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Schlagwort: UDP

BIND: EDNS-PMTU-Fehler bei DNSSEC beheben

Mir ist an ein paar Systemen ein Problem im Zusammenhang mit DNSSEC, IPv6 und UDP-Paketgrößen aufgefallen — genauer gesagt hat mich DNSviz darauf gestoßen:

domain.tld/A: No response was received until the UDP payload size
was decreased, indicating that the server might be attempting to
send a payload that exceeds the path maximum transmission unit
(PMTU) size. (2001:db8::1, UDP_0_EDNS0_32768_4096)

Was passiert da?

Der DNS-Server (hier BIND 9.11) versucht, auf eine Anfrage mit einem UDP-Paket von 4096 Byte zu antworten. Irgendwo auf dem Weg — Firewall, Netzwerkfilter, MTU-Einschränkung — wird das Paket verworfen. Da UDP kein Feedback gibt, merkt BIND davon nichts und glaubt, die Antwort sei zugestellt.

Beim Client fällt das kaum auf: dig und andere Resolver verringern automatisch die EDNS-Puffergröße und wiederholen die Anfrage — es dauert nur etwas länger. DNSviz testet aber systematisch und meldet das Problem.

Maximale UDP-Größe ermitteln

Mit dem Reply Size Test von DNS-OARC lässt sich herausfinden, welche Paketgröße vom eigenen System aus durchkommt:

$ dig +short rs.dns-oarc.net txt
rst.x490.rs.dns-oarc.net.
rst.x499.x490.rs.dns-oarc.net.
rst.x457.x499.x490.rs.dns-oarc.net.
"2001:db8::1 sent EDNS buffer size 512"
"2001:db8::1 DNS reply size limit is at least 499"

In diesem Fall enden die Antworten bei 512 Byte — alles darüber wird unterwegs gefressen.

BIND konfigurieren

BIND anweisen, die UDP-Paketgröße zu begrenzen:

options {
    edns-udp-size 1232;
    max-udp-size 1232;
};

edns-udp-size begrenzt die empfangene Paketgröße, max-udp-size die gesendete. Clients bekommen damit auf ihre erste Anfrage direkt eine Antwort, ohne schrittweise herunterhandeln zu müssen.

Warum 1232 und nicht 512?

512 Byte ist das klassische DNS-Limit ohne EDNS — funktioniert überall, ist aber unnötig klein. Seit dem DNS Flag Day 2020 empfehlen die großen DNS-Betreiber 1232 Byte als EDNS-Puffergröße. Der Wert ergibt sich aus der minimalen IPv6-MTU (1280 Byte) minus IPv6-Header (40 Byte) minus UDP-Header (8 Byte) = 1232 Byte. Das passt durch jedes korrekt konfigurierte Netzwerk.

Wenn selbst 1232 nicht durchkommt, liegt das Problem im Netzwerk — Firewalls die UDP-Pakete über einer bestimmten Größe filtern oder ICMP Packet Too Big unterdrücken. In dem Fall den dns-oarc-Test wiederholen und den Wert entsprechend anpassen.

Mehr zu DNSSEC und BIND gibt es im DNSSEC-HowTo. Fragen? Einfach melden.

OPENPGPKEY: GPG-Schlüssel direkt im DNS veröffentlichen

Schon länger kann man GPG-Schlüssel per CERT-Record im DNS hinterlegen — allerdings nur als Verweis auf einen Ort, an dem der Schlüssel liegt. Mit dem OPENPGPKEY Resource Record (RFC 7929) geht es einen Schritt weiter: Der komplette öffentliche Schlüssel steckt direkt im DNS-Record. Ist die Zone per DNSSEC gesichert, kann der Schlüssel nicht gefälscht werden — unabhängig von Keyservern und den dort möglicherweise kursierenden Fake-Keys.

Aufbau des Records

Der Hostname des OPENPGPKEY-Records wird aus der E-Mail-Adresse abgeleitet. Aus dem Localpart (alles vor dem @) wird ein SHA-256-Hash gebildet und die ersten 56 Zeichen davon als Subdomain unter _openpgpkey.domain verwendet. Für user@example.de:

echo -n "user" | sha256sum
# Ergebnis: 04f8996da763b7a969b1028ee3007569eaf3a635486ddab211d512c85b9df8fb
# Die ersten 56 Zeichen des Hashes werden zum Hostnamen:
04f8996da763b7a969b1028ee3007569eaf3a635486ddab211d512c85b._openpgpkey.example.de. IN OPENPGPKEY <base64-encoded-key>

Der Wert des Records ist der GPG Public Key im Binärformat, Base64-kodiert.

