh
exec /usr/local/bin/rspamc -h 127.0.0.3:11334 learn_ham

Die Dateinamen sa-learn-* kommen historisch von SpamAssassin. Verwirrend, wenn man rspamd nutzt. Man könnte sie auch rspamd-learn-spam.sh nennen — funktional ist es egal. Ich habe sie so gelassen, weil man funktionierende Dinge nicht anfasst.

Beide ausführbar machen:

chmod +x /usr/local/libexec/dovecot/sa-learn-spam.sh /usr/local/libexec/dovecot/sa-learn-ham.sh

Wer rspamd lokal laufen hat, ersetzt 127.0.0.3 durch 127.0.0.1 oder nutzt den Unix-Socket (-h /var/run/rspamd/rspamd.sock). Unter Linux liegen die Scripts in /usr/lib/dovecot/ statt /usr/local/libexec/dovecot/. Der Pfad in sieve_pipe_bin_dir muss natürlich dazu passen.

Wichtig: Damit rspamc ohne Passwort trainieren darf, muss die IP im rspamd Controller-Worker als vertrauenswürdig eingetragen sein. In /usr/local/etc/rspamd/local.d/worker-controller.inc (FreeBSD) bzw. /etc/rspamd/local.d/worker-controller.inc (Linux):

secure_ip = "127.0.0.0/8";
secure_ip = "::1";

Ohne das schlägt rspamc learn_spam mit einem Authentifizierungsfehler fehl. Bei Jail-Setups wie meinem muss die Jail-IP (127.0.0.3) in der Liste stehen.

Testen

Dovecot neu laden:

service dovecot reload

Dann eine beliebige Mail in den Junk-Ordner verschieben und im rspamd-Log nachschauen:

rspamd_controller_learn_fin_task: <127.0.0.3> learned message as spam: MESSAGE-ID

Mail wieder raus aus Junk in den Posteingang:

rspamd_controller_learn_fin_task: <127.0.0.3> learned message as ham: MESSAGE-ID

Wenn das im Log steht, funktioniert alles. Kein Neustart nötig, kein Cache-Flush, kein Warten.

Wie viel Training braucht rspamd

Rspamd nutzt einen Bayes-Klassifikator. Der braucht eine Mindestmenge an gelernten Nachrichten, bevor er aktiv wird. Die Standardeinstellung ist 200 — also mindestens 200 Spam-Mails und 200 Ham-Mails. Vorher ignoriert rspamd die Bayes-Ergebnisse komplett.

Das klingt nach viel, geht aber schneller als man denkt. Wer ein paar Dutzend Benutzer auf dem Server hat, kommt da in wenigen Wochen hin. Und danach wird rspamd mit jeder sortierten Mail ein bisschen besser.

Den aktuellen Stand kann man jederzeit prüfen:

rspamc stat

Unter Statfile sieht man wie viele Nachrichten rspamd bereits gelernt hat.

Rspamd trainiert standardmäßig einen globalen Bayes-Klassifikator — alle Benutzer lernen in denselben Pool. Wer das pro Benutzer trennen will, setzt in der classifier-bayes.conf:

per_user = true;

Für die meisten Setups mit einer Handvoll Domains ist der globale Pool sinnvoller — mehr Trainingsdaten, schneller gute Ergebnisse.

Hinweise

Die Konfiguration ist stabil — Dovecot-Updates, rspamd-Updates, FreeBSD-Upgrades, alles durchgelaufen ohne Anpassung.

Wer rspamd danach noch eine Stufe weiter bringen will: Ich habe einen eigenen Beitrag geschrieben, wie man GPT-basierte Spam-Erkennung in rspamd integriert. Das läuft zusätzlich zum Bayes-Klassifikator und fängt die Mails ab, die durch das statistische Netz rutschen.

