IT-Blog von Sebastian van de Meer

Kategorie: Kernel-Error-Blog (Seite 29 von 45)

Persönlicher Tech-Blog von Sebastian van de Meer — Beiträge zu IT-Security, Netzwerken, FreeBSD, Linux, Elektronik und Maker-Projekten.

Perfect Forward Secrecy für Postfix und Dovecot konfigurieren

Perfect Forward Secrecy (PFS) sorgt dafür, dass jede TLS-Verbindung einen eigenen temporären Schlüssel verwendet. Selbst wenn jemand den privaten Schlüssel des Servers in die Hände bekommt, kann er damit früher aufgezeichnete Verbindungen nicht entschlüsseln. Für E-Mail ist das besonders relevant, weil Mailverkehr gern auf Vorrat mitgeschnitten wird.

PFS bekommt man durch ECDHE- oder DHE-Schlüsselaustausch. Moderne OpenSSL-Versionen und aktuelle Postfix/Dovecot-Releases machen das Richtige von Haus aus. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Konfiguration, um sicherzustellen, dass keine veralteten Protokolle oder Cipher-Suiten aktiv sind.

Postfix

Die relevanten Einstellungen in der main.cf:

# Eingehend (smtpd)
smtpd_tls_security_level = may
smtpd_tls_protocols = >=TLSv1.2
smtpd_tls_mandatory_protocols = >=TLSv1.2
smtpd_tls_mandatory_ciphers = medium

# Ausgehend (smtp)
smtp_tls_security_level = dane
smtp_tls_protocols = >=TLSv1.2
smtp_tls_mandatory_protocols = >=TLSv1.2
smtp_tls_mandatory_ciphers = medium

# Cipher-Präferenz beim Server
tls_preempt_cipherlist = yes

>=TLSv1.2 schaltet TLS 1.0 und 1.1 ab. tls_preempt_cipherlist = yes lässt den Server die Cipher-Reihenfolge bestimmen, nicht den Client. Postfix sortiert AEAD-Ciphers (GCM, CHACHA20) automatisch nach vorn, PFS-Ciphers haben Vorrang. Die medium-Stufe schließt alles unterhalb von 128-Bit-Verschlüsselung aus.

Für den ausgehenden Versand ist smtp_tls_security_level = dane die beste Wahl. Damit prüft Postfix TLSA-Records per DANE. Gibt es keinen TLSA-Record, fällt Postfix auf opportunistisches TLS zurück. Wer zusätzlich MTA-STS auswertet, deckt auch Server ohne DNSSEC ab.

Dovecot

In /usr/local/etc/dovecot/conf.d/10-ssl.conf (FreeBSD) bzw. /etc/dovecot/conf.d/10-ssl.conf (Linux):

ssl = required
ssl_min_protocol = TLSv1.2
ssl_prefer_server_ciphers = yes
ssl_options = no_ticket

ssl = required erzwingt TLS für alle Verbindungen. ssl_min_protocol = TLSv1.2 schließt alte Protokolle aus. ssl_prefer_server_ciphers = yes gibt dem Server die Kontrolle über die Cipher-Wahl. no_ticket deaktiviert TLS Session Tickets, die PFS untergraben können wenn der Ticket-Key kompromittiert wird.

Eine explizite Cipher-Liste ist bei aktuellem OpenSSL nicht nötig. Die Defaults bevorzugen ECDHE mit AEAD. Wer es trotzdem einschränken will:

ssl_cipher_list = ECDHE+AESGCM:ECDHE+CHACHA20:DHE+AESGCM:DHE+CHACHA20:!aNULL:!eNULL
ssl_cipher_suites = TLS_AES_256_GCM_SHA384:TLS_CHACHA20_POLY1305_SHA256:TLS_AES_128_GCM_SHA256

ssl_cipher_list gilt für TLS 1.2, ssl_cipher_suites für TLS 1.3. Bei TLS 1.3 ist PFS immer aktiv, da gibt es keine Cipher-Suiten ohne Schlüsselaustausch mehr.

