Der alte Firmenwagen (Fabia II TDI Sport, 2,5 Jahre, 120.000 km, zweiter Motor) stand mehr in der Werkstatt als er mir zur Verfügung stand. Diesel wurde teurer, die Kfz-Steuer tat ihr Übriges und der Nachwuchs brauchte mehr Platz. Also musste ein neuer Firmenwagen her.
Die Entscheidung
Alle Firmenwagen waren und sind Skoda. Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt, Diskussionen über die Marke gab es nicht. Also ein Octavia. Aber welcher genau?
In der Nähe unseres Firmenparkplatzes hatte eine Autogastankstelle (LPG) eröffnet. Kundenkarte, Monatsabrechnung, 2 Cent Rabatt pro Liter. Klingt gut, aber Autogas? Mehr Verbrauch, weniger Leistung, Tankstellensuche?
Glücklicherweise hatte das Autohaus einen Octavia LPG als Probefahrt da. Der hat überzeugt.
Im Alltag
Über 100 PS, auf Gas verliert man 3-4 PS. Spürt man nicht wirklich. Auf der Autobahn sind es bei der Endgeschwindigkeit vielleicht 5-10 km/h weniger, vergleichbar mit dem Einschalten der Klimaanlage.
Der Gastank sitzt dort, wo normalerweise der Ersatzreifen wäre (Bilder weiter unten). Der Tankstutzen ist formschön neben dem Benzintankstutzen verbaut. Kein Kriechen unters Auto, kein verdrehtes Nummernschild. Zwei Adapter für verschiedene Tankrüssel liegen bei.
Die Tankanzeige sitzt vor dem Schaltknüppel in der Mittelkonsole. Blaue LEDs zeigen den Füllstand, eine gelb blinkende LED signalisiert die Umschaltung auf Gas, dauerhaft gelb heißt Gasbetrieb. Rote LED kurz vor leer, dann piepst es und der Wagen schaltet automatisch auf Benzin um.
Benzin wird zum Starten und bis zur Betriebstemperatur gebraucht, danach schaltet er automatisch auf Gas. Man hört nur kurz ein Magnetventil im Kofferraum knacken. Per Knopfdruck lässt sich auch bewusst auf Benzin umschalten.
Verbrauch und Reichweite
Der Boardcomputer funktioniert einwandfrei mit beiden Kraftstoffen. Im Gasbetrieb ist der Verbrauch naturgemäß etwas höher. Bei rund 0,60 Euro pro Liter mehr als okay. Der 40-Liter-Gastank reicht für knapp 300 km. Zusätzlich bleibt der 50-Liter-Benzintank voll nutzbar.
Bei 0,2 km auf dem Tacho habe ich den Benzintank vollgetankt. Bei ca. 8.000 km musste zum ersten Mal Benzin nachgetankt werden. Autogastankstellen gibt es in Europa mehr als man denkt. Liegenbleiben mit leerem Gastank ist unrealistisch.
Motor und Fahrverhalten
Im Motorraum sieht alles sauber verbaut aus. Die normalerweise vorhandene Motorabdeckung passt durch die Gasanlage nicht mehr. Vermisse ich nicht.
Geräusche? Ich bin vorher Diesel gefahren. Die ersten Kilometer dachte ich an jeder Ampel, die Kiste sei aus. Kein Wackeln, kein Brummen, nichts. Die Motorleistung ist ausreichend, auf der Bahn sind 200 und etwas mehr drin. Das Auto fährt sich gut und ich bin zufrieden damit.
Hier die Bilder zum Octavia LPG.
Update Oktober 2012 (55.000 km)
Bei 55.000 km gab es ein Problem mit der Gasanlage. Der Wagen meldete sporadisch „zu fett“ oder „zu mager“. Mein Autohaus tippte auf die Lambdasonde, die mehrfach getauscht wurde, ohne Besserung. Ein Softwareupdate von einem befreundeten Autohaus half ebenfalls nicht. Erst ein längerer Aufenthalt im Skoda-Werk brachte die Lösung: der komplette Gasstrang vom Tank bis zum Motor wurde getauscht. Alles innerhalb der Garantie. Fazit: Sicherstellen, dass das Autohaus wirklich mit LPG-Autos umgehen kann.
Update März 2013
Der Octavia geht zurück, dafür kommt ein Skoda Yeti TDI 2.0. Gas war gut, jetzt doch wieder Diesel.
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