IT-Blog von Sebastian van de Meer

Kategorie: Hardware & Reparatur (Seite 1 von 5)

Hardware-Tests, Reparaturanleitungen und Teardowns — von der Fritz!Box bis zum Bose-Kopfhörer.

Quantis USB – Alter Quantenzufall aus der Schublade

Ich hatte noch einen Quantis USB in der Schublade liegen. Einen Hardware-Quantenzufallsgenerator von ID Quantique aus Genf. Ein Gerät, das echten Zufall erzeugt. Nicht pseudo, nicht algorithmisch, nicht „irgendwie aus Interrupts zusammengewürfelt“, sondern auf Basis von Quantenphysik. Fundamental unvorhersagbar.

Image of quantis usb

Nachdem ich in den letzten Beiträgen OpenSSH und Postfix/Dovecot mit Post-Quantum-Kryptografie abgesichert habe, fiel mir wieder ein: PQC schützt die Algorithmen vor Quantencomputern. Schön und gut. Aber was ist eigentlich mit der Zufallsquelle, die diese Algorithmen füttert? Zeit, das Teil mal wieder anzuschließen und zu schauen, was es taugt.

Was steckt in dem Gerät?

Der Quantis USB von ID Quantique ist ein sogenannter Quantum Random Number Generator, kurz QRNG. Das Prinzip dahinter: Ein Photonendetektor misst quantenoptisches Vakuumrauschen. Das sind Fluktuationen im elektromagnetischen Feld, die nach den Gesetzen der Quantenmechanik fundamental zufällig sind. Nicht „fast zufällig“ oder „praktisch zufällig“, sondern physikalisch beweisbar unvorhersagbar. Das ist ein wichtiger Unterschied zu allem, was ein Algorithmus je leisten kann. Dazu gleich mehr.

Das Gerät selbst ist fast schon enttäuschend simpel. USB 2.0 High-Speed, ein einziger Bulk-IN-Endpoint (0x86), 512 Bytes pro Read, rund 4 Mbit/s Durchsatz. Flashbare Firmware gibt es nicht. Die „Intelligenz“ steckt in der Optik und einem FPGA, nicht in Software. Das Ding macht genau eine Sache, und die macht es gut.

Mein Testgerät hat die Seriennummer 132244A410. Der Quantis USB ist inzwischen ein Legacy-Produkt, ID Quantique hat einen Nachfolger mit höherem Durchsatz im Programm. Einen öffentlichen Preis hatte das Gerät nie. „Request a Quote“, wie das bei Nischenprodukten mit Zertifizierungsanforderungen so üblich ist. Das Gerät ist METAS-zertifiziert und war für Kunden gedacht, die Common-Criteria-Anforderungen erfüllen müssen. Vergleichbare QRNGs bewegen sich im Bereich von 900 bis 2.000 Euro. Nicht gerade ein Impulskauf.

Einrichten unter Linux

Angeschlossen an mein Linux Mint 22.3 (Ubuntu 24.04 Basis) meldet sich das Gerät sofort im Kernel-Log:

$ dmesg | tail
usb 1-1: New USB device found, idVendor=0aba, idProduct=0102
usb 1-1: Product: Quantis USB
usb 1-1: Manufacturer: id Quantique
usb 1-1: SerialNumber: 132244A410

Kein spezieller Treiber nötig. Das ist ein generisches USB-Bulk-Device, der Kernel erkennt es und das war’s. Die proprietäre libquantis von ID Quantique kann man sich komplett sparen. Man kann direkt mit pyusb auf den Endpoint zugreifen. So mag ich das.

Damit das auch ohne Root funktioniert, legt man eine udev-Regel an:

# /etc/udev/rules.d/99-quantis.rules
SUBSYSTEM=="usb", ATTR{idVendor}=="0aba", ATTR{idProduct}=="0102", MODE="0666", GROUP="plugdev", TAG+="uaccess"

Danach:

$ sudo udevadm control --reload-rules && sudo udevadm trigger

Gerät abstecken, wieder anstecken, fertig. Ab jetzt kann jeder Benutzer in der Gruppe plugdev auf das Gerät zugreifen.

Daten lesen mit Python

Zum Auslesen reicht das Paket python3-usb (pyusb). Installieren via apt install python3-usb, falls nicht vorhanden. Dann braucht man erstaunlich wenig Code:

import usb.core, usb.util

dev = usb.core.find(idVendor=0x0ABA, idProduct=0x0102)
dev.set_configuration()

cfg = dev.get_active_configuration()
intf = cfg[(0, 0)]
ep = usb.util.find_descriptor(
    intf,
    custom_match=lambda e:
        usb.util.endpoint_direction(e.bEndpointAddress) == usb.util.ENDPOINT_IN
)

data = ep.read(512, timeout=5000)
print(f"{len(data)} Bytes Quantenzufall gelesen")

Das ist alles. USB öffnen, Configuration setzen, den einen IN-Endpoint finden, 512 Bytes lesen. Fertig. Kein SDK, keine Bibliothek, kein Account, kein Cloud-Dienst. USB rein, Bytes raus.

Wichtig: Immer volle 512-Byte-Blöcke lesen (wMaxPacketSize). Wer weniger anfordert, bekommt USB-Overflow-Fehler. Das Gerät kennt keine halben Sachen. Es produziert kontinuierlich Zufallsdaten und schiebt sie in den USB-Puffer. Die müssen abgeholt werden, so wie sie kommen.

Für den Test habe ich das Ganze in eine Schleife gepackt und 100.000 Bytes gesammelt. Parallel dazu 100.000 Bytes aus /dev/urandom. Beide Datensätze dann durch dieselben statistischen Tests gejagt.

Der Test: Quantis vs. /dev/urandom

Jetzt wird’s spannend. Wie gut ist echter Quantenzufall im Vergleich zum Software-PRNG des Linux-Kernels?

Spoiler: Statistisch seht ihr keinen Unterschied. Und genau das ist der Punkt.

MetrikQuantis USB/dev/urandom
Shannon-Entropie7,998513 Bits/Byte7,998077 Bits/Byte
Maximum (theoretisch)8,0000008,000000
Effizienz99,9814 %99,9760 %
Chi² (Byte-Verteilung)205,8267,3
Erwartet (Chi²)~255 ± 23~255 ± 23
Bit-Balance (Anteil Einsen)49,975 %50,018 %
Serielle Korrelation+0,001230+0,003801
Längster Bit-Run (10 kB)15 Bits21 Bits
Erwarteter Run~16~16

Die Shannon-Entropie liegt bei beiden Quellen über 99,97 % des theoretischen Maximums von 8 Bit pro Byte. Das ist hervorragend. Die Chi²-Werte zeigen eine gleichmäßige Byte-Verteilung, beide liegen im erwarteten Bereich um 255. Die Bit-Balance ist nahezu perfekt bei 50/50, die serielle Korrelation praktisch null.

