Nach dem IPv6-Kongress 2014 war die Verbreitung mal wieder kurz im Rampenlicht. Nach über 15 Jahren IPv6 war die Umstellung noch immer nicht weit genug. Alle Empfehlungen von Experten wurden ignoriert. Es gab ja keine Nachfrage. Bis den ISPs die IPv4-Adressen ausgingen.
Carrier Grade NAT
Wer in Deutschland einen neuen Internetanschluss bei einem Kabelnetzbetreiber bekommt, bekommt oft einen Carrier Grade NAT (CGN) Anschluss. Das bedeutet: Keine eigene öffentliche IPv4-Adresse mehr. Stattdessen eine private Adresse hinter einem zentralen NAT-Router des ISPs. Versteckt wird das hinter Bezeichnungen wie DS-Lite oder DS64-Lite.
Das Port-Problem
Jede TCP-Verbindung verbraucht auf der abgehenden IP-Adresse einen Port. Ports sind 16-Bit-Zahlen, maximal 65.535. Abzüglich der reservierten Ports bleiben rund 64.500 gleichzeitige Verbindungen pro IP. Ein einzelner Benutzer baut schnell 50 und mehr Verbindungen gleichzeitig auf: E-Mail, Messenger, Browser mit parallelen Requests. Dazu kommen Verbindungen die nicht sauber geschlossen werden und bis zum Timeout offen bleiben.
Offene Verbindungen anzeigen:
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Wenn sich hunderte Kunden eine öffentliche IP teilen, sind die Ports schnell aufgebraucht. Der ISP könnte bestehende Verbindungen nach einer Zeit hart zurücksetzen. Oder die maximale Anzahl gleichzeitiger Verbindungen pro Kunde begrenzen. Beides führt zu Problemen.
Dazu kommt: Viele Webserver und Mailserver begrenzen die Anzahl gleichzeitiger Verbindungen pro IP-Adresse, als Schutz gegen DDoS. Wenn hundert Kunden hinter einer IP sitzen, trifft dieses Limit schnell.
Wer ist schuld?
Ein gutes Beispiel war Sipgate. Der VoIP-Anbieter beschwerte sich öffentlich darüber, dass seine Kunden hinter CGN-Anschlüssen Probleme mit ihren Sipgate-Leitungen hatten. Sipgate schob den schwarzen Peter an Unitymedia und hoffte, dass sich jemand meldet um das Problem gemeinsam zu lösen.
Was dabei unterging: Unitymedia hatte auf eigene Kosten einen Workaround eingerichtet, damit Dienste die es nach Jahren noch nicht geschafft hatten IPv6 zu unterstützen überhaupt noch erreichbar waren. Und dann kommt ein Diensteanbieter und sagt: Dein Workaround funktioniert nicht perfekt mit unserem System, bitte nachbessern.

Der Schuldige ist nicht der ISP. Der Schuldige ist der Diensteanbieter, der es nach über 15 Jahren Vorlaufzeit nicht geschafft hat seinen Dienst IPv6-fähig zu machen. Wer Probleme mit seinem Internetanschluss hat die auf CGN zurückzuführen sind: Nicht den ISP anrufen, sondern den Diensteanbieter fragen wann IPv6 kommt.
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