IT security, FreeBSD, Linux, mail server hardening, post-quantum crypto, DNS, retro computing & hands-on hardware hacks. Privater Tech-Blog seit 2003.

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Postfix Header Cleanup: Client-IPs und Mailer-Versionen aus E-Mail-Headern entfernen

Jede E-Mail enthält Header, die Informationen über den Absender preisgeben: Die IP-Adresse des Clients (Received), den verwendeten Mailclient samt Version (User-Agent, X-Mailer) und manchmal die originale IP (X-Originating-IP). Für einen Angreifer ist das nützlich. Er sieht welche Software in welcher Version läuft und kann gezielt nach bekannten Schwachstellen suchen. Die IP-Adresse verrät die interne Netzwerktopologie oder ermöglicht Tracking über verschiedene Netze.

Postfix kann diese Header beim Versand per Regex umschreiben oder entfernen.

Konfiguration

In der main.cf die Header-Checks aktivieren:

smtp_header_checks = pcre:/usr/local/etc/postfix/header_cleanup

Die Datei header_cleanup enthält die Regex-Regeln:

# Client-IP im Received-Header ersetzen
/^(Received: from)[^\n]*(.*)/ REPLACE $1 [127.0.0.1] (localhost [127.0.0.1])$2

# Originating-IP komplett entfernen
/^X-Originating-IP/ IGNORE

# Mailclient-Version verschleiern
/^User-Agent/ IGNORE
/^X-Mailer/ IGNORE

REPLACE ersetzt die Zeile, IGNORE löscht sie komplett. Die erste Regel tauscht die echte Client-IP im Received-Header gegen localhost aus. Die restlichen Regeln entfernen Mailclient-Informationen.

smtp_header_checks vs. header_checks

Postfix kennt zwei Stellen für Header-Manipulation: header_checks greift bei der Annahme (Cleanup-Daemon), smtp_header_checks greift beim Versand (SMTP-Client). Für die Verschleierung eigener Absender-Daten ist smtp_header_checks die richtige Wahl. Die Header werden erst beim Versand umgeschrieben, nicht bei der internen Verarbeitung. So bleiben die originalen Header in den lokalen Logs erhalten.

DKIM-Kompatibilität

Die DKIM-Signatur wird nicht gebrochen. DKIM signiert standardmäßig den Body und ausgewählte Header wie From, To, Subject und Date. Die Received-, User-Agent– und X-Mailer-Header sind nicht Teil der Signatur. Außerdem greift smtp_header_checks nach dem Signing, der Cleanup-Daemon hat die DKIM-Signatur zu diesem Zeitpunkt bereits erstellt.

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Postfix MTA-STS Resolver für FreeBSD mit Logfile einrichten

Ich habe heute auch mal den postfix-mta-sts-resolver auf meinem privaten System zugeschaltet. Einfach um es mal zu „probieren“.

Tut einfach und wie beschrieben, ist so aber sicher nicht für größeren und produktiven Betrieb gedacht. So wie der resolver kommt schreibt er alle Meldungen leider nur in die Konsole, es gibt keinen File-Logger. Ich ähm will/brauch den aber!

Also habe ich einen Fork erstellt und ihn überredet in eine Datei zu loggen und direkt noch ein sehr rudimentäres rc.d init script beigelegt: https://github.com/Kernel-Error/postfix-mta-sts-resolver

Wer es also ebenfalls mal probieren möchte, viel Spaß.

Der mta-sts-daemon loggt nun per default in /var/log/mta-sts.log. Config über yml ist ebenfalls nun drin genau wie die Konfiguration per Startparameter. Das rc.d script für FreeBSD könnte sicher schöner sein und hätte gerne im default den Benutzer mta-sts im System. Wir wollen es ja nicht als Root laufen lassen, hm?

Das einzelne Programm mta-sts-query greift auf den gleichen Logger zu, gibt damit also nichts mehr in der Konsole aus sondern auch im Logfile. Vielleicht passe ich dieses noch an, wenn dann mache ich auch einen pull request. Sonst gehe ich mal davon aus, dass es eh bald im postifx ist *daumen-drück*


Update

Habe ich jetzt gemacht. Pullrequest wurde angenommen und das neue Release ist auch schon gemacht. Jetzt also mit Logfile und rc.d script für FreeBSD.

