IT-Blog von Sebastian van de Meer

Schlagwort: VPS

DNSSEC, IPv6 und DENIC: Wenn der DNS-Server in Japan steht

Zum Spaß hatte ich mir einen VPS in Japan geklickt. Was damit anfangen? Einen weiteren DNS-Server aufsetzen natürlich. Gute Idee? Nicht wirklich. Der Server steht am anderen Ende der Welt, hat höhere Antwortzeiten und der Resolver wählt zufällig, welchen DNS er fragt. Sporadisch deutlich langsamere Antworten also. Aber für den Spieltrieb war das OK.

FreeBSD 10, BIND 9.11, als Slave für drei Zonen (kernel-error.org, .com, .de). System gepatcht, BIND installiert, DNSSEC-Validierung getestet (TCP, UDP, größer 512 Bytes), alles sauber. Als Slave eingebunden, nochmal getestet, dann bei den übergeordneten Zonen eintragen lassen.

Das Problem

Die Zonen .org und .com haben den neuen Nameserver anstandslos aufgenommen. Die .de-Zone (DENIC) meckerte: DNS-Timeout bei IPv6. Nur bei IPv6. Per dig und drill lief alles einwandfrei:

dig @2001:310:6000:f::1fc7:1 +edns +norec +bufsize=4096 kernel-error.com IN MX +short
10 smtp.kernel-error.de.

dig @2001:310:6000:f::1fc7:1 +tcp +edns +norec +bufsize=4096 kernel-error.com IN MX +short
10 smtp.kernel-error.de.

BIND macht keinen Unterschied zwischen IPv4 und IPv6. Alles beantwortet, alles sauber. Auch tcpdump zeigte nichts Auffälliges. PF deaktiviert, kein Unterschied. Provider filtert nicht (nur Switch, iptables und ebtables auf der Infrastruktur, klingt spartanisch). DNSViz meldete ebenfalls einen Fehler, genau wie DENIC.

Die Fehlermeldung der DENIC-API:

ERROR: 223 Timeout after switching from UDP to TCP -
switch to TCP due to timeout (target)
(ns3.kernel-error.com./2001:310:6000:f:0:0:1fc7:1:53)

Der Query-Log

Query-Log aktiviert. Man sieht die Anfragen der DENIC (2a02:568:201:214::1:15) ankommen und beantwortet werden. UDP, TCP, EDNS, DNSSEC-Queries, alles da:

30-Jan-2017 18:30:04.669 client 2a02:568:201:214::1:15#38145: query: ns3.kernel-error.com IN A -E(0)DC
30-Jan-2017 18:30:04.670 client 2a02:568:201:214::1:15#41589: query: ns3.kernel-error.com IN AAAA -E(0)DC
30-Jan-2017 18:30:04.938 client 2a02:568:201:214::1:15#20703: query: kernel-error.de IN SOA -
30-Jan-2017 18:30:05.510 client 2a02:568:201:214::1:15#58465: query: kernel-error.de IN NS -T
30-Jan-2017 18:30:05.889 client 2a02:568:201:214::1:15#47548: query: kernel-error.de IN SOA -E(0)D
30-Jan-2017 18:30:05.896 client 2a02:568:201:214::1:15#55493: query: kernel-error.de IN DNSKEY -E(0)D
30-Jan-2017 18:30:06.416 client 2a02:568:201:214::1:15#37170: query: kernel-error.de IN DNSKEY -E(0)TD

Die Auflösung

Während ich einem Kollegen das Problem demonstrieren wollte, lief das DENIC-Update plötzlich einfach durch. Keine Änderung meinerseits. Die Antwort von DENIC kam dann auch:

Unsere Kollegen können derzeit nicht genau sagen woran es hängt.
Jedoch sind unsere Verbindungen nach Korea zeitweise leicht
beeinträchtigt, evtl. wurde die Nast-Prüfung genau in dem
Moment durchgeführt.

Vermutlich lag es an der Antwortzeit von 200–300 ms, die zusammen mit einem Routing-Problem auf der DENIC-Seite gerade so in einen Timeout lief. Offiziell geklärt wurde es nie. Ein leicht ungutes Gefühl bleibt.

Die tcpdump-Mitschnitte von damals liegen hier: dns.tar.gz. Wer sich für DNSSEC-Grundlagen interessiert: DNSSEC einrichten mit BIND. Fragen? Einfach melden.

Contabo VPS

Lange habe ich nach einem ordentlichen Anbieter für einen neuen vServer gesucht. Dabei galt es folgende Kriterien zu erfüllen:

– Min. 2 IPv4 Adressen
– Ein kleines IPv6 Netz
– Unbegrenzter Traffic
– Min. 100Mbit/s Anbindung
– Min. 2 CPUs
– Min. 4 GB RAM
– Min. 200 GB HDD
– Linux als OS

Natürlich habe ich zuerst die Großen abgeklappert.