In den einfachen Tests schneidet der Quantis sogar minimal besser ab: niedrigere Korrelation, gleichmäßigere Verteilung, kürzerer maximaler Bit-Run. Aber ehrlich gesagt liegt das im statistischen Rauschen. Bei 100.000 Bytes Sample-Größe kann man keine belastbare Aussage über die Überlegenheit einer Quelle treffen. Man müsste Millionen oder Milliarden Bytes testen und Testsuiten wie die NIST SP 800-22 oder Dieharder durchlaufen lassen, um wirklich statistisch signifikante Unterschiede zu finden.

Heißt das, der Quantis ist überflüssig? Nein. Denn der Unterschied liegt nicht in der Statistik.

Wo liegt dann der echte Unterschied?

Die spannende Frage ist nicht, ob die Zahlen „zufälliger“ sind, sondern warum sie es sind.

/dev/urandom verwendet intern ChaCha20, einen deterministischen CSPRNG (Cryptographically Secure Pseudo-Random Number Generator). Der initiale Seed kommt aus der Kernel-Entropie: Hardware-Interrupts, Timing-Jitter, Geräte-Events, und seit einigen Jahren auch RDRAND/RDSEED aus der CPU, falls vorhanden. Das funktioniert in der Praxis hervorragend und ist extrem gut untersucht.

Aber es bleibt ein Algorithmus mit einem internen State. Wer diesen State kennt (und sei es nur theoretisch), kann alle zukünftigen Outputs berechnen. Das ist kein realistisches Angriffsszenario für euren Laptop. Aber es ist eine fundamentale Eigenschaft: Die Sicherheit von /dev/urandom basiert auf Berechnungsannahmen. Man nimmt an, dass ChaCha20 nicht effizient invertierbar ist. Stand heute stimmt das. Aber es ist eine Annahme, kein Beweis.

Der Quantis hingegen erzeugt Zufall aus Quantenvakuum-Fluktuationen. Da gibt es keinen Algorithmus, keinen State, keinen Seed. Die Unvorhersagbarkeit ist nicht durch die Komplexität eines Algorithmus geschützt, sondern durch die Gesetze der Quantenmechanik. Kein Angreifer, egal mit welcher Rechenleistung und egal mit wie viel Zeit, kann die nächsten Bits vorhersagen. Auch kein Quantencomputer. Das ist nicht berechnungstheoretisch sicher, sondern informationstheoretisch sicher. Die höchste Sicherheitskategorie, die es gibt.

Klingt akademisch? Zum Teil. Für den Alltag auf eurem Desktop oder Server reicht /dev/urandom völlig aus. Es gibt keinen bekannten praktischen Angriff darauf, und Linux‘ CSPRNG ist schnell, überall verfügbar und gut gewartet.

Aber es gibt Szenarien, in denen der Unterschied real zählt:

  • Erzeugung kryptografischer Schlüssel mit höchsten Sicherheitsanforderungen
  • Seeding von HSMs (Hardware Security Modules), die selbst keine eigene Entropiequelle haben
  • Regulatorische und Zertifizierungsanforderungen, also Common Criteria, FIPS-Validierung, BSI-Vorgaben
  • Wissenschaftliche Experimente, die physikalisch echten Zufall benötigen (z. B. Quantenoptik, Monte-Carlo-Simulationen)
  • Quantenschlüsselaustausch (QKD), ein Bereich in dem ID Quantique ebenfalls aktiv ist

Das größere Bild: QRNG und PQC

Post-Quantum Cryptography schützt kryptografische Algorithmen davor, von Quantencomputern gebrochen zu werden. ML-KEM für den Schlüsselaustausch, ML-DSA für Signaturen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite ist die Zufallsquelle. Ein kryptografischer Algorithmus kann noch so quantensicher sein. Wenn der Zufall, mit dem Schlüssel erzeugt werden, vorhersagbar oder manipulierbar ist, hilft das alles nichts. Der Zufall ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

Ein QRNG schützt genau diesen Angriffsvektor. Beides zusammen, PQC-Algorithmen und eine quantenphysikalische Zufallsquelle, ergibt ein quantum-safe Gesamtsystem. Das ist heute für die meisten von uns Overkill. Aber die Bausteine existieren, sie sind verfügbar, und es schadet nicht zu wissen, wie sie funktionieren.

Übrigens: Wer jetzt denkt „dann stecke ich den Quantis in meinen Server und bin sicher“, der macht es sich zu einfach. Die Vertrauensfrage verschiebt sich nur. Woher weiß ich, dass das Gerät tatsächlich Quantenzufall liefert und nicht einfach einen internen PRNG hat? Bei einem zertifizierten Gerät wie dem Quantis gibt es dafür Prüfberichte. Aber Vertrauen in Hardware bleibt immer ein Thema. Das ist bei Intel RDRAND nicht anders.

Einbindung ins System

Für die Vollständigkeit: Der Quantis USB lässt sich über rng-tools (rngd) als zusätzliche Entropiequelle in den Kernel-Entropiepool einbinden. Für Server mit hohem Entropie-Bedarf, also TLS-Terminierung unter Last, Massenerzeugung von Schlüsseln oder VPN-Gateways, kann das sinnvoll sein.

Ich habe das auf meinem Desktop nicht gemacht. Brauche ich dort nicht. Aber die Möglichkeit steht im Raum, falls jemand von euch einen Quantis oder ein vergleichbares Gerät an einen Server hängen möchte.

Fazit

Ein alter Hardware-QRNG, ein USB-Port, ein paar Zeilen Python, und man hat echten Quantenzufall auf dem Tisch. Statistisch nicht unterscheidbar von /dev/urandom, aber fundamental anders in der Entstehung. Die Sicherheit kommt nicht aus einem Algorithmus, sondern aus der Physik. Informationstheoretisch statt berechnungstheoretisch. Ein Unterschied, der in den allermeisten Fällen keine praktische Rolle spielt. Aber ein verdammt eleganter.

Für euren Desktop braucht ihr das nicht. Aber verstehen, warum es existiert und wie es sich einordnet, gerade im Kontext von Post-Quantum-Kryptografie, das lohnt sich. Warum denke ich jetzt an CIA und MAD? ;-D

Wie haltet ihr es mit euren Zufallsquellen? Vertraut ihr blind auf /dev/urandom, oder habt ihr euch schon mal Gedanken über die Entropiequelle dahinter gemacht?