Fragen? Dann fragen.

Siehe auch: MTA-STS einrichten

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IPv6 ULA (fd00::/8), fc00::/7 und warum die Priorität oft anders ist als erwartet

Pv6 Unique Local Address fd00::/8 vs IPv4 – Priorität, Prefix Policy und Default Address Selection

Unique Local IPv6 Addresses sind eines dieser Themen, über die man meist erst stolpert, wenn man IPv6 ernsthaft benutzt. Nicht beim ersten „IPv6 ist an“-Häkchen, sondern dann, wenn man anfängt, Netze sauber zu trennen, VPNs aufzubauen, interne Services umzuziehen oder einfach keine Lust mehr auf NAT und IPv4-Private hat. Wer die IPv6-Grundlagen auffrischen will, findet dort den Einstieg.

ULA sollen genau das sein: lokal, eindeutig genug, nicht global routbar. Im Prinzip der IPv6-Nachfolger von 10/8 & Co. Klingt simpel. Ist es auch – bis man merkt, dass Betriebssysteme mit ULA manchmal Dinge tun, die man nicht intuitiv erwartet.

Fangen wir vorne an.

Der reservierte Adressraum für ULA ist fc00::/7. Das liest man oft so, und formal ist das auch korrekt. Praktisch relevant ist davon aber nur fd00::/8. Das sogenannte L-Bit (local) muss gesetzt sein. Der andere Teil, also fc00::/8, ist bis heute nicht weiter definiert und sollte in realen Netzen schlicht nicht verwendet werden. Wenn man ULA nutzt, dann immer fd….

Eine typische ULA sieht dann so aus:

fdXX:XXXX:XXXX::/48

Aufgeschlüsselt:

| 8 Bit | 40 Bit    | 16 Bit | 64 Bit        |
| fd    | Global ID | Subnet | Interface ID |
  • fd → Local-Bit gesetzt
  • Global ID → pseudozufällig, soll Kollisionen vermeiden
  • Subnet → klassische Subnetzstruktur
  • Interface ID → wie bei anderen IPv6-Unicast-Adressen

Die Global ID ist nicht „zentral vergeben“, sondern wird lokal generiert. Ziel ist nicht Sicherheit, sondern praktische Eindeutigkeit, falls Netze später zusammengeführt werden. In der Praxis funktioniert das erstaunlich gut.

Bis hierhin ist alles noch harmlos. Die eigentliche Verwirrung beginnt in dem Moment, in dem ein Host mehrere mögliche Wege zum Ziel hat.

Dual-Stack ist heute der Normalfall. IPv4 und IPv6 gleichzeitig. Und plötzlich steht ein System vor der Frage:
Nehme ich IPv4? Nehme ich IPv6? Und wenn IPv6 – welche Adresse eigentlich?

Die Antwort darauf regelt RFC 6724. Dort ist die Default Address Selection definiert. Vereinfacht gesagt: eine Prioritätenliste für Adresspräfixe. Jedes Präfix bekommt eine Präzedenz. Höher gewinnt.

Und genau hier liegt der Punkt, der viele überrascht:
IPv6 ULA haben nach RFC 6724 eine niedrigere Priorität als IPv4.

Das heißt ganz konkret:
Ist ein Ziel sowohl über IPv4 als auch über IPv6-ULA erreichbar, wird IPv4 bevorzugt.

Das fühlt sich erstmal kontraintuitiv an. IPv6 ist doch „das Neue“. Aber aus Sicht des Standards ist die Logik klar: ULA sind bewusst lokal begrenzt. IPv4 ist – trotz aller Altlasten – global eindeutig. Also gewinnt IPv4.

In der Praxis sieht man dieses Verhalten regelmäßig, vor allem auf Linux- und FreeBSD-Systemen, die sich sehr nah am RFC orientieren. Windows und Apple-Systeme mischen zusätzlich noch Happy-Eyeballs-Mechanismen hinein, was das Verhalten manchmal schwerer nachvollziehbar macht, am Grundprinzip aber nichts ändert.