Siehe auch: Postfix und AMaViS: content_filter oder smtpd_proxy_filter?, DMARC-Prüfung in Postfix: OpenDMARC und rspamd im Vergleich

Fragen? Schreib mir über die Kontaktseite.

TLS-ECDHE mit AES-256-GCM-SHA384 einfach erklärt

Verschlüsselung-cipher

Wer sich mit TLS beschäftigt, stolpert früher oder später über Zeichenketten wie TLS_ECDHE_ECDSA_WITH_AES_256_GCM_SHA384 oder TLS_AES_256_GCM_SHA384. Was da genau drinsteht, ist auf den ersten Blick nicht offensichtlich. Dabei folgt die Benennung einem klaren Schema.

Die Bestandteile einer Cipher Suite

Jede Cipher Suite beschreibt vier Dinge:

  • Key Exchange — wie sich Client und Server auf einen gemeinsamen Sitzungsschlüssel einigen.
  • Certificate Verification — wie das Serverzertifikat geprüft wird (Signaturverfahren).
  • Bulk Encryption — die symmetrische Verschlüsselung der eigentlichen Daten.
  • Hashing — die Prüfsummen, die Integrität und Authentizität sicherstellen.

TLS 1.2 vs. TLS 1.3

In TLS 1.2 stehen alle vier Bestandteile im Namen der Cipher Suite. Nehmen wir TLS_ECDHE_ECDSA_WITH_AES_256_GCM_SHA384 auseinander:

  • TLS — das Protokoll (Transport Layer Security)
  • ECDHE — Key Exchange (Elliptic Curve Diffie-Hellman Ephemeral)
  • ECDSA — Certificate Verification (Elliptic Curve Digital Signature Algorithm)
  • AES_256_GCM — Bulk Encryption (AES mit 256 Bit im Galois/Counter Mode)
  • SHA384 — Hashing (SHA-2 mit 384 Bit)

TLS 1.3 hat das Namensschema verkürzt. Key Exchange und Certificate Verification sind nicht mehr Teil des Cipher-Suite-Namens, weil sie separat verhandelt werden. Darum sieht TLS_AES_256_GCM_SHA384 so kompakt aus: nur Protokoll, Verschlüsselung und Hash.

Key Exchange

Der Schlüsselaustausch legt fest, wie Client und Server einen temporären Sitzungsschlüssel aushandeln. Man will hier Ephemeral-Verfahren, also temporäre Schlüssel. Warum? Selbst wenn jemand den Traffic mitschneidet und später an den privaten Schlüssel des Servers kommt, kann er die aufgezeichneten Verbindungen nicht entschlüsseln. Der Sitzungsschlüssel existiert nur für die Dauer der Verbindung. Das nennt sich Perfect Forward Secrecy.

DHE (Diffie-Hellman Ephemeral) funktioniert, sollte aber mindestens 2048 Bit nutzen. Besser ist ECDHE (Elliptic Curve DHE), weil es bei gleicher Sicherheit deutlich kleiner und schneller ist. Idealerweise bietet der Server nur ECDHE an. Alles ohne das E am Ende (also statisches DH) hat kein Forward Secrecy und gehört abgeschaltet.

In Zukunft kommt hier noch Post-Quantum dazu. Mit X25519MLKEM768 lassen sich hybride Verfahren nutzen, die auch gegen Quantencomputer absichern. Wer das auf Nginx einrichten will, findet bei mir eine Anleitung: Post-Quantum TLS.

Certificate Verification

Verschlüsselung allein hilft nicht, wenn man mit dem falschen Server spricht. Das Serverzertifikat beweist die Identität. Es wird von einer CA signiert, kann per DANE/TLSA im DNSSEC-geschützten DNS verankert sein und sollte nicht trivial fälschbar sein.