Testen

# Postfix (STARTTLS auf Port 25)
openssl s_client -starttls smtp -connect smtp.kernel-error.de:25 2>/dev/null | grep -E "Protocol|Cipher|Server Temp Key"

# Postfix (Implicit TLS auf Port 465)
openssl s_client -connect smtp.kernel-error.de:465 2>/dev/null | grep -E "Protocol|Cipher|Server Temp Key"

# Dovecot (STARTTLS auf Port 143)
openssl s_client -starttls imap -connect imap.kernel-error.de:143 2>/dev/null | grep -E "Protocol|Cipher|Server Temp Key"

# Dovecot (Implicit TLS auf Port 993)
openssl s_client -connect imap.kernel-error.de:993 2>/dev/null | grep -E "Protocol|Cipher|Server Temp Key"

Entscheidend ist die Zeile Server Temp Key. Steht dort X25519, ECDH P-256 oder DH 2048, ist PFS aktiv. Mit OpenSSL 3.5+ und entsprechender Konfiguration sieht man dort auch X25519MLKEM768 für Post-Quantum-Schlüsselaustausch.

Siehe auch: Post-Quantum TLS für E-Mail

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Unsichere SSL/TLS-Verschlüsselungen im Firefox deaktivieren

Veraltet: Die hier beschriebenen about:config-Einstellungen existieren in aktuellen Firefox-Versionen nicht mehr in dieser Form. Moderne Browser deaktivieren unsichere Protokolle und Cipher automatisch. Dieser Beitrag ist veraltet.

Nach der NSA „Geschichte“ sollte klar sein dass man mehr denn je darauf achten sollte eine möglichst sichere Verschlüsselung zu nutzen. Als Benutzer kann man leider nicht immer Einfluss auf die Gegenseite, den Server nehmen. Um denn noch etwas mehr steuern zu können, dass eine „sichere“ Verschlüsselung benutzt wird kann jeder etwas an seinem Client schrauben.

Warum? Nun ja….. Nehmen wir als Beispiel den Firefox Web Browser. Dieser unterstützt viele verschiedene Protokolle, diese noch in vielen verschiedenen Version und noch mehr Chiffrensammlungen. Die Gegenseite sollte ebenso mehrere Verfahren unterstützten. Der Hintergedanke dabei ist dass sich beide Seiten so auf ein Verfahren einigen können welches beide unterstützen. Wenn man also nun seinen Client nur Verfahren anbieten lässt, welche man als sicher erachtet… Tja, dann können sich beide nur auf ein sicheres Verfahren einigen. OK, wenn der Server nun nichts „sicheres“ anbietet, werden sie sich nicht einig werden. An dem Punkt muss man sich dann fragen ob man wirklich „unsicher“ mit der Gegenseite sprechen möchte oder nicht!

Es ist doch hin und wieder erschreckend, welche Seite nur ~schlechte~ Chipher anbieten. Hier ist wohl, wie so oft per IPv6, ein Weg zur Lösung… Nachfragen. Also den Betreibern einer solchen Seite die Frage stellen, warum geht das nicht?!?! Manche Antworten sind echt lustig.

Ich denke es gibt drei große Punkte an denen man ansetzten kann:

1. Als kleinstes Protokoll TLS1
2. RC4-Stromchiffren komplett deaktivieren
3. Perfect Forwad Secrecy (PFS) vorschreiben

1. Sorgt dafür das der Browser nur noch als sicher bekannte Protokolle nutzt.
2. Wirft die als unsicher geltende RC4 Cipher Suite raus.
3. Sorgt dafür das selbst aufgezeichnete SSL/TLS Verbindungen in der Zukunft nicht so schnell gebrochen werden können, selbst wenn die Rechenleistung deutlich zunimmt.

Im Firefox lässt sich alles schnell und sehr einfach über die Seite: about:config einrichten.

B.t.w.: TLS (Transport Layer Security) ist der Nachfolger, die Weiterentwicklung von SSL (Secure Sockets Layer). Wir sprechen also besser nur von TLS, oder? Zurück zum Text…

1. TLS Version 1.0 als kleinstes unterstütztes Protokoll.
Unter der about:config Seite in der Suche nach security.tls.version suchen. Hier den Wert security.tls.version.max auf 3 und den Wert security.tls.version.min auf 1 setzten.

2. RC4 Cipher Suite deaktivieren.
Wieder über die Suche der about:config Seite nach rc4 suchen. Nun bei allen angezeigten Zeilen den Wert auf false setzten.

3. Perfect Forwad Secrecy (PFS) vorschreiben
Erraten, about:config und die Suche benutzen. Gesucht wird security.ssl3…. Bei den Suchergebnissen nun alle Werte auf false setzten bei denen nicht ECDHE, DHE oder RC4 (wobei die RC4 „Jungs“ sollten ja bereits aus sein) in der Bezeichnung steht.