NEXT Biometrics NB-2020-U Fingerabdruckleser unter Linux zum Laufen gebracht

In meinem Fujitsu Notebook steckt ein Fingerabdruckleser. Ein NEXT Biometrics NB-2020-U, USB ID 298d:2020. Unter Windows funktioniert er, unter Linux nicht. Kein Treiber, kein Support, nichts. Das Gerät taucht in lsusb auf, wird aber von keinem Treiber erkannt. Im libfprint Wiki steht es auf der Liste der nicht unterstützten Geräte. Dort steht es schon eine Weile.

Das hat mich gestört.

Picture of NB-2020-U

libfprint kennt den NB-1010-U. Das ist ein externer USB Fingerabdruckleser von NEXT Biometrics, der seit einiger Zeit einen funktionierenden Treiber hat. Der NB-2020-U ist die eingebettete Variante desselben Sensors, gedacht für den Einbau in Notebooks. Wenn man sich Teardown Reports ansieht, etwa von System Plus Consulting oder Yole Group, dann stellt man fest: Beide Geräte verwenden den identischen Sensor Die. Gleiche Technik, anderes Gehäuse.

Das war der erste Anhaltspunkt. Wenn die Hardware gleich ist, sollte auch das USB Protokoll gleich sein. Und wenn das Protokoll gleich ist, sollte der vorhandene Treiber funktionieren.

Bevor ich aber einfach auf Verdacht losprogrammiert habe, wollte ich es absichern. Ich habe NEXT Biometrics direkt angeschrieben. Kevin Hung, Director FAE bei NEXT Biometrics, hatte mir bereits 2022 auf eine Anfrage zu Linux Treibern geantwortet. Damals war sein Vorschlag, über Fujitsu zu gehen. Das führte ins Leere. Diesmal habe ich konkret angeboten, selbst einen libfprint Treiber zu schreiben, und um das SDK gebeten.

Kevin hat mir daraufhin das NBBiometrics ANF SDK 3.0.0.1384 zugeschickt. Ein komplettes SDK mit Headern, Bibliotheken, Beispielcode und Dokumentation. Das war sehr hilfreich, denn die Header bestätigen einiges. Das SDK nutzt eine einzige Shared Library libNBBiometrics.so für alle Gerätetypen. Der NB-1010-U hat den internen Gerätetyp 200, der NB-2020-U den Typ 202. Beide verwenden dasselbe Scanformat: 180×256 Pixel bei 385 DPI. Die USB Vendor ID ist bei beiden 0x298d, nur die Product ID unterscheidet sich: 0x1010 beim einen, 0x2020 beim anderen.

Wichtig: Das SDK ist proprietär. Für den eigentlichen Treiber habe ich keinen Code daraus verwendet. libfprint akzeptiert nur sauberen, eigenständig entwickelten Code. Das SDK diente ausschließlich als Referenz, um die Protokollkompatibilität zu bestätigen.

Also habe ich es einfach ausprobiert. Den bestehenden nb1010.c Treiber genommen, die USB Product ID 0x2020 zur id_table hinzugefügt und gebaut. Dann auf dem Fujitsu Notebook getestet.

Es funktionierte sofort.

Geräteerkennung, USB Interface Claim, die State Machine für die Fingererkennung, alles lief auf Anhieb. fprintd-enroll hat Fingerabdrücke aufgenommen, fprintd-verify hat sie korrekt verifiziert. Der bestehende Treibercode brauchte keinerlei Anpassungen. Null. Nur die PID in der Tabelle und den Gerätenamen.

Ein Blick auf die USB Deskriptoren bestätigt das Bild. Der NB-2020-U hat exakt dasselbe Endpoint Layout wie der NB-1010-U: Bulk OUT auf Endpoint 0x02, Bulk IN auf Endpoint 0x83. Dazu kommt ein Interrupt Endpoint auf 0x81, den der Treiber nicht verwendet. Die Kommunikation läuft identisch ab.

Der Patch selbst ist entsprechend klein. Drei Dateien, drei Zeilen rein, drei Zeilen raus:

  1. libfprint/drivers/nb1010.c: Die neue PID 0x2020 wird in die id_table eingetragen und der full_name auf "NextBiometrics NB-1010-U/NB-2020-U" erweitert.
  2. data/autosuspend.hwdb: Der Eintrag 298d:2020 wird von der Liste der nicht unterstützten Geräte in die Sektion des nb1010 Treibers verschoben.
  3. libfprint/fprint-list-udev-hwdb.c: Der Eintrag wird aus der Allowlist der nicht unterstützten Geräte entfernt, da er jetzt vom Treiber abgedeckt wird.

Den Merge Request habe ich bei libfprint upstream eingereicht: MR !569. Die CI Pipeline läuft durch, alle 124 Tests bestehen. Jetzt heißt es warten auf das Review durch die Maintainer.

Für alle, die denselben Fingerabdruckleser in ihrem Notebook haben: Sobald der Patch gemergt und in einer neuen libfprint Version enthalten ist, funktioniert der Sensor out of the box. Enrollment und Verifikation über fprintd laufen sauber. Wer nicht warten möchte, kann den Patch auch jetzt schon selbst auf ein aktuelles libfprint anwenden.

Ich habe bei NEXT Biometrics außerdem nach Informationen zum NB-2033-U gefragt, einem weiteren Fingerabdruckleser aus der gleichen Familie. Der steckt in einem zweiten Fujitsu Notebook hier. Der NB-2033-U verwendet allerdings ein komplett anderes Protokoll und lässt sich nicht einfach mit dem nb1010 Treiber ansprechen. Dafür wäre ein eigenes Reverse Engineering nötig. Mal sehen, was NEXT Biometrics dazu sagt.

OWON XDM1041: Firmware V4.7.0 (20220913) – Update-Dateien und Vorgehen

Ich nutze das digitale Multimeter OWON XDM1041.
Preis-Leistung passt für mich sehr gut. Das Gerät lässt sich per USB mit dem PC verbinden, Messwerte können ausgelesen und aufgezeichnet werden. Für meine Elektronik-Projekte an der Werkbank bringt es alles mit, was ich brauche.

Image of OWON XDM1041 digital multimeter with firmware version V4.7.0 (20220913)

Die Herstellersoftware funktioniert, ist aber klar auf Windows fokussiert. Unter Linux nutze ich stattdessen RustyMeter, eine saubere Alternative: https://github.com/markusdd/rusty_meter

Mein XDM1041 lief zunächst mit der Firmware V3.3.0. Auf der OWON-Webseite findet sich aktuell jedoch kein Firmware-Download für dieses Gerät. Nach Kontakt mit dem Support per E-Mail hat mir OWON freundlicherweise die aktuellste Firmware (Stand: 08.01.2026) zur Verfügung gestellt: XDM10412212508.zip (MD5 509766ba23eb008f32f60a82cddca08b)

Das ZIP-Archiv enthält:

  • eine PDF-Anleitung
  • USB-Treiber für Windows
  • die Software DS Wave zum Einspielen der Firmware
  • die beiden Firmware-Dateien:
    • OS--XDM1041_OS_V4.7.0_20220913.bin
    • TX-2212508.bin

Das Firmware-Update selbst ist unkompliziert und funktioniert exakt wie in der Anleitung beschrieben. Nach dem Update läuft das Gerät mit Firmware V4.7.0, im Display angezeigt als 20220913.