– 1und1 kein IPv6 (warum nicht? Ich meine 2014 HALLO!?!?)
– Strato nur EINE IPv6 Adresse (Ö_ö eine IPv6 Adresse…. eine?)
– Host Europe kein IPv6 bei den vServer nur bei den Root Server EINE (tz..)
– 1blue kein IPv6
– Server4you kein IPv6 beim vServer, sonst soll es wohl gehen…
– Serverloft… Joar, die Kosten sind mir zu hoch. Sind aber auch keine vServer.
– usw. usw. usw…

IPv6 scheint noch immer ein größeres Problem zu sein, ist nicht voll integriert oder ist (wie auch meherer IPv4 Adressen) hochpreisigen Produkten vorbehalten.

Dann bin ich auf Contabo gestoßen. Ich war Opfer der Werbung im Linux Magazin 🙁 Preis/Leistung sah dabei einfach zu gut aus. Daher habe ich angerufen. Ohne lange Hoteline sprach ich mit einem Menschen. Diesem stellte ich direkt meine Fragen und er konnte sie überraschenderweise direkt und sicher beantworten. Mit sicher meine ich, dass man nicht das Gefühl hatte er würde es irgendwo nachlesen oder wäre nach einer kurzen Schulung auf die Hotline losgelassen worden. Nein, es war wirklich gut!

Natürlich habe ich abschließend die Frage gestellt wie es klappt dass die angegebene Leistung so gut ist, der Support so schön zu funktionieren scheint und die Ausstattung und Randbedingungen ebenfalls so gut erscheinen. Nach hörbarem Schmunzeln bekam ich die Antwort: Das würde oft gefragt…. Ich müsse es so sehen. Contabo selbst stellt wirklich nur die Hardware und die Infrastruktur. Für das System selbst ist man selbst verantwortlich. Wenn es da mal Probleme gibt, könnte der Support zwar helfen diese wäre dann aber Kostenpflichtig (er meinte damit wenn man seine Kiste mal zerfriemelt hat). Man müsse schon wissen was man tut, dieses würden Contabo bei seinen Produkten einfach voraussetzten.

Schien also genau das zu sein was ich gesucht habe! Daher habe ich bestellt… Wobei ich genau eine solche Antwort von jedem Root-Server erwarten würde.

Alles ging schnell und für mich verständlich online. Ich bekam eine E-Mail mit der Bitte Geld zu überweisen (wer konnte damit nur rechnen. ). Kurz nach meiner Überweisung flatterten bereits die Zugangsdaten in mein Postfach.

Wie bei der Bestellung angeklickt hatte ich schon eine zweite IPv4 Adresse und konnte die PTR-Records flott im Webmenü eintragen. Um die PTR-Records der IPv6 Adressen zu ändern musste ich kurz den Support per E-Mail bemühen. Freitags um 23:36 Uhr habe ich ihn angemailt als ich morgens aufgewacht bin hatte ich schon die Bestätigung in meinem Postfach. Das System selbst ist genau wie bestellt und hat mehr Leistungsreserven als erwartet. Ich habe 8GB Arbeitsspeicher, 400Gb Festplattenplatz und zwei CPUs mit 3,4GHz. Auf der Webseite war nur etwas von 3,2GHz zu lesen. Ok ok… die paar MHz machen den Braten jetzt nicht fett, das es Core I7 CPUs sind hat mich denn noch überrascht!

Ich habe natürlich Speicher und CPU mal mit Arbeit beworfen um zu testen ob es nicht nur Schein ist. Alles prima…. Die Storage Anbindung ist ja gerne mal etwas zu genau auf den Punkt dimensioniert. Bei meinem System kann ich nicht klagen. Performance und I/Os sind wunderbar und mehr als ausreichend.

100Mbit/s sind auch 100Mbit/s… Wobei man hier auf das „Kleingedruckte“ achten muss: Keine zusätzlichen Kosten durch Traffic (bei einem Durchschnittsverbrauch über 40 Mbit/s in einem zusammenhängenden Zeitraum von mindestens 5 Tagen erfolgt eine Umstellung der Anbindung auf 10 Mbit/s).

Zu dem Thema muss ich dann wohl mal eine kleine Auswertung vom Support anfordern. Sollte doch machbar sein, oder?

Ob mich dieses noch ärgert, werde ich herausfinden. Ob mich noch mehr ärgert wird sich zeigen!

Fragen? Einfach melden.

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