RSA-Zertifikate sollten mindestens 2048 Bit haben, besser 4096 Bit. Allerdings werden RSA-Schlüssel mit steigender Sicherheit immer größer und langsamer. ECDSA-Zertifikate lösen das elegant: Ein ECDSA-Schlüssel mit 256 Bit bietet vergleichbare Sicherheit wie RSA mit 3072 Bit, ist aber deutlich kleiner und schneller zu verifizieren. Als Kurve sollte es mindestens secp256r1 (P-256) sein. secp384r1 geht auch, bringt aber aktuell keinen praktischen Vorteil.

Bulk Encryption

Das ist die eigentliche Datenverschlüsselung. Brauchbare Kombinationen sind:

  • AES-128-GCM oder AES-256-GCM — Standard, schnell, hardware-beschleunigt auf den meisten CPUs
  • ChaCha20-Poly1305 — gute Alternative, besonders auf Geräten ohne AES-NI

AES mit CBC ist noch akzeptabel, aber GCM ist vorzuziehen. Von 3DES sollte man die Finger lassen. Wenn irgendwo RC4 oder DES auftaucht: abschalten.

Hashing

Der Hash sichert die Integrität der übertragenen Daten. Minimum ist SHA-256, ein guter Mittelweg ist SHA-384. SHA-1 sollte man nicht mehr einsetzen. Taucht MD5 auf, stimmt etwas grundlegend nicht.

Update Juli 2026: Wie dieselbe Zerlegung in der Post-Quantum-Welt aussieht, habe ich für X25519MLKEM768 in einem eigenen Beitrag durchgespielt: X25519MLKEM768 zerlegt.

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Automatische E-Mail-Archivierung mit cleanup-maildir und Dovecot

IMAP-Postfächer wachsen mit der Zeit. Irgendwann hat man tausende Mails im Posteingang und in Sent, die Suche wird langsam und die Übersicht geht verloren. cleanup-maildir ist ein Python-Script das Mails nach Alter automatisch in Archiv-Ordner sortiert. Es läuft als Cronjob und arbeitet direkt auf dem Maildir-Verzeichnis.

Installation

# FreeBSD
pkg install cleanup-maildir

# Debian/Ubuntu
pip install cleanup-maildir

Grundlegender Aufruf

Alle Mails die älter als 365 Tage sind aus der Inbox ins Archiv verschieben:

# Inbox archivieren
sudo -u vmail cleanup-maildir --age=365 \
  --archive-folder='Archive.Inbox' \
  --maildir-root='/var/mail/vhosts/example.com/user' \
  archive ''

# Gesendete archivieren
sudo -u vmail cleanup-maildir --age=365 \
  --archive-folder='Archive.Sent' \
  --maildir-root='/var/mail/vhosts/example.com/user' \
  archive 'Sent/'

--age=365 fasst nur Mails an die älter als ein Jahr sind. --archive-folder gibt den Zielordner im IMAP-Postfach an. archive ist der Modus (alternativ delete). Der leere String '' steht für die Inbox, 'Sent/' für die gesendeten Mails.

Das Script legt automatisch Unterordner nach Jahr und Monat an. Die Struktur im Postfach sieht dann so aus:

Archive/
├── Inbox/
│   ├── 2024-01/
│   ├── 2024-02/
│   └── ...
└── Sent/
    ├── 2024-01/
    ├── 2024-02/
    └── ...

Cronjob

Als Cronjob einmal pro Nacht laufen lassen. Wichtig ist dass der Cronjob als der Benutzer läuft der Zugriff auf die Maildir-Verzeichnisse hat:

# /etc/crontab
30 3 * * * vmail cleanup-maildir --age=365 --archive-folder='Archive.Inbox' --maildir-root='/var/mail/vhosts/example.com/user' archive ''

Mehrere Postfächer mit LDAP

Bei mehreren Postfächern will man nicht für jeden Benutzer einen eigenen Cronjob-Eintrag pflegen. Ein Wrapper-Script kann die Benutzer, Maildir-Pfade und die Option ob archiviert werden soll aus dem LDAP holen. Das LDAP-Attribut (z.B. autoarchive=1) steuert pro Benutzer ob die Archivierung aktiv ist. So lässt sich die Archivierung zentral verwalten ohne auf jedem Mailserver Cronjobs anzupassen.