Der ursprüngliche Download von OWON war leider sehr langsam, brach mehrfach ab und erzeugte wiederholt TLS-Fehler. Ob das an Routing-Problemen oder an der sprichwörtlichen „chinesischen Mauer“ liegt, lässt sich schwer sagen.

Natürlich habe ich ebenfalls gefragt, ob ich das Firmware Update hier zum Download anbieten kann. Das geht aber leider nicht, denn es scheint jeweils für gewisse Geräte unterschiedliche zu geben:

Dear,
We can’t share the firmware updates as each one is exclusive to a specific device and not cross-compatible.

Ihr müsst also jeweils selbst auf den Support zugehen, E-Mail hat für mich gut funktioniert. Ich habe noch nach einem Kontakt über WeChat gefragt und nach einem Changelog. Sollte ich etwas bekommen, ergänze ich es hier.

Viel Erfolg beim Firmware-Update.

Preciva 992D+ im Test: Löt- und Heißluftstation für Hobby & Repaircafé

Picture of Soldering Station Preciva 992D+

Weiter geht es mit einer Lötstation. Wie immer: Das ist ein Werkzeug, das ich selbst einsetze. Es bedeutet nicht, dass es das Beste der Welt ist oder dass man damit sofort eine professionelle SMD-Reparaturwerkstatt eröffnen sollte.

Ende des letzten Jahres war ich auf der Suche nach einer kompakten Lötstation, die eine ordentliche Wattleistung hat und eine Kombination aus Lötstation und Heißluftstation bietet. Sie sollte aber nicht zu teuer sein. Einzelne Geräte hatte ich zwar schon verschiedene, aber gedacht war es eher für den mobilen Einsatz im Repaircafé. Die dortigen Reparaturen sind meist überschaubar.

Dennoch muss ich zugeben, dass mich diese Station tatsächlich überrascht hat. Preis/Leistung sind wirklich gut. Fun Fact: Die FritzBox-Reparatur habe ich mit genau dieser Station gemacht – einfach um zu testen, was geht – und ja, es ging, und das sogar wirklich okay.

Natürlich ist sie nicht mit einer großen professionellen Station von beispielsweise Weller zu vergleichen. Aber das ist auch gar nicht der Anspruch. Das Ding kostet aktuell auf Amazon knapp 130 €. Dafür bekommt man 6 verschiedene Lötspitzen, Lötzinn, Heißluft mit verschiedenen Aufsätzen, ein digitales Display und ach … schaut mal selbst: https://amzn.to/47zAAmr

Ich würde behaupten: Die meisten Hobbyreparaturen – selbst im Bereich SMD – lassen sich damit problemlos durchführen. Aber hey, das ist nur meine Meinung 😀

USB-Kabeltester: Kabelbrüche & Datenfähigkeiten schnell prüfen

Das hier ist zugleich der Auftakt einer kleinen Beitragsserie unter dem Titel „Was hast du in deiner Elektronikwerkstatt?“. Vor allem nach dem Beitrag zur FritzBox wurde diese Frage mehrfach an mich herangetragen.

USB Kabeltester mit leuchtenden LEDs und eingestecktem USB-C Kabel.

Um gleich Klarheit zu schaffen: Von einer „Elektronikwerkstatt“ kann bei mir keine Rede sein. Was du hier siehst, ist meine kleine „Healing-Bench“ – ganz sicher keine vollwertige Werkstatt und ohne entsprechenden Anspruch. Ich repariere und bastle Elektronik aus reinem Hobby, und man kann sich daran also vermutlich nicht unbedingt ein Beispiel nehmen. Aber hey, ihr habt gefragt – und ich hab was zu erzählen.

Mein Werkzeug soll eins sein – funktionieren. Ich will mich nicht darüber ärgern, es soll mich nicht umbringen und bitte auch nicht die Welt kosten. Ja, vieles davon stammt tatsächlich von AliExpress 😀

USB-Kabeltester – mein Einstieg

Heute stelle ich dir einen USB-Kabeltester vor. Mittlerweile kommt fast jedes Gerät mit einem USB-Kabel – zum Laden oder für den Datenaustausch. Besonders mit USB-C hat sich die Vielfalt der Kabelstandards enorm vergrößert. Ich meine damit nicht nur Lade-Standards, Spannungen und Leistungen, sondern auch verschiedene Datenübertragungsmodi.

Früher, zu Zeiten von USB-A/B, war das noch eindeutig: Ein Kabel konnte so ziemlich alles – Laden oder Daten. Mit Micro-USB begann dann der Wandel: Viele Kabel taugen nur noch zum Laden und übertragen keine Daten mehr.

So oder so hast du sicher auch so eine Schublade zuhause, in der sich unzählige USB-Kabel sammeln. Ständig ziehst du eins heraus und fragst dich: „Kannst du Daten übertragen?“ Das Kabel schweigt. Und bei seltsamem Verhalten fragt man sich: „Hast du einen Kabelbruch?“ – auch hier bleibt das Kabel stumm.

Praktische Hilfe für den Alltag

Hier kommt der USB-Kabeltester ins Spiel: Unter 10 €, betrieben mit einer einzigen CR2032-Knopfzelle, und er passt praktisch auf jede USB-Variante – selbst Lightning.

Link zu AliExpress: https://s.click.aliexpress.com/e/_oBI7lsv

So funktioniert’s:

Beide Kabelenden einstecken, Gerät einschalten, und die beschrifteten LEDs zeigen sofort, welche Leitungen im Kabel verbunden sind – oder auch nicht. Wer einen Kabelbruch sucht, wackelt einfach am Kabel – wenn eine LED ausgeht, ist der Fehler gefunden. Und nein – das Ergebnis wird nicht durch irgendwelche Kondensatoren verfälscht.

Im Lieferumfang ist auch ein kleines, verständliches Handbuch enthalten: Es erklärt übersichtlich, welche Pins/Adern wo liegen und welche Funktion sie jeweils haben.

Fazit

Mit dem USB-Kabeltester machst du dir den Alltag deutlich leichter – schnelle Kontrolle, einfache Bedienung, preiswert und super praktisch. Perfekt für alle Hobbybastler:innen, die einfach Ergebnisse wollen, ohne viel Aufwand.