Seine Einstellungen kann man nun am besten prüfen auf: https://www.ssllabs.com/ssltest/viewMyClient.html

Ach ja…. Die Seite https://www.ausweisapp.bund.de/ kann spannenderweise nicht mehr aufgerufen werden, wenn man diese sicheren Einstellungen in seinem Browser vorschreibt. Lustig, hm?


U-P-D-A-T-E

Wem das alles etwas zu hart ist, der kann bei security.ssl3 den Wert: security.ssl3.rsa_aes_256_sha auf true lassen/setzten. Dieses würde sich zwar vielleicht mit steigender Rechenleistung entschlüsseln lassen. Ist aber aktuell noch recht sicher und wird von mehr Webseiten angeboten als nur auf Diffie Hellman zu setzten.

Oh ja, was man Serverseitig tun könnte findet sich hier…

 

Cyanogenmod 11 Samsung Galaxy S2

Veraltet: CyanogenMod wurde 2016 eingestellt. Der Nachfolger LineageOS unterstützt das Galaxy S2 nicht mehr. Das Gerät ist seit vielen Jahren ohne Sicherheitsupdates.

Da brat mir einer einen Storch…. Auf meinem Samsung Galaxy S2 arbeitet schon lange ein CyanogenMod 10.2. Ganz brav aktualisiere ich es immer mit den Nightly Builds. Heute morgen sehe ich doch tatsächlich ein Upgrade auf CM 11 (Android 4.4.2 KitKat). Habe ich direkt und ganz mutig installiert!

Was soll ich sagen? Läuft prima! Ich habe noch kein Problem gefunden. OK, ich musste noch mal die passenden Google-Apps nachinstallieren. Das ist aber normal so. Genau so gefällt es mir! Es hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich direkt mal bei CM auf Donate klicke!

Facebook Account gelöscht

Ich glaube es nicht…. Meine Frau hat gerade ihren Facebook Account gelöscht. Also so ganz (was man da halt löschen nennen kann)! „Schuld“ daran bin noch nicht mal ich… Nicht dass ich es jetzt nicht versucht hätte aber meiner Meinung nach soll jeder seine eigene Entscheidung treffen. Hat sie auch…. Auslöser für den „Denkanstoß“ waren wohl ein paar ungewollte ~verlinkungen~. Daraufhin hat sie sich schlau gemacht, versucht Daten aus ihrem Profil zu löschen und am Ende den Entschluss gefasst wirklich ihr Profil zu löschen. Das war, nach ihrer Beschreibung, alles andere als einfach. Tja, was soll ich sagen ich bin mal wieder ganz besonders stolz auf meine Frau

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ownCloud News-App

Veraltet: ownCloud wird nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Der Nachfolger ist Nextcloud, der 2016 als Fork aus ownCloud hervorgegangen ist.

Ich bin ja SOOOO zufrieden, dass kann sich keiner vorstellen. Ich habe einige RSS News Feed abonniert. Natürlich schaffe ich es nicht alles zu lesen. Daher ist es ganz gut einen Feedreader zu haben welcher sich darum kümmert mir neues zu zeigen, altes gut durchsuchbar aufzubereiten und natürlich kenntlich zu machen welche ich bereits gelesen habe.

Dieses Google oder einem anderen „seriösen“ Anbieter zu überlassen… Hm, da habe ich immer Bauchschmerzen. Was geht es diesen Anbieter denn bitte an, was ich wann lese, für wichtig empfinde? Richtig… Nix.

Wenn ich die Daten nur in einer Anwendung auf dem Notebook vorhalte, kann ich sie nur sinnvoll lesen wenn ich am Notebook bin. Sein wir mal ehrlich umschau wo haben wir alle oft Zeit für so etwas? Genau auf dem Klo… Also auf dem Smartphone? Naja, dann habe ich es wieder nur auf dem Smartphone.

Ich nutze schon lange ownCloud um meine Daten, Kalender, Kontakte, Bilder usw. usw. synchron zu halten. Da sollten doch Nachrichten ebenfalls kein Problem sein, oder? Stimmt.