Record erzeugen

Den Hash des Localparts berechnen:

echo -n "kernel-error" | sha256sum | cut -c1-56
# 4e1543e4c2a42754aa23025a940a30d0d3d106025c9e03be8e525ac4

Den Public Key exportieren und Base64-kodieren:

gpg --export --export-options export-minimal kernel-error@kernel-error.com \
  | base64 -w 0

Beides zusammen ergibt den Zoneneintrag:

4e1543e4c2a42754aa23025a940a30d0d3d106025c9e03be8e525ac4._openpgpkey.kernel-error.com. IN OPENPGPKEY mQINBF...==

Zugegeben — der Record sprengt etwas die Zonenlesbarkeit. Ein GPG-Schlüssel hat schnell mehrere Kilobyte, das wird im Zonefile eine lange Zeile. BIND kommt damit problemlos klar.

Schlüssel automatisch aus dem DNS holen

GnuPG ab Version 2.1 kann OPENPGPKEY-Records direkt abfragen. Will man eine E-Mail verschlüsseln und hat den Schlüssel des Empfängers noch nicht, reicht:

gpg --auto-key-locate dane --locate-keys kernel-error@kernel-error.com

GnuPG sucht den OPENPGPKEY-Record im DNS, prüft die DNSSEC-Signatur und importiert den Schlüssel automatisch. Kein Keyserver nötig, kein manueller Import.

Testen

Ob der Record korrekt im DNS steht, lässt sich online prüfen: openpgpkey.info — E-Mail-Adresse eingeben, der Dienst fragt den OPENPGPKEY-Record ab und zeigt den gefundenen Schlüssel an.

OPENPGPKEY vs. CERT-Record

Der ältere CERT-Record enthält nur eine URL zum Schlüssel — der Client muss den Schlüssel dann von dort herunterladen. OPENPGPKEY packt den kompletten Schlüssel ins DNS. Vorteil: Ein einziger DNS-Lookup genügt, kein zusätzlicher HTTP-Request nötig. Nachteil: Große DNS-Antworten, die bei UDP-Transport fragmentiert werden können — aber mit passender EDNS-Konfiguration kein Problem.

Siehe auch: GPG-Schlüssel per PKA im DNS, GPG: E-Mails signieren und verschlüsseln mit GnuPG, Der sichere GPG-Schlüssel

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Mosh – mobile shell

Langsame SSH Verbindungen sind nicht nur nervig, sie regen mich auf und reizen mich unnötig. Ich werde verrückt, wenn ich etwas in ein Terminal tippe und versetzt eine Rückmeldung über meine Eingaben bekomme. Und wehe man hat sich vertippt.

Besonders wenn man „mal eben“ unterwegs die Welt retten muss und das Terminal hängt oder durch die wechselnde IP Adresse am mobilen Client gleich die ganze Verbindung gekillt wird.

OK, gegen die gekillte Verbindung hilft screen und gegen Vertipper, aufpassen und der Umweg über ein Textfile (copy & paste). Beides sind Notnägel, nicht wirklich dafür gedacht und nicht DIE Lösung.

Vor kurzem hatte ich das Problem auf einigen, weit entfernten, Systemen arbeiten zu müssen. Auf dem Weg dort hin hatte ich leider mit 60 – 80% Paketverlust zu kämpfen. So ist natürlich kaum ein Arbeiten möglich. Glücklicherweise erinnerte ich mich daran mal etwas von Mosh gelesen zu haben. Mosh ist ein sehr guter Name, denn er ist in meinem Hirn hängen geblieben.

Ich bin so begeistert von dem Programm, dass ich es einfach einmal kurz verlinken muss.
https://mosh.mit.edu/

Es lässt sich grob bedienen wie ssh, muss auf dem Client und dem Server installiert sein und arbeitet am Ende mit UDP Paketen. UDP?!?!? Japp UDP…. Genau erlesen kann man es auf der Webseite vom Projekt und dort werden direkt ein paar Bedenken erschlagen hinsichtlich Verschlüsselung und Konsistenz.

Auf meinen Arbeitsplätzen gehört es in jedem Fall ab jetzt zur standard Ausstattung.

So long….

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Linux-Firewall mit iptables und Traffic Shaping: Aufbau und Konzepte

Hinweis: Dieses Script stammt aus 2009 und nutzt iptables auf einem Debian mit Kernel 2.4. Die Konzepte sind zeitlos, aber die Umsetzung ist veraltet. Heute nimmt man nftables statt iptables. Trotzdem: Wer versteht was hier passiert, versteht auch nftables.

Das Setup

Dedizierte Firewall-Maschine mit drei Netzwerkkarten. Ein Interface zum Internet (PPPoE), zwei für interne Netze mit unterschiedlichen Berechtigungen. Default-Policy auf allen Chains: DROP. Alles was nicht explizit erlaubt ist, wird verworfen.