PDS OSIcom-Office Box: Retro-PC mit JUMPtec SBC & SUSE Linux​

Vor etwas über 20 Jahren habe ich unter anderem mit OSIcom-office Boxen von PDS (Programm und Datenservice) gearbeitet. Dazu habe ich schon mal etwas geschrieben.

Picture of an PDS OSIcom-office Box

Zufällig bin ich dann in einem Onlineshop auf genau so eine OSIcom Box gestoßen, die dort zum Verkauf angeboten wurde. Der Preis lag deutlich über dem, was ich aus nostalgischen Gründen bereit wäre, dafür zu zahlen – aber ich habe einfach mal mein Glück versucht und per E-Mail ein Angebot unterbreitet. Und siehe da, der Verkäufer war einverstanden! Nun bin ich also Besitzer einer alten OSIcom-office Box. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an Wie-Tec für das Entgegenkommen.

Die Box basiert auf einem SBC (Single Board Computer) von JUMPtec. Das Modell scheint folgendes zu sein: 07029-0000-26-7. Im POST wird die BIOS-Version <LEU2R118> angezeigt. Hersteller: JUMPtec® Industrielle Computertechnik AG.

Verbaut sind ein Intel Pentium MMX 266 MHz, 256 MB RAM, eine 40 GB Festplatte, ein Diskettenlaufwerk, sowie eine Netzwerk- und ISDN-Karte. Der SBC steckt in einer ISA-Backplane. Das könnte sogar ein ziemlich guter Retro-DOS-Gaming-PC werden!

Spannenderweise war die Festplatte noch mit Daten gefüllt. Ob es sich dabei nur um eine Testinstallation oder echte Produktivdaten handelt, kann ich nicht bewerten. Überrascht hat mich das dennoch positiv, denn so konnte ich den kompletten Bootvorgang noch einmal genießen. Wobei – nicht nur ich:

Kernel 2.4.27 – man, ist das lange her! Grundlage ist ein altes SUSE Linux. Natürlich habe ich auch noch ein paar Bilder für euch angelegt.

Das BIOS konnte ich sichern, und zusammen mit den Bildern wird das sicher eine brauchbare Ergänzung für „The Retro Web“. Falls jemand von euch noch Handbücher oder ähnliches zur Hardware hat – ich würde mich sehr darüber freuen!

Dallas DS80C400: 8051-Ethernet-Mikrocontroller neu entdeckt​

Vor ziemlich genau 20 Jahren habe ich in einem Unternehmen gearbeitet, in dem Teile einer eigens entwickelten Lösung eine Zeit lang auf einem DALLAS DS80C400 basierten.

Der DALLAS DS80C400 ist ein hochintegrierter, netzwerkfähiger Mikrocontroller, der auf der Architektur des klassischen 8051 basiert. Entwickelt wurde er von Dallas Semiconductor (später Maxim Integrated) und war besonders für eingebettete Systeme geeignet, die eine Ethernet-Konnektivität benötigten.

Ja, klingt nicht weiter spannend, ich weiß – aber wir schreiben ja auch das Jahr 2025 und nicht 2005. Viele werden sich erinnern, dass der Raspberry Pi (Model B) im Februar 2012 veröffentlicht wurde. Arduino gab es zwar bereits seit 2005, aber ein einfach nutzbares TCP/IP-Netzwerk? Das war damals noch nicht so selbstverständlich. Der DS80C400 war mit seinem integrierten Netzwerkstack also ein ziemlich guter Mikrocontroller seiner Zeit.

Ich hatte ihn damals fertig montiert auf den Entwicklerboards von MAXIM in den Fingern. Das DSTINIM400 Embedded-Modul hatte 1 MB Flash, 1 MB SRAM, konnte 10/100 Mbit/s Ethernet, hatte zwei serielle RS232-Schnittstellen und noch ein paar andere nette Features. Dieses Modul steckte dann auf einem DSTINIS400, das – na ja, nennen wir es Hostboard – also eine Platine, die das DSTINIM400 aufnimmt und die verschiedenen Schnittstellen bereitstellt (Maxim TINI s400 Evaluation Board Socket).

Genau so ein Teil habe ich nun beim Aufräumen meiner „da muss ich noch mal nachschauen“-Elektronikkiste gefunden. Wirklich etwas damit tun wollte ich nicht, aber aus nostalgischen Gründen wollte ich es zumindest einmal booten sehen. Meine Erinnerung daran, wie das alles genau funktionierte, ist allerdings ziemlich verblasst. Irgendwas war da mit einer der beiden RS232-Schnittstellen und einem Terminalprogramm … also los.

Die mit Loader – Serial 0 beschriftete RS232-Schnittstelle war es, meine ich. Also habe ich mein Breakout-Board angeschlossen und ein bisschen herumgemessen. Sah soweit richtig aus – zumindest zeigte mein Oszilloskop beim Booten Aktivität auf den Datenleitungen. Die Pin-Belegung ist 1:1.

DSTINIm400 (DB9, DCE)PC (DB9, DTE)Funktion
2 (TXD)2 (RXD)Senden → Empfangen
3 (RXD)3 (TXD)Empfangen ← Senden
5 (GND)5 (GND)Gemeinsame Masse

Die Konfiguration der RS232 ist 9600 Baud, also 9,6 kbps. Dann noch 8N1:

  • 8 Datenbits (8 Bits pro Zeichen)
  • N Paritätsbit (keine Parität)
  • 1 Stoppbit

Da wirklich nur diese drei Leitungen benötigt werden, habe ich den Rest direkt beim Aufruf meiner Terminalemulation deaktiviert:

screen /dev/ttyUSB1 9600,cs8,-dtr,-rts

Hm … es passiert etwas, aber leider kommt nur Zeichensalat. Das spricht eher dafür, dass ich eine falsche Baudrate eingestellt habe. Also habe ich unterschiedliche Geschwindigkeiten ausprobiert – leider mit mehr oder weniger dem gleichen Ergebnis.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Teil überhaupt in dieser Kiste gelandet ist?!

Ich wollte schon aufgeben, da fiel mir auf der Rückseite etwas auf: Ein MAX560CAI, ein Low-Dropout-Voltage-Regulator. In seiner direkten Nachbarschaft fehlen zwei Kondensatoren – C33 und C34. Klingt so, als wenn dort ein Keramik- oder Tantal-Kondensator für 10V und irgendwas zwischen 1 µF bis 10 µF hingehört. Und das könnte durchaus problematisch sein, denn einige Leitungen führen direkt bis zur RS232-Schnittstelle.

Um die richtigen Werte für die Kondensatoren zu finden, musste ich dann doch ein bisschen im Internet suchen. Dabei bin ich zumindest schon mal auf ein paar PDFs gestoßen, die ich hier mit euch teilen möchte.