Wenn man verstehen will, was ein System tatsächlich tut, hilft ein Blick in die jeweilige Prefix-Policy.

Diagnose: Welche Prioritäten nutzt mein System?

Linux:

ip -6 addr show
ip -6 route show
ip -f inet6 addrlabel show

Interessant ist vor allem die Ausgabe der Address-Labels. Dort sieht man, mit welcher Präzedenz fd00::/8, IPv4-Mapped-Adressen und andere Präfixe bewertet werden.

Windows:

netsh interface ipv6 show prefixpolicies

Hier sieht man sehr direkt, welche Präzedenz Windows den einzelnen Präfixen zuordnet. In der Default-Konfiguration liegt ULA unter IPv4.

FreeBSD:

ip6addrctl

Auch hier ist die RFC-6724-Policy gut sichtbar.

Spätestens an dieser Stelle wird klar, warum ein interner Dienst trotz sauber konfigurierter IPv6-ULA plötzlich doch über IPv4 angesprochen wird. Das System macht exakt das, was der Standard vorsieht.

Nun kann man sagen: „Okay, verstanden.“
Oder man kann sagen: „Das ist nicht das Verhalten, das ich will.“

Beides ist legitim.

Anpassung: ULA bewusst höher priorisieren

Wenn ULA für interne Kommunikation wichtiger sind als IPv4 – etwa in reinen IPv6-Infrastrukturen mit IPv4 nur als Fallback – kann man die Präzedenz anpassen.

Linux (/etc/gai.conf):

# IPv6 ULA höher priorisieren als IPv4
precedence fd00::/8  45

Nach einem Reload des Stacks oder Neustart gilt die neue Reihenfolge.

Windows:

netsh interface ipv6 set prefixpolicy fd00::/8 precedence=45 label=1

Damit liegt ULA über IPv4. Windows speichert diese Einstellung persistent.

FreeBSD:

Je nach Version über ip6addrctl oder entsprechende rc-Settings.

Wichtig: Das ist keine rein kosmetische Änderung. Man greift hier bewusst in die Adressauswahl ein. Das sollte man nur tun, wenn man das Netzdesign verstanden hat und weiß, warum man es will.

ULA sind kein Ersatz für Global Unicast Addresses. Sie sind auch kein Allheilmittel. Sie sind ein Werkzeug. Ein gutes – aber eben eines mit klar definiertem Scope.

Spannend ist, dass es inzwischen Entwürfe gibt, die das Verhalten von RFC 6724 weiterentwickeln. Ziel ist unter anderem, ULA-zu-ULA-Kommunikation besser zu priorisieren und bestimmte unerwünschte IPv4-Fallbacks zu vermeiden (ähnlich dem Problem mit Carrier Grade NAT und IPv6). Stand heute ist das aber noch nicht flächendeckend umgesetzt. Man sollte sich also nicht darauf verlassen, sondern das Verhalten der eigenen Systeme prüfen.

Am Ende bleibt:

ULA funktionieren. Sie sind sauber spezifiziert. Aber ihre Priorität ist kein Zufall, sondern eine bewusste Designentscheidung. Wer sie einsetzt, sollte wissen, warum IPv4 manchmal „gewinnt“ – und dann entscheiden, ob das so bleiben soll oder nicht.

Wie so oft bei IPv6 liegt das eigentliche Problem nicht im Protokoll, sondern in den Erwartungen, die man aus der IPv4-Welt mitbringt.

Siehe auch: IPv6 Grundlagen

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Der Matrix Messanger Riot wurde in Version 1.0 veröffentlicht

Riot im Logo

Etwas über ein Jahr betreibe ich nun bereits meinen eigenen Matrix Homeserver. Als Client dazu nutze ich Riot. Diesen Client gibt es für alle gängigen Geräte, egal ob Smartphone, Laptop oder Browser. Nun ist er in der Version 1.0 veröffentlicht worden.