Es gibt ein >>App Framework<< Dieses bietet die News App. Beides lässt sich nach der „Installation“ einfach als ownCloud Admin aktivieren. Natürlich erst das App Framework und dann die News App…

Schon kann man als Benutzer seine Feeds abonnieren. Damit lässt sich alles über den Browser lesen und es gibt eine feine Android App über welche sich alles auf dem SmartPhone lesen lässt.

Die Installation ist denkbar einfach. Ich habe mir direkt einen git clone gezogen und die Daten dann nur verlinkt. Folgende Schritte waren nötig:

$ mkdir /opt/app-framework
$ cd /opt/app-framework
$ git clone https://github.com/owncloud/appframework.git
$ git clone https://github.com/owncloud/news.git
$ ln -s /opt/app-framework/appframework /pfad/zur/owncloud/apps
$ ln -s /opt/app-framework/news /pfad/zur/owncloud/apps
$ chmod -R www-data:www-data /opt/app-framework

Damit die Nachrichten immer schön aktuell sind, muss jemand anstoßen dass sie eingesammelt werden. Dafür nutze ich cron um alle 5 Minuten ein kleines Script zu starten:

*/5 * * * *  /scripte/cloudnews.sh 1>/dev/null 2>/dev/null

Dieses Script tut nichts weiter als über wget die nötige cron.php zu laden und die Ausgabe direkt in den „Müll“ zu werfen.

#!/bin/bash
/usr/bin/wget --no-check-certificate https://cloud.kernel-error.com/cron.php -O /dev/null

Das war es dann schon.

ownCloud

Veraltet: ownCloud wird nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Der Nachfolger ist Nextcloud.

Zur kurzen Beschreibung von ownCloud greife ich jetzt einfach mal ganz faul auf den ersten Absatz aus dem passenden Wikipediaartikel zurück:

### schnipp ###

ownCloud ist eine Software-Suite, die einen ortsunabhängigen Speicherbereich für Daten zur Verfügung stellt. Das Projekt wurde im Januar 2010 vom KDE-Entwickler Frank Karlitschek ins Leben gerufen, um eine freie Alternative zu kommerziellen Cloud-Anbietern zu schaffen. Im Gegensatz zu kommerziellen Speicherdiensten kann ownCloud auf einem privaten Server ohne Zusatzkosten installiert werden. Somit können gerade bei sensiblen Daten die Bedenken gegenüber einer Datenweitergabe und der damit einhergehenden Abgabe der Kontrolle über die Daten zerstreut werden.

Als Grundlage setzt das Projekt auf PHP und einer angebundenen SQLite-, MySQL- oder PostgreSQL-Datenbank. Die ownCloud kann über eine Weboberfläche bedient werden und ist dadurch nicht an ein bestimmtes Betriebssystem gebunden. Aber auch andere Anwendungen, wie beispielsweise Dateimanager oder Groupwares, können die ownCloud über eine Schnittstelle ansprechen und Dateien und Daten lokal bereitstellen.

### schnapp ###

Im Grunde lässt sich ownCloud also mit recht kleinen Grundvoraussetzungen ownCloud in Betrieb nehmen. Selbst die einfache Installation ist nicht weiter aufwendig. Natürlich hängt es immer etwas davon ab, welche Systeme man noch anbinden möchte und wie groß es am Ende wirklich werden soll.

Inzwischen gibt es für alle möglichen Clients auch Software, welche sie an ownCloud anbindet. Evolution, Thunderbird, Kmail (und Anhang), Sync-Clients für Windows/Linux/… Man kann einfach auf seine Dateien per WebDAV zugreifen usw. usw…

Man hat also seine Daten wirklich unter der eigenen Kontrolle und würfelt sie nicht irgendwo hin. Dabei ist die nötige Basis so gering dass es alles sogar über einen Raspberry Pi läuft.

OK… Es hat natürlich einen Haken. Denn es ist wie immer, wenn man selbst dafür verantwortlich ist, dann ist man auch selbst dafür verantwortlich. Alles ist dann nur so sicher wie man es selbst abgesichert hat, sich um die Patchstände kümmert und die Konfiguration vorgenommen hat.

Denn noch bietet man natürlich selbst in der Regel ein nicht ganz so attraktives Ziel wie ein großer Clouddienstleister (ich mag das Wort cloud nicht…).

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ownCloud und Kalender / Kontakte synchronisieren

Veraltet: ownCloud wird nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Der Nachfolger ist Nextcloud. CalDAV und CardDAV funktionieren dort identisch.