DSTINIS-005-DSTINIS400.pdf
TINI_GUIDE.pdf
DSTINIm400.pdf
DSTINIm400EVKit.pdf

Im DSTINIS-005-DSTINIS400.pdf bin ich dann zum Glück fündig geworden:

  • C10, C31, C32, C34-C361 µF
  • C3310 nF

Passende SMD-Bauteile hatte ich zwar nicht (nicht gefunden), aber THT sollte für einen Test reichen. Für C33 habe ich einfach ebenfalls einen 1 µF-Kondensator genommen – das war mir passend genug für einen Versuch.

Noch ein Test mit 115200 Baud und … ha, er bootet! 😃

TINI Slush OS v1.17 – man, man, man … lange nicht gesehen!

Milchkühlschrank: Mein DIY-Projekt mit Reparatur-Tipp

Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte zu meinem Milchkühlschrank erzählen. Ob das spannend wird? Na, da bin ich mir noch nicht so sicher.

In meiner Küche steht so ein Kaffeevollautomat – einfach wegen lecker Kaffee und so. Dieser ist, bei angeschlossener Milch, auch in der Lage, die gängigen Milchkaffeegetränke (nennt man das so?) auf Knopfdruck zuzubereiten. Also alles top. Nun trinke ich, vor allem wenn ich im Homeoffice sitze, schon mal einen Kaffee mehr. Da räume ich natürlich nicht für jeden Kaffee die Milch raus und wieder rein. Damit die Milch mehr als einen halben Tag überlebt, braucht sie etwas Kühlung. Genau an dieser Stelle kommt ein Milchkühlschrank ins Spiel.

In der Regel basieren solche kleinen Kühlschränke oder Kühlboxen auf einem einfachen thermoelektrischen Kühler namens Peltierelement. Ein solches Peltier-Modul funktioniert recht simpel. Meistens ist es ein kleines, flaches Quadrat mit zwei Leitungen. Schließt man die passende Stromversorgung an, wird eine der beiden Seiten warm und die andere kalt. Das Modul sorgt also dafür, dass es eine Temperaturdifferenz zwischen beiden Seiten gibt.

Sagen wir einfach mal, das Modul erzeugt immer eine Temperaturdifferenz von 30°C. Bei einer Raumtemperatur von 20°C wäre die eine Seite also bei 20°C und die andere bei -10°C. Gut, das ist nur die halbe Wahrheit, denn die heiße Seite wird im Betrieb wärmer, weil dort zwei Wärmequellen zusammenkommen:

Wärmeübertragung von der kalten Seite (Peltier-Effekt):
Der Peltier-Effekt transportiert Wärme von der kalten zur heißen Seite, wenn ein Strom durch das Modul fließt. Diese transportierte Wärme wird an der heißen Seite freigesetzt.

Joulesche Verlustwärme (Widerstandserwärmung):
Beim Fließen des elektrischen Stroms durch die Halbleiterelemente des Peltier-Moduls entsteht aufgrund des elektrischen Widerstands zusätzliche Wärme (Joule-Effekt). Diese Wärme erhöht ebenfalls die Temperatur der heißen Seite.

Kurz gesagt: Man muss die heiße Seite kühlen, damit die kalte Seite auch wirklich kalt wird. Diese wird allerdings nicht unendlich kalt, da wir nur einen Temperaturunterschied erzeugen können. Die Kühlung der heißen Seite ist also sehr wichtig. Dieses Wissen wird später noch hilfreich sein, also bitte kurz merken.

Zurück zum Milchkühlschrank. Wie funktioniert dieser nun? Um das besser erklären zu können, habe ich euch eine kleine Zeichnung angefertigt:

Schematische Darstellung, der Funktion eins Peltier Milchkühlers.

1 Schaumstoffdämmung, 2 Kühlkörper, 3 Befestigungsschrauben, 4 Peltier Modul, 5 Aluminiumblock

Die dicke schwarze Linie an der Innenseite der Schaumstoffdämmung stellt eine Metallplatte dar, die die Innenseite des Kühlschranks bildet. Diese ist mit etwas Wärmeleitpaste (für bessere Temperaturübertragung) mit dem Aluminiumblock verbunden. Im Aluminiumblock befinden sich Temperaturfühler, die dafür sorgen, dass das Peltier-Modul bei der gewünschten Temperatur abgeschaltet wird. Die kalte Seite des Moduls ist ebenfalls mit Wärmeleitpaste am Aluminiumblock befestigt, während die heiße Seite mit einem großen Kühlkörper verbunden ist. Dieser Kühlkörper vergrößert die Oberfläche der heißen Seite, sodass die Wärme besser an die Umgebungsluft abgegeben werden kann. Meist ist zusätzlich ein kleiner Lüfter verbaut, der aktiv Luft zuführt.

Mit diesem Wissen können wir nun alle selbst einen Milchkühlschrank oder eine kleine Kühlbox bauen. Ein oft verwendetes Peltier-Modul ist das TEC1-12706, das man im Doppelpack für ca. 10 € bekommt. Ein einfacher PC-Lüfter kostet etwa 10 €. Für rund 50 € kann man sich so ein Ding zusammenbauen.

Warum ist das wichtig? Nun, weil die Dinger für ca. 150 € verkauft werden. Was auch der Grund ist, warum ich mir nicht einfach einen gekauft habe. Denn, mal ehrlich: Wenn ich das für 50 € bauen kann, dann kostet es in der Massenproduktion in China noch weniger. Ja, ich weiß, ich kaufe ja nicht nur das Gerät, sondern auch die Bequemlichkeit – meine Milch bleibt länger frisch, und ich muss mich nicht kümmern. Aber so einfach ist das für mich nicht zu rechtfertigen. Es widerstrebt mir einfach.

Einen gebrauchten zu kaufen, schien mir da eine Option. Was soll ich sagen? Die Technik, die in solchen Geräten verbaut ist, ist oft billig und nicht auf Langlebigkeit ausgelegt. Von den Geräten, die ich bisher in der Hand hatte, hat keines länger als drei Jahre gehalten. Selbst gebraucht werden sie noch für rund 100 € angeboten. Das ist für mich einfach nicht verhältnismäßig.

Jetzt stand bei meinem Arbeitgeber plötzlich ein defekter Milchkühlschrank beim Elektroschrott. Das kam für mich überraschend. Natürlich habe ich nachgefragt, was mit dem Gerät los ist und ob es okay wäre, wenn ich es „entsorge“. Es war kein Problem, und so hatte ich einen neuen alten, kaputten Milchkühlschrank.

Und was hatte das Ding? Nichts Besonderes. Der Lüfter war gestorben, und die passive Kühlung reichte nicht aus, um das Innere des Kühlschranks ausreichend zu kühlen. Verbaut war ein einfacher 80×80 mm 12V PC-Lüfter. Den hatte ich noch in meiner Ersatzteilkiste. Also: Lüfter getauscht, und zack – schon funktionierte der Kühlschrank wieder. Zumindest bis zum Sommer.