Python 3.11+ und kaputte Header

Ab Python 3.11 nutzt cleanup-maildir den strikten RFC-Header-Parser aus email.policy.default. Das führt zu einem Problem: Mails mit fehlerhaften Headern (z.B. Microsoft Exchange Message-IDs wie <[b378dfc5...]@microsoft.com>) lassen das Script mit einem IndexError abstürzen. Alle Mails nach der fehlerhaften werden nicht mehr verarbeitet.

Den Fix dafür habe ich als Pull Request eingereicht. Ein _safe_header()-Wrapper fängt Parse-Fehler ab und überspringt kaputte Header, statt das ganze Script abzubrechen. Bei mir hat das Script vorher bei Mail #8 aufgehört, danach liefen alle 2.986 Mails sauber durch.

Siehe auch: Dovecot Quota einrichten

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Bluetooth-Audio unter FreeBSD und GhostBSD: Workaround mit Creative BT-W2

Bluetooth-Audio und FreeBSD vertragen sich nicht. Der Bluetooth-Stack wird nicht mehr gepflegt, in OpenBSD wurde er komplett entfernt. Einen Bluetooth-Dongle oder eine eingebaute Bluetooth-Karte dazu zu bringen, sich mit einem Audio-Gerät zu verbinden, funktioniert unter FreeBSD praktisch nicht.

Der Workaround: Creative BT-W2

Die Lösung ist ein USB-Dongle, der sich selbst um Bluetooth kümmert: Der Creative BT-W2. Das Gerät meldet sich am Betriebssystem als normale USB-Soundkarte. Das Pairing mit dem Bluetooth-Kopfhörer oder -Lautsprecher macht der Dongle selbständig per Knopfdruck. FreeBSD sieht nur eine Soundkarte, kein Bluetooth.

Das Kernelmodul snd_uaudio kümmert sich um die Erkennung. In der /etc/rc.conf:

kld_list="snd_uaudio"

Nach dem Laden des Moduls erscheint das Gerät im dmesg:

uaudio0:  on usbus0
uaudio0: Play: 48000 Hz, 2 ch, 16-bit S-LE PCM format, 2x8ms buffer.
uaudio0: Record: 48000 Hz, 1 ch, 16-bit S-LE PCM format, 2x8ms buffer.
pcm5:  on uaudio0
uaudio0: HID volume keys found.

Pairing und Nutzung

Kurz den Knopf am Dongle drücken, er blinkt und verbindet sich mit dem nächsten Bluetooth-Audio-Gerät in Reichweite. Kopfhörer, Headsets, Lautsprecher und Mikrofone funktionieren. Die Qualität reicht auch für Telefonie, Latenz und Codec sind in Ordnung.

Das Audio-Device ist je nach Systemkonfiguration /dev/dsp5 oder ein anderer Index. Mit cat /dev/sndstat lässt sich prüfen welches Device der BT-W2 bekommen hat.

Nicht die eleganteste Lösung, aber sie funktioniert zuverlässig. Solange der Bluetooth-Stack auf FreeBSD nicht wiederbelebt wird, ist ein Dongle wie der BT-W2 der pragmatischste Weg.

Siehe auch: FreeBSD auf dem Desktop, GhostBSD und FreeBSD: GNOME-Keyring automatisch entsperren, GhostBSD 19.09 Ports benutzen

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GhostBSD 19.09 Ports benutzen

Veraltet: GhostBSD 19.09 ist stark veraltet. Aktuelle GhostBSD-Versionen nutzen pkg statt Ports. Siehe ghostbsd.org für die aktuelle Version.