Meine Frau führt schon immer den „Familienkalender“…. Vor der Smartphonezeit war dieses ein kleines Büchlein in ihrer Tasche und ein größerer Kalender an der Wand. Es gab natürlich immer mal wieder Unterschiede zwischen dem kleinen Büchlein in der Tasche und dem Kalender an der Wand. Am meisten störte mich immer, dass ich sie anrufen musste wenn ich nach einem freien Termin gefragt wurde. Hatte immer so ein bisschen was von: „Bei Mama fragen ob ich mit meinen Freunden spielen gehen kann.“

Mit den Smartphone bot sich nun endlich die Möglichkeit Termine synchron zu halten. Natürlich war es nie eine Option die Daten bei irgendjemandem abzulegen, sondern dann schon unter eigener Kontrolle. Daher in die ownCloud.

Somit sehe ich nun den Kalender meiner Frau, welchen sie für mich freigegeben hat und sie natürlich auch meinen. Dieses nicht nur im Webfrontend der ownCloud und auf dem Android Smartphone sondern zusätzlich noch auf unseren Computer. Egal ob kmail, Evolution oder oder…. Überall ist nun alles gleich!

Dabei setzten wir auf unseren Androiden die Apps CalDAV-Sync und CardDAV-Sync ein. Bisher arbeiten diese Apps sehr gut auf unseren Geräten.

Man braucht Google wirklich nicht um seine Geräte im „Gleichgewicht“ zu halten. Ok, die Konfiguration ist etwas aufwendiger als wenn man das vorgegebene nutzt…. Der Gewinn ist aber aus unserer Sicht riesig.

DMARC und Mailinglisten: Warum Signaturen brechen und wie ARC das löst

Wer eine strenge DMARC-Policy veröffentlicht und gleichzeitig Mailinglisten nutzt, wird früher oder später feststellen: Die eigenen Mails werden auf der Liste zugestellt, aber beim Empfänger abgelehnt. Das liegt nicht an einem Konfigurationsfehler, sondern an der Art wie Mailinglisten funktionieren.

Das Problem

DKIM signiert nicht nur den Body einer E-Mail, sondern auch bestimmte Header wie den Betreff. Mailinglisten-Manager wie Mailman verändern die Mail aber auf dem Weg zum Empfänger. Sie hängen einen Identifier an den Betreff ([liste-name]), fügen einen Footer mit Abmelde-Link an den Body an und setzen eigene Header. Jede dieser Änderungen bricht die DKIM-Signatur.

SPF schlägt ebenfalls fehl, weil die Mail jetzt vom Listserver kommt und nicht mehr vom Mailserver des ursprünglichen Absenders. Die IP des Listservers steht nicht im SPF-Record der Absender-Domain.

DMARC prüft ob mindestens DKIM oder SPF bestehen und das Alignment stimmt. Beides schlägt fehl. Bei einer Policy von p=reject wird die Mail vom empfangenden Server abgelehnt. Der Absender bekommt einen Bounce, der Empfänger sieht die Mail nie.

Workarounds der Listenbetreiber

Mailinglisten-Manager haben verschiedene Strategien entwickelt um das Problem zu umgehen:

From-RewritingDer Absender wird auf die Listenadresse umgeschrieben. DMARC-Alignment passt dann zur Listendomain. Nachteil: Man sieht nicht mehr wer die Mail geschrieben hat.
Subject-Tag weglassenKein [liste] im Betreff. Schont die DKIM-Signatur, aber der Betreff allein reicht nicht, die Signatur kann trotzdem brechen wenn der Body verändert wird.
Footer weglassenKein Abmelde-Link im Body. Schont DKIM, aber Listenbetreiber brauchen den Footer oft aus rechtlichen Gründen.
DKIM re-signingDie Liste signiert die Mail neu mit ihrer eigenen Domain. Funktioniert, aber die originale Signatur des Absenders geht verloren.

Keiner dieser Workarounds ist sauber. Entweder geht Information verloren oder die Authentizität leidet.

ARC: Die eigentliche Lösung

Authenticated Received Chain (RFC 8617) wurde genau für dieses Problem entwickelt. Die Idee: Jeder Zwischenserver (wie ein Listserver) speichert die Authentifizierungsergebnisse der eingehenden Mail in einem ARC-Header und signiert diesen. Der empfangende Server kann dann die Kette zurückverfolgen und sehen, dass die Mail beim Eintritt in die Liste noch gültig war.