Als die Temperaturen stiegen, wurde es im Kühlschrank nicht mehr richtig kühl, obwohl Lüfter und Peltierelement alles gaben. Ich habe das Gerät wieder aufgeschraubt, weil ich vermutete, dass die Wärmeleitpaste inzwischen hart und trocken war und ausgetauscht werden musste. Der Milchkühlschrank war inzwischen vier, knapp fünf Jahre alt – da kann das schon mal passieren.

War es die Wärmeleitpaste? Ja und nein. Die Paste war zwar trocken, aber das allein war nicht das Problem. Wenn ihr euch meine Zeichnung anschaut, sind euch vielleicht die Befestigungsschrauben (3) aufgefallen. Diese Schrauben sind aus Metall und verbinden den kalten Aluminiumblock direkt mit dem Kühlkörper – also eine klassische thermische Brücke. Das heißt: Ein Teil der Kälte wird direkt wieder in Wärme umgewandelt, weil Metall die Wärme gut leitet.

Das ist … naja, sagen wir mal suboptimal. Es funktioniert irgendwie, aber effizient ist das nicht. Ich habe die Löcher im Kühlkörper daher aufgebohrt und mit meinem 3D-Drucker Kunststoffbuchsen für die Schrauben hergestellt. Diese habe ich zusätzlich mit kleinen Federn versehen, die thermische Brücke ist so unterbrochen und die Felder drücken alles noch zusammen, selbst wenn sich das Aluminium durch die unterschiedlichen Temperaturen ausdehnt bzw. zusammen zieht. Danach war der Kühlschrank deutlich effizienter und verbrauchte spürbar weniger Energie. Warum der Hersteller das nicht von Anfang an so gemacht hat? Tja, irgendwie habe ich nur das Wort „Gewinnmaximierung“ im Kopf.

Das verbaute Netzteil war ebenfalls nur gerade so passend für die benötigte Leistung. Das ist okay, aber wenn ein Netzteil immer bei 90 bis 100 % Belastung arbeitet, gibt es irgendwann auf. Es funktionierte zwar noch, aber die Messwerte waren nicht optimal, und man konnte ihm die jahrelange Arbeit ansehen. Ich hatte noch ein HOUHUI-1206 im Regal – ein 12V 6A Gleichstromnetzteil, das ich irgendwann mal bei einem Gerät dabei hatte. Damals wollte ich es nicht einsetzen, weil es so billig aussah. Also lag es herum.

Hätte ich doch mal auf mein früheres Ich gehört! Denn sechs Monate später war der Kühlschrank wieder warm, und die LED am Netzteil war aus. Das Chinanetzteil hatte den Geist aufgegeben.

So langsam bröckelte der WAF (Woman Acceptance Factor). Ich sah mich schon einen neuen Milchkühler kaufen. Also habe ich das Netzteil aufgeschraubt und mal reingeschaut. Überraschung: Die Elektrolytkondensatoren (Elkos) waren aufgebläht – ein klassischer Fehler. Ich habe die Elkos getauscht, und schon funktionierte alles wieder.

Natürlich habe ich den Strombedarf des Kühlschranks gemessen, um sicherzugehen, dass das Netzteil nicht ständig an seiner Leistungsgrenze arbeitet. Ich bin nicht an die Grenze von 6A gekommen, aber trotzdem behalte ich das im Auge. Denn: 12V und 6A bedeuten 72 Watt. Wenn der kleine Milchkühlschrank 24/7 mit 70 Watt läuft, dann ist das auf Dauer auch zu teuer.

So viel also zu meiner Geschichte des Milchkühlschranks. Ob ich am Ende einen neuen kaufe? Vielleicht. Aber bis dahin läuft mein reparierter Milchkühlschrank wieder.

Lötdampfabsaugung selber bauen: DIY-Projekt mit 3D-Druck und Restteilen​

Heute mal etwas ganz Einfaches… Beim Löten entstehen Dämpfe, die man besser nicht durch den „Lungenfilter“ aus der Luft ziehen sollte.

3D-gedruckte Lötdampfabsaugung

Hier kommen Lötdampfabsaugung ins Spiel. Es gibt kleine, einfache Modelle für etwa 50 €, die wie ein kleiner Tischventilator in der Nähe stehen, die Dämpfe absaugen und meist durch einen Aktivkohlefilter leiten. Allerdings stehen mir diese Geräte immer im Weg, und die Lüfter sind oft so schwach, dass trotzdem noch ein großer Teil der Dämpfe zu mir gelangt.

Dann gibt es noch Absaugungen mit mehr oder weniger flexiblem Schlauch. Auch hier erfolgt die Filterung ähnlich, aber diese Modelle kosten dann schnell ein paar Hundert Euro.

Da bei Projekten öfter mal Reste übrig bleiben, liegen in meinem Keller eigentlich schon alle Einzelteile für eine selbstgebaute Lötdampfabsaugung bereit. Man müsste sie nur noch zusammenbauen.

Ich habe noch einen 100-mm-Lüftungsschlauch aus Aluminium, der einigermaßen flexibel ist, einen 120-mm-12V-Lüfter, der für ordentlich Luftstrom sorgt, und ein paar 130-mm-Aktivkohlefilterplatten. Wenn ich davon einfach zwei doppelt nehme, geht mehr als genug Luft durch, und sie filtern die Dämpfe recht gut.

Mit FreeCAD habe ich dann ein Gehäuse für die Teile entworfen, das ich einfach unter meine Werkbank schrauben kann. So liegt nur der Schlauch in einer Ecke und kann bei Bedarf zur richtigen Stelle bewegt werden, um die Löt-Dämpfe direkt an der Quelle abzusaugen.

Hier ein paar Bilder für euch – die Druckdateien findet ihr bei Maker World.

Ob die Teile auch zu euren „Resten“ passen, müsst ihr selbst kurz prüfen.

Oh, Schlauch und Filter findet ihr bei Amazon.

FRITZ!Box 7590: Fiepen, Spannungsregler-Probleme und WLAN-Ausfälle​

Eigentlich sollte die Überschrift heißen: Ärgere ich mich gerade über mich selbst oder über AVM?

PCB der FritzBox 7590 mit Zoom auf den MP1477 Spannungsregler

Zuhause arbeitete eine FRITZ!Box 7590 KA, die zu Beginn mit einem Frixtender erweitert wurde. Nach knapp zwei Jahren habe ich bemerkt, dass die FRITZ!Box angefangen hat zu fiepen. Eine Funktionseinschränkung konnte ich jedoch nicht feststellen. Da es aber knapp vor dem Ablauf der Garantie war, habe ich Kontakt mit dem AVM-Support aufgenommen.