Nachdem Frankreich nun die Idee verfolgt Matrix zu nutzen. Bin ich sehr gespannt welche Auswirkungen dieses auf Matrix und natürlich Riot haben wird. Wir setzten diese Konstellation schon länger als alternative zu anderen Messangern für Familie, Freunde und Bekannte ein. Der neue Client gefällt allen wirklich gut und er ist sogar noch etwas einfacher und angenehmer zu bedienen als sein Vorgänger. Schaut euch Matrix / Riot doch einfach mal an, ich bin erreichbar über: @kernel-error:kernel-error.com

Siehe auch: Eigenen Jabber-Server betreiben

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TLS 1.3 für Postfix & Dovecot: Einrichtung und Konfiguration

TLS 1.3 ist im Mailbetrieb der Normalfall. Sobald Postfix und Dovecot gegen ein aktuelles OpenSSL gelinkt sind, wird es ohne Zutun verwendet. Die Konfigurationsarbeit dreht sich nicht mehr darum, TLS 1.3 zu aktivieren, sondern darum, die alten Protokollversionen sauber abzuschalten und für den verbleibenden TLS-1.2-Fallback eine kontrollierte Cipher-Policy zu definieren.

Illustration zu TLS 1.3 im Mailbetrieb: Symbolische Darstellung von Postfix und Dovecot mit Schloss und Schlüssel vor Server-Hintergrund, steht für verschlüsselte SMTP- und IMAP-Verbindungen mit modernen TLS-Standards.

Voraussetzungen

Auf jedem aktuellen Linux oder BSD ist OpenSSL 3.x längst Default. OpenSSL 1.1.1 ist seit September 2023 End-of-Life und sollte nicht mehr im Einsatz sein. Postfix und Dovecot übernehmen den TLS-Stack vollständig aus der Library, eine eigene Aktivierung von TLS 1.3 entfällt. Welche Version tatsächlich verwendet wird, lässt sich auf dem Server eindeutig prüfen:

postconf -a | grep -i tls
dovecot --version
ldd $(which dovecot) | grep ssl
openssl version

Erscheint OpenSSL 3.x, ist alles an Bord was man braucht. Auch ältere 1.1.1-Builds beherrschen TLS 1.3, sind heute aber kein Argument mehr.

Postfix

Postfix verwendet TLS 1.3 automatisch, sobald die Gegenstelle es anbietet. Wichtig ist die Mindestversion. TLS 1.0 und TLS 1.1 sind kryptografisch tot und gehören aus der Aushandlung ausgeschlossen. Für Submission auf 587 und 465 ist heute realistisch sogar TLS 1.3 only sinnvoll, weil dort nur Mail-Clients hochkommen die eine moderne Library mitbringen. Für SMTP-Relay auf Port 25 zwischen Mailservern bleibt TLS 1.2 als Fallback notwendig, weil die Internet-Realität dort heterogener ist.

Eine solide Basis-Konfiguration für Postfix sieht so aus:

smtpd_tls_protocols = >=TLSv1.2
smtp_tls_protocols  = >=TLSv1.2

smtpd_tls_security_level = may
smtp_tls_security_level  = may

smtpd_tls_cert_file = /etc/letsencrypt/live/DOMAIN/fullchain.pem
smtpd_tls_key_file  = /etc/letsencrypt/live/DOMAIN/privkey.pem

Die Cipher-Optionen in Postfix wirken ausschließlich auf TLS 1.2 und älter. TLS 1.3 hat eine fest definierte Liste von AEAD-Cipher-Suites und ignoriert die Postfix-Optionen vollständig. Trotzdem ist es sinnvoll, für den Fallback eine saubere Policy zu setzen:

tls_preempt_cipherlist = yes

smtpd_tls_ciphers = high
smtp_tls_ciphers  = high

smtpd_tls_mandatory_ciphers = high
smtp_tls_mandatory_ciphers  = high

Damit greifen ausschließlich AEAD-Cipher mit Forward Secrecy. Welche das konkret sind, regelt OpenSSL über seine Defaults der jeweiligen Distribution. Für die Submission-Ports darf man strenger sein und auf encrypt oder secure hochziehen, während Port 25 mit may opportunistisch bleibt.

Session-Caching reduziert