Drei Header bilden die Kette:

ARC-Authentication-Results: i=1; lists.example.org;
  dkim=pass header.d=kernel-error.de;
  spf=pass smtp.mailfrom=kernel-error@kernel-error.com;
  dmarc=pass header.from=kernel-error.de

ARC-Message-Signature: i=1; a=rsa-sha256; d=lists.example.org; ...
ARC-Seal: i=1; a=rsa-sha256; d=lists.example.org; cv=none; ...

ARC-Authentication-Results enthält die Ergebnisse zum Zeitpunkt der Annahme. ARC-Message-Signature signiert die Nachricht in ihrem aktuellen Zustand. ARC-Seal signiert die gesamte ARC-Kette und verhindert Manipulation.

Der empfangende Mailserver prüft die ARC-Kette. Wenn er dem Listserver vertraut und die Kette gültig ist, kann er die Mail trotz gebrochener DKIM-Signatur zustellen. Gmail, Microsoft und Yahoo werten ARC bereits aus. rspamd unterstützt ARC-Validierung und ARC-Signing von Haus aus.

In der Praxis

Mailman 3 unterstützt ARC-Signing. Bei Mailman 2 lässt sich ARC über einen vorgeschalteten Milter nachrüsten. Wer rspamd als Milter einsetzt, kann ARC dort aktivieren und braucht keinen separaten Dienst.

Die Empfehlung für Listenbetreiber: ARC-Signing aktivieren und den Betreff nicht verändern (statt [liste] den List-Id-Header nutzen, den alle modernen Mailclients auswerten können). Für Absender mit p=reject: ARC reduziert das Problem erheblich, löst es aber nur wenn die Gegenseite ARC auch prüft. In der Übergangsphase hilft es, bekannte Listserver per DMARC-Whitelist von der Policy auszunehmen.

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Postfix mit DANE und DNSSEC absichern

Meine Domains sind schon lange per DNSSEC gesichert. Für den Webserver hatte ich auch schnell TLSA-Records veröffentlicht, damit die TLS-Verbindung per DANE abgesichert ist. Seit Postfix 2.11 beherrscht auch der MTA die Prüfung von TLSA-Records — damit lässt sich ausgehende E-Mail-Verschlüsselung kryptographisch verifizieren, ohne sich auf das CA-System verlassen zu müssen.

Postfix konfigurieren

Zwei Zeilen in der main.cf reichen, damit Postfix beim Versand TLSA-Records prüft:

postconf -e "smtp_dns_support_level = dnssec"
postconf -e "smtp_tls_security_level = dane"

smtp_dns_support_level = dnssec weist den SMTP-Client an, DNSSEC-validierte DNS-Antworten zu verlangen. smtp_tls_security_level = dane aktiviert die TLSA-Prüfung — Postfix sucht automatisch nach TLSA-Records für den Zielserver. Gibt es keinen TLSA-Record oder kein DNSSEC, fällt Postfix auf opportunistisches TLS zurück. Die Kommunikation mit Servern ohne DANE leidet also nicht. Details stehen in der Postfix DANE-Dokumentation.

TLSA-Record erstellen

Der TLSA-Record enthält einen Hash des TLS-Zertifikats (oder des Public Keys), den der Empfänger-Mailserver im DNS veröffentlicht. So erzeugt man den SHA-256-Hash des Public Keys aus dem Zertifikat:

openssl x509 -in postfix.pem -noout -pubkey \
  | openssl pkey -pubin -outform DER \
  | openssl dgst -sha256

Den Hash trägt man als TLSA-Record in die DNS-Zone ein — für Port 25 (SMTP) und optional Port 465 (Implicit TLS):

_25._tcp.smtp.kernel-error.de.  3600 IN TLSA 3 1 1 8cb0fc6c527506a053f4f14c8464bebbd6dede2738d11468dd953d7d6a3021f1
_465._tcp.smtp.kernel-error.de. 3600 IN TLSA 3 1 1 8cb0fc6c527506a053f4f14c8464bebbd6dede2738d11468dd953d7d6a3021f1

Die Felder 3 1 1 bedeuten: DANE-EE (End Entity, kein CA-Vertrauen nötig), SPKI (nur Public Key, nicht das ganze Zertifikat), SHA-256. Der TTL von 3600 Sekunden ist bewusst kurz — bei einem Zertifikatswechsel soll der alte Record schnell ablaufen. Mehr zum Aufbau von TLSA-Records steht in RFC 7672.

Testen

Mit posttls-finger (Teil von Postfix) lässt sich prüfen, ob die DANE-Verifikation funktioniert:

posttls-finger -t30 -T180 -c -L verbose,summary kernel-error.de

Die entscheidende Zeile in der Ausgabe:

Verified TLS connection established to smtp.kernel-error.de[...]:25:
  TLSv1.2 with cipher ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384 (256/256 bits)

Verified statt Untrusted — der TLSA-Record stimmt mit dem Zertifikat überein, die Verbindung ist DANE-verifiziert. Im Postfix-Log sieht man denselben Unterschied:

smtp[3779]: Verified TLS connection established to mx02.example.de[...]:25
smtp[3779]: Untrusted TLS connection established to smtp2.example.de[...]:25

Verified = DANE-geprüft und in Ordnung. Untrusted = TLS aktiv, aber kein gültiger TLSA-Record vorhanden — die Verschlüsselung funktioniert trotzdem, nur ohne kryptographische Verifikation des Zertifikats.

Warum DANE besser ist als das CA-System

DANE verankert das Vertrauen im DNS statt bei Certificate Authorities. Der Domaininhaber veröffentlicht den Hash seines Zertifikats selbst — DNSSEC schützt den Record vor Manipulation. Keine CA kann ein falsches Zertifikat für die Domain ausstellen und damit die Verbindung aufbrechen. Das Ganze kostet nichts außer einem DNS-Record und funktioniert für jeden, der DNSSEC betreibt.

Zum Vergleich: Das damalige „E-Mail made in Germany“ (EmiG) setzte auf eine TÜV-Zertifizierung, die sich nur große Provider leisten konnten. Sicherheit nur für Unternehmen mit Budget — das ist das Gegenteil von dem, was ich unterstütze.


Update August 2014: Ich habe Mailgraph um DANE-Graphen erweitert, um den Anteil verifizierter Verbindungen zu visualisieren.

Siehe auch: TLSA/DANE-Records prüfen

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Zum Dumm, zum Zum: Eine humorvolle Reflexion

Na, mal wieder Lust auf etwas aus der: „Mein Gott, van de Meer!“ Ecke? OK…
Ich werfe also gerade einige Domains auf einen neuen DNS Server. Alles prima, nur saugt sich der Slave die Zonen nach einer Änderung nicht vom Master. Ich teste alles durch renne wild umher und gehe schon anderen Leuten auf den Sack. Bis mir jemand sagt… Kommen die Notifys vielleicht noch vom alten Server? Der PTR von der IPv4 Adresse ist….. Gott bin ich doof. Mein Gott bin ich blöde…

Der neue DNS Server hat mehrere IPv4 Adressen. Der Bind hört natürlich auf eine, nur ist es nicht die primäre IPv4 Adresse des Servers. Der Bind schickt folglich die Notifys über eine andere IPv4 Adresse zum Slave. Der denkt sich… Ok tolle Info aber ich soll auf ne andere Adresse hören. Also interessiert er sich nicht und zieht sich die Zone nicht. Ist ja ich richtig so!

Ich Wurst habe nämlich vergessen dem Bind zu sagen dass er bitte einfach alles über eine bestimmte IPv4 Adresse versenden soll. Ich muss den Bind im Grunde an eine ausgehende IP Adresse binden.
Kann Bind natürlich, schon alleine wegen IPv6. Denn da hat man ja schnell mehrere Adressen.
Nun kann man dem Bind viele verschiedene Vorgaben machen, wie er denn bitte den Weg nach draußen zu nehmen hat. Man kann sagen über welche IP Adresse er selbst anfragen rausschicken soll, über welche Adresse er bitte die Zonen durchreichen soll und auch über welche Adresse er das Notify an den Slave schicken soll.

options {
......
transfer-source 1.2.3.4;
notify-source 1.2.3.4;
query-source 1.2.3.4;
......
};

Alles einfach in den Optionsblock und fertig ist:

So einfach kann es sein, WENN MAN DARAN DENKT! Damit bewegt sich Bind fast nur noch über die angegebene Adresse nach draußen. Man bin ich blöde und wieviel Zeit ich damit wieder verbrannt habe *heul*!

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