Dem AVM-Support habe ich in einer kurzen E-Mail geschildert, dass meine Box plötzlich fiept und ob ihnen in diesem Zusammenhang vielleicht Probleme, beispielsweise mit Spulen oder Spannungsreglern, bekannt sind. Die Antwort vom AVM-Support ließ nicht lange auf sich warten und lautete zusammengefasst: „Nein, uns sind keine Probleme bekannt, aber du kannst deine Box gerne zur Überprüfung/Austausch einschicken.“

Jetzt kommen wir zum Punkt, warum ich mich ärgere und unschlüssig bin, ob ich mich über mich selbst oder über AVM ärgere. Für meine Arbeit benötige ich eine funktionsfähige Internetverbindung. Wenn ich die Box einschicke, muss ich für eine Alternative sorgen. Wenn AVM die Box vorsorglich gegen eine neue tauscht, wäre das zwar schön, aber es gibt schon zu viel Elektroschrott. Elektronik darf Geräusche machen. Spulen könnt ihr euch oft wie eine Art Schwungrad vorstellen. Es braucht etwas, um anzulaufen, läuft dann aber auch noch einige Zeit weiter, selbst wenn es niemand mehr antreibt. Das hängt mit den aufkommenden Magnetfeldern zusammen und ist so gewollt. Magneten kennt ihr, und dass dort Kräfte an den Bauteilen ziehen, könnt ihr euch jetzt ebenfalls vorstellen. Eine Spule kann also mit der Zeit anfangen, leichte Geräusche zu machen, und das ist auch okay. Für Spannungsregler gilt das ebenfalls. Stellt euch einfach euren Wasserhahn vor: Wenn ihr ihn voll aufdreht, kommen da vielleicht 5 Liter in der Minute heraus. Wenn ihr weniger Wasser wollt, macht ihr den Hahn ganz schnell an und wieder aus. Wie schnell ihr das Wasser ein- bzw. ausschalten müsst, um beispielsweise nur 1 Liter pro Minute fließen zu lassen, messt ihr mit euren Augen. Ganz grob funktionieren Schaltnetzteile so. Je nach Last kann man da also schon mal etwas hören, und das ist okay.

So ist ein weiteres Jahr ins Land gegangen, bis mir in einem meiner Newsticker die Meldung über sterbende FRITZ!Boxen vom Typ 7590 aufgefallen ist. Hier wird von anfänglichem Fiepen, schlechter werdendem 2,4-GHz-WLAN bis hin zum Totalausfall des WLANs und der Box berichtet. Bääähhhhh. Das klang verdächtig nach dem von mir beobachteten Fehlerbild. Nun ist meine Box aus jeglicher Garantie und Gewährleistung heraus. Den AVM-Support brauche ich also nicht mehr zu bemühen, sondern kann mich vielmehr mit dem Gedanken anfreunden, eine neue Box zu kaufen, um auf einen Ausfall vorbereitet zu sein. Zeitgleich haben bei uns im Ort die Arbeiten am Glasfaserausbau begonnen. Diese gehen so schnell und gut voran, dass ich damit rechnen kann, bis zum Ende dieses Jahres von DSL auf Glasfaser wechseln zu können. Mit diesem Wechsel kommt vom Anbieter auch eine neue FRITZ!Box. Tjo… Also Risiko eingehen oder eine Box kaufen, die in 5 oder 6 Monaten dann wohl irgendwo im Regal Staub fängt?

Bevor es eine Antwort auf diese Frage gibt, noch schnell zum Punkt mit dem Ärgern: Ich habe AVM bewusst gefragt, ob es bekannte Probleme mit der Box gibt und speziell auf die aus meiner Sicht verdächtigen Bauteile hingewiesen. Die Antwort war ein klares Nein. Das muss ich jetzt einfach so glauben, aber ich werde den Beigeschmack nicht los, dass es zum Zeitpunkt meiner Supportanfrage schon einige Reklamationen wegen dieses Problems gegeben haben müsste. Daher wohl mein möglicher Ärger über AVM – und dass ich auf die Möglichkeit eines Austauschs verzichtet habe – und der Ärger über mich selbst.

Habe ich jetzt eine neue Box gekauft oder nicht? Nein, habe ich natürlich nicht. Ich habe meine Box von der Wand genommen, aufgeschraubt und durchgemessen. Ja, Geräusche und etwas zu hohe Spannung für das 2,4-GHz-WLAN habe ich gemessen bzw. zuordnen können. Alles aber noch im Rahmen, sodass ich gehofft habe, dass es noch ein paar Monate gutgeht. War leider nicht so. Vor ein paar Wochen ist die Box an der Wand „geplatzt“ und ich musste in den sauren Apfel beißen und eine neue für den Übergang kaufen. Jetzt habe ich wohl ein Backup für die Zukunft. Woohoo 🙁 Manchmal lerne ich nicht so schnell dazu, oder? Naja, manchmal kommt halt eins zum anderen.

Ob meine alte Box wirklich mit genau dem beschriebenen Problem ausgefallen ist, wollte ich dennoch herausfinden. Die Sichtprüfung war noch immer gut, aber es war keine Spannung mehr zu messen. Daher habe ich mir von Aliexpress ein paar MP1477 (die genaue Bezeichnung ist MP1477GTF-Z) zuschicken lassen. Ich habe direkt alle drei verbauten Chips ausgetauscht und siehe da, die Box lebt wieder. Oft sollen dabei wohl noch die RF FRONT ENDs 055F als Folge der zu hohen Spannung sterben, aber diese haben es bei mir zum Glück überlebt.

PCB der FritzBox 7590 mit Zoom auf den MP1477 Spannungsregler

Nun habe ich also auch noch ein Backup für das zukünftige Backup. Super…

Da ich bei Aliexpress insgesamt 10 Stück bestellt habe, liegen hier jetzt noch ein paar herum. Ich wäre bereit, sie gegen ein Snickers zu tauschen, falls jemand von euch vor einem ähnlichen Problem steht. Uhh, und bedenkt bitte, dass die Dinger ECHT klein sind. Ich habe euch mal einen auf ein 1-Cent-Stück gelegt. Ohne Heißluftstation und etwas SMD-Löterfahrung solltet ihr das vielleicht lieber nicht angehen.

Größenvergleich zwischen dem MP1477 Spannungsregler und einem Euro-Cent-Stück

Die Messpunkte und die erwarteten Spannungen findet ihr im folgenden Bildchen.

PCB der FritzBox 7590 mit eingezeichneten Messpunkten und Messwerten des MP1477 Spannungsreglers

Wenn ihr dann noch Fragen habt, fragt einfach 🙂

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