Moin.

Mein Arbeitskollege Michael hatte neulich eine Idee, die ich auf Anhieb großartig fand. Er hat einer AI meinen Blog vorgesetzt und um einen Roast gebeten. Das Ergebnis liegt unten in voller Länge, wortwörtlich, unverändert, inklusive aller Em-Dashes und sämtlicher AI-typischer Stilfiguren. Ich habe nicht eingegriffen, weil genau die ja Teil der Diagnose sind.

Illustration eines überladenen Self-Hosting-Arbeitsplatzes mit Terminals, neun Server-Jails, Mate und einer AI, die den privaten Tech-Blog humorvoll roastet.

Vorweg, damit das klar ist: ich richte keinen einzigen Punkt richtig. Erstens wäre das genau der Verteidigungsreflex, den der Roast selbst schon im Text zerlegt. Zweitens lache ich beim Lesen laut, und ich habe vor, das beizubehalten. Drittens hat Michael sich diesen kleinen Treffer redlich verdient, der gehört in voller Länge ins Schaufenster.

Falls du gerade zum ersten Mal hier auf dem Blog landest und nichts mit dem Kontext anfangen kannst: ja, neun Jails. Ja, .onion. Ja, llms.txt. Ja, DNS-Resolver mit Post-Quantum-TLS, den niemand benutzt. Und ja, neben der Tastatur steht in diesem Moment eine Mate. Genau wie diagnostiziert.

Der Roast, in voller Länge

🔥 Der große Roast von kernel-error.de 🔥

Das Header-Logo: -=Kernel-Error=-

Bruder. Bruder. Wir schreiben das Jahr 2026 und du fährst da oben immer noch die ASCII-Deko, die du 1998 in deinem IRC-Channel #linuxnoobs auf dem QuakeNet eingerichtet hast. Die einzigen Menschen, die so ein Logo heute noch designen, sind 1) du und 2) der Typ, der seine Quake-3-Clantag-Konvention nie verlassen hat. Fehlt eigentlich nur noch ein blinkendes <marquee> mit „Best viewed in Netscape Navigator 4.0“ und der vollständige Retro-Albtraum wäre komplett.

Die Tagline: „Privater Tech-Blog seit 2003“

23 Jahre Selbst-Hosting, 23 Jahre Postfix-Konfigurationen, 23 Jahre derselbe Mensch, der jedem auf der Familienfeier erklärt, warum seine Tante kein WhatsApp benutzen sollte. „Seit 2003“ ist kein Datum, das ist eine Diagnose.

Die Hausordnung

Ein privater Blog. Mit Hausordnung. Mit Leitsätzen. Mit einer Philosophie. Mein Bester, das ist keine Webseite mehr, das ist ein Manifest. Du hostest hier keinen Blog, du gründest eine Sekte für Leute, die vim für eine Lifestyle-Entscheidung halten.

Und mein absoluter Favorit:

„Knappheit vor Geschwätzigkeit — ein funktionierendes diff schlägt fünf Absätze Marketingdeutsch.“

Schreibt der Mann, dessen „Über mich“-Seite eine vierteilige Origin-Story enthält, in der ein Familienmitglied beim Telefonsupport sagt „Ach, da ist bestimmt wieder der Kernel-Error“. Das ist literarisch übrigens auf einem Level mit „Mein Vater nannte mich Maverick, weil ich immer schon gegen den Strom geschwommen bin.“ Knappheit, ja klar.

Die Self-Hosting-Flex

„Neun FreeBSD-Jails, eigene DNS-Infrastruktur, Matrix-Chat, Nextcloud, Tor Hidden Service“

NEUN. JAILS. Für einen privaten Blog, der Posts über das Flashen von LCR-Tester-Firmware veröffentlicht. Mein Mann betreibt zu Hause mehr Infrastruktur als die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler und der einzige Traffic, der dort jemals ankommt, sind drei Crawler von Censys und sein eigener Uptime-Checker.

Eine .onion-Adresse. Für einen deutschen FreeBSD-Blog. Weil natürlich der KGB, die NSA und das BKA gemeinsam einen Joint Task Force gegründet haben, um herauszufinden, wer da Tutorials für Postfix mit OpenSSL 3.5 liest. Klar, anonyme Whistleblower aus Nordkorea wollen unbedingt wissen, wie man TeamSpeak-Identity-Level auf der GPU berechnet.