GhostBSD basierte früher direkt auf FreeBSD. Inzwischen ist es aber auf TrueOS gewechselt. So sieht es ebenfalls mit den Ports aus. Man kann also nicht wie unter FreeBSD gewohnt mit portsnap arbeiten sondern muss einen gewissen „Umweg“ nehmen.

Die zu GhostBSD gehörenden Ports bekommt man nun so ins System:

sudo git clone https://github.com/ghostbsd/ghostbsd-ports.git /usr/ports

In GhostBSD Version 19.09 ist etwas Ordnung geschaffen worden und viele vermeintlich unnötige Pakete mussten weichen. Zum arbeiten mit den Ports benötigt man daher noch folgendes:

pkg install src os-generic-userland-devtools

Ab jetzt kann man wie gewohnt mit den Ports arbeiten!

Siehe auch: GhostBSD und FreeBSD: GNOME-Keyring automatisch entsperren, Bluetooth-Audio unter FreeBSD und GhostBSD: Workaround mit Creative BT-W2

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FreeBSD: Native ZFS Encryption einrichten und nutzen

Seit FreeBSD 13 steht native ZFS Encryption zur Verfügung. Datasets lassen sich mit AES-256-GCM verschlüsseln, ohne dass der gesamte Pool verschlüsselt sein muss. Die Verschlüsselung greift pro Dataset und vererbt sich auf Kind-Datasets.

Verschlüsseltes Dataset anlegen

Ein neues Dataset mit Passphrase-Abfrage:

zfs create -o encryption=aes-256-gcm -o keyformat=passphrase usbpool/test01
Enter passphrase:
Re-enter passphrase:

Das Dataset wird sofort gemountet und ist einsatzbereit. Alles was hineingeschrieben wird, liegt verschlüsselt auf der Platte:

zfs list usbpool/test01
NAME             USED  AVAIL     REFER  MOUNTPOINT
usbpool/test01    99K   899G       99K  /usbpool/test01

zfs get encryption usbpool/test01
NAME            PROPERTY    VALUE        SOURCE
usbpool/test01  encryption  aes-256-gcm  -

Nach einem Reboot

Bei einem Passphrase-geschützten Dataset hat ZFS nach einem Reboot den Schlüssel nicht mehr. Das Dataset existiert, ist aber nicht gemountet:

zfs get mounted usbpool/test01
NAME            PROPERTY  VALUE    SOURCE
usbpool/test01  mounted   no       -

Mit zfs mount -l wird der Schlüssel geladen und das Dataset eingehängt:

zfs mount -l usbpool/test01
Enter passphrase for 'usbpool/test01':

zfs get mounted usbpool/test01
NAME            PROPERTY  VALUE    SOURCE
usbpool/test01  mounted   yes      -

Keyfile statt Passphrase

Statt einer Passphrase-Abfrage kann der Schlüssel auch in einer Datei liegen. Praktisch für Server die ohne Interaktion booten sollen:

zfs create -o encryption=aes-256-gcm \
  -o keyformat=passphrase \
  -o keylocation=file:///root/keys/pool.key \
  zroot/encrypted-data

Die Key-Datei enthält das Passphrase als Text. Wichtig: Die Datei muss beim Boot erreichbar sein, also auf einem unverschlüsselten Dataset liegen. Berechtigungen auf 0400 setzen.

Bestehende Datasets verschlüsseln

Verschlüsselung lässt sich nicht nachträglich auf ein bestehendes Dataset aktivieren. Man muss die Daten per zfs send | zfs receive in ein neues, verschlüsseltes Dataset migrieren. Die komplette Anleitung dafür steht im Beitrag ZFS-Dataset nachträglich verschlüsseln.

Eine Übersicht über alle ZFS-Funktionen gibt es im ZFS-Überblick. Wer sich für ZFS Encryption unter Solaris/OpenIndiana interessiert, findet die Anleitung unter ZFS Encryption unter Solaris. Fragen? Einfach melden.

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