Grundstruktur

#!/bin/bash

# Module laden
modprobe ip_tables
modprobe ip_conntrack
modprobe ip_conntrack_ftp
modprobe ip_nat_ftp

# Tabellen leeren
iptables -F
iptables -t nat -F
iptables -t mangle -F
iptables -X
iptables -t nat -X
iptables -t mangle -X

# Default: Alles verwerfen
iptables -P INPUT DROP
iptables -P OUTPUT DROP
iptables -P FORWARD DROP

Custom Chains für Logging

Eigene Chains für sauberes Logging. Jedes verworfene Paket wird mit Prefix geloggt bevor es gedroppt wird:

# MY_REJECT: Protokollieren und zurückweisen
iptables -N MY_REJECT
iptables -A MY_REJECT -p tcp -m limit --limit 7200/h -j LOG --log-prefix "REJECT TCP "
iptables -A MY_REJECT -p tcp -j REJECT --reject-with tcp-reset
iptables -A MY_REJECT -p udp -m limit --limit 7200/h -j LOG --log-prefix "REJECT UDP "
iptables -A MY_REJECT -p udp -j REJECT --reject-with icmp-port-unreachable

# MY_DROP: Portscans stillschweigend verwerfen
iptables -N MY_DROP
iptables -A MY_DROP -m limit --limit 7200/h -j LOG --log-prefix "PORTSCAN DROP "
iptables -A MY_DROP -j DROP

Stealth Scan Detection

Ungültige TCP-Flag-Kombinationen erkennen und verwerfen. Kein normaler Client setzt SYN+FIN gleichzeitig oder schickt ein Paket ohne Flags:

# Keine Flags gesetzt
iptables -A INPUT -p tcp --tcp-flags ALL NONE -j MY_DROP
# SYN und FIN gleichzeitig
iptables -A INPUT -p tcp --tcp-flags SYN,FIN SYN,FIN -j MY_DROP
# SYN und RST gleichzeitig
iptables -A INPUT -p tcp --tcp-flags SYN,RST SYN,RST -j MY_DROP
# FIN ohne ACK
iptables -A INPUT -p tcp --tcp-flags ACK,FIN FIN -j MY_DROP

Connection Tracking und NAT

Stateful Firewall: Bestehende und zugehörige Verbindungen durchlassen, neue nur aus dem internen Netz erlauben. NAT per MASQUERADE für den Internetzugang:

# Loopback erlauben
iptables -A INPUT -i lo -j ACCEPT
iptables -A OUTPUT -o lo -j ACCEPT

# Ausgehend: Alles erlauben
iptables -A OUTPUT -m state --state NEW,ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT

# Forwarding: Neue Verbindungen nur von innen
iptables -A FORWARD -i ! ppp0 -m state --state NEW,ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT
iptables -A FORWARD -m state --state ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT
iptables -A INPUT -m state --state ESTABLISHED,RELATED -j ACCEPT

# NAT für interne Netze
iptables -t nat -A POSTROUTING -o ppp0 -s 192.168.0.0/24 -j MASQUERADE

Traffic Shaping mit tc

Mit tc (traffic control) und iptables -t mangle lässt sich die Bandbreite pro Client oder Netz begrenzen. iptables markiert die Pakete, tc ordnet sie in Queues ein:

# HTB Queueing Discipline auf dem internen Interface
tc qdisc add dev eth2 root handle 1:0 htb default 10
tc class add dev eth2 parent 1:0 classid 1:1 htb rate 150kbit ceil 250kbit
tc filter add dev eth2 parent 1: prio 0 protocol ip handle 1 fw flowid 1:1

# Pakete per iptables markieren
iptables -t mangle -A FORWARD -s 192.168.100.0/24 -j MARK --set-mark 1

Kernel-Hardening

Am Ende des Scripts werden Kernel-Parameter gesetzt die über die Firewall hinausgehen:

# SYN-Cookies gegen SYN-Flood
echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/tcp_syncookies

# Source-Routing deaktivieren
for i in /proc/sys/net/ipv4/conf/*; do echo 0 > $i/accept_source_route; done

# Redirects ignorieren
for i in /proc/sys/net/ipv4/conf/*; do echo 0 > $i/accept_redirects; done

# Martian-Pakete loggen
for i in /proc/sys/net/ipv4/conf/*; do echo 1 > $i/log_martians; done

# ICMP-Ping ignorieren
echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/icmp_echo_ignore_all

# TCP-FIN-Timeout gegen DoS
echo 30 > /proc/sys/net/ipv4/tcp_fin_timeout

Die Konzepte aus diesem Script gelten unverändert: Default DROP, Stateful Tracking, Custom Chains für Logging, Stealth Scan Detection, Kernel-Hardening. Nur die Syntax hat sich geändert. Wer heute eine Linux-Firewall baut, nimmt nft statt iptables und erspart sich die Modprobe-Zeilen. Für IPv6 braucht man eine eigene Regelkette, damals mit ip6tables, heute in nftables integriert.

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