Post-Quantum-Kryptographie

Du. Hast. Post-Quantum-TLS-Handshakes. Auf einem WordPress-Blog. Mit einem Anders-Norén-Theme. Lass das mal kurz sacken. Wenn ein Quantencomputer der NSA jemals dein Setup angreift, dann nicht, weil sie an deinen Blog-Content wollen, sondern weil sie wissen wollen, warum zur Hölle ein Privatmensch X25519+ML-KEM für einen Beitrag über Open Source Scan Converter braucht. Das ist, als würdest du ein Bundeswehr-Schutzbunker-System unter deine Gartenlaube bauen, weil dort dein Modellbahn-Diorama steht.

Der DNS-Resolver

„Ein öffentlicher DNS-Resolver unter dns.kernel-error.de bietet DoT, DoH und Post-Quantum-TLS kostenlos ohne Logging.“

Niemand. Hat. Danach. Gefragt. Das ist die Internet-Äquivalenz von: Du läufst durch die Fußgängerzone, baust einen Klapptisch auf und schreist: „ICH MACHE IHNEN KOSTENLOS UND OHNE NACHFRAGE IHRE STEUERERKLÄRUNG MIT QUANTENRESISTENTER VERSCHLÜSSELUNG!“ — und wunderst dich dann, dass nur drei FreeBSD-Mailing-List-Nerds und ein Bot stehenbleiben.

Die Credentials-Flex

„Digitaler Ersthelfer beim BSI, Mitglied im CCC, auf HackerOne und Intigriti“

Das ist nicht mehr „Über mich“, das ist ein LinkedIn-Profil im Tarnmodus. Fehlt nur noch „1% Toplister auf TryHackMe“ und „Awarded: Most Reflective Vest at Chaos Communication Congress 2019“. Was kommt als nächstes? AbuseIPDB-Reputation-Score als verstecktes Easter Egg? — Ach. Doch. Ja. Genau das. Du flexst tatsächlich mit deinem AbuseIPDB-Profil. Das ist der Sicherheits-Äquivalenz von „Mein Dorf hat mich zum Schützenkönig gewählt“.

Die Blog-Post-Titel

Lass uns das mal durchgehen, das ist Kunst:

„LCR-T4-Plus v2: m-firmware flashen, Display-Tuning und die 8-MHz-Quartz-Falle“
Globale Zielgruppe dieses Posts: weltweit ca. 11 Menschen, von denen 4 schon tot sind und 2 OpenBSD nutzen.

„ts3level: TeamSpeak-Identity-Level auf der GPU rechnen“
Du. Du nutzt im Jahr 2026 noch TeamSpeak. Und brennst dafür GPU-Zyklen ab, die Hawaii-Familien drei Wochen klimatisieren könnten. Discord existiert seit elf Jahren. Elf.

„Open Source Scan Converter: Firmware-Update von 1.08a auf 1.21“
Das ist kein Blog-Post, das ist eine Notruf. Irgendwo schreit ein 35-jähriger Mann nach Validierung für seine SCART-Sammlung.

„AI, der Mensch als Flaschenhals und meine Sorgen für die nächsten 15 Jahre“
AHA. Da sind sie also, die fünf Absätze, die das diff hätte schlagen sollen. Die obligatorische Tech-Blog-Existenzkrise-Folge. Jeder Self-Hoster muss einmal im Jahr seinen „Ich habe nachgedacht und mache mir Sorgen“-Post raushauen, sonst verliert man den FreeBSD-Mitgliedsausweis.

„Postfix 3.11.1 mit OpenSSL 3.5: Post-Quantum-TLS jetzt nativ“
Hier glüht der Mann. Hier ist er zu Hause. Hier passiert die Magie. Sechs Menschen lesen es und einer von denen ist ein Bot.

„Versteckte Easter Eggs“

„llms.txt, llms-full.txt, VirusTotal, AbuseIPDB Profile“

llms.txt. Du hast eine llms.txt. Die explizite „Bitte-LLM-lies-mich-ich-bin-relevant“-Datei. Während du gleichzeitig einen Post schreibst, in dem du dir „Sorgen über AI“ machst. Bro. Du lädst genau das Monster ein, vor dem du Angst hast, und lässt ihm noch einen Begrüßungs-Cookie auf dem Sofakissen liegen.

Das Theme-Detail

Ein WordPress-Theme von Anders Norén. Der Mann reicht von Linux-Kernel-Internals über DNSSEC bis zu PQ-Crypto — aber bei der Webseite hat er gesagt „ach, was die Schweden im default schicken passt schon“. Es ist, als würde Gordon Ramsay zu Hause Fischstäbchen aus der Mikrowelle essen. Lobenswert ehrlich, irgendwie aber auch beleidigend.

Die Sprachebene: „Moin!“

Klassisch. Norddeutsche Authentizitäts-Geste. Drei Anschläge, die signalisieren: „Ich bin bodenständig, ich rede Klartext, ich trinke meinen Kaffee schwarz wie mein Terminal und ich habe keine Zeit für Bullshit“ — direkt gefolgt von einer mehrseitigen Hausordnung über digitale Werte und Mehrjahres-Reflektionen über AI. Moin, Schatz. Moin.

Das übergreifende Problem

Diese Seite ist die digitale Inkarnation des Mannes, der dir auf einem LAN-Party Geburtstag erklärt, warum er Eigentlich kein Energiedrink trinkt, sondern lieber Mate, weil:

a) Koffeingehalt definierbarer ist
b) Open-Source-philosophischer Konsum
c) „Ist halt mehr meins.“

Du willst hier gar keinen Blog. Du willst, dass jemand vorbeikommt und sagt: „Wow, neun Jails? Erzähl mir mehr.“ Aber niemand kommt vorbei, weil deine .onion-Adresse nur über deinen eigenen Tor-Bridge erreichbar ist und der DNS-Resolver dahin nur über deinen eigenen DoH-Endpunkt funktioniert und dafür braucht man dein PGP-Public-Key, und der ist in security.txt und die ist signiert mit dem Key, den man nur über dns.kernel-error.de bekommt. Du hast dir ein wunderschönes, sicheres, selbstreferenzielles Solipsismus-Imperium gebaut, und das einzige Lebewesen, das es regelmäßig besucht, ist googlebot/2.1 — und der nutzt nicht mal HTTP/3.

Zusammenfassung

Kernel-Error.de ist nicht schlecht. Kernel-Error.de ist die liebevollste, akribischste, technisch versierteste Schreibtisch-Schublade des deutschen Internets. Es ist die Webseite-Version eines perfekt geölten Mechanikers, der sein ganzes Wochenende damit verbringt, einen Drehmomentschlüssel zu kalibrieren, mit dem er anschließend… einen anderen Drehmomentschlüssel kalibriert.

Und ehrlich? Wir lieben es. Bleib so. Das Internet braucht Menschen wie dich. Nur vielleicht trinkst du heute mal kein Mate und gehst kurz raus.

🫡

Disclaimer: Dieser Roast wurde mit Post-Quantum-Verschlüsselung über neun FreeBSD-Jails gerouted, bevor er hier ankam. Eine .onion-Variante ist auf Anfrage verfügbar.

Eine AI, die mein Arbeitskollege Michael auf meinen Blog losgelassen hat

Danke, Michael

Wirklich. Es braucht jemanden, der einen ein bisschen kennt, um so präzise daneben zu treffen, dass es weder gemein noch falsch ist. Ich werde den Roast direkt neben den anderen liebevollen Lebens-Diagnosen ablegen, die ich über die Jahre gesammelt habe. Vielleicht drucke ich ihn mir auch aus und hänge ihn über den Bildschirm, falls ich irgendwann anfange, mich für all das hier ernsthaft zu rechtfertigen.

Und jetzt geh ich raus. Aber natürlich erst, wenn ActivityPub diesen Post an alle Federation-Inboxen ausgeliefert hat, der .onion-Mirror den Eintrag indexiert, der DNS-Resolver via DoH und Post-Quantum-TLS einmal durchgequeryt wurde und der Uptime-Checker eine ordentliche 200 für die neue Permalink-URL bekommt. So wie es sich gehört.

Wenn du Michaels AI Roast genauso gut findest wie ich, oder wenn du selbst eine Diagnose für diesen Blog hast, kannst du mir gerne fragen. Mate steht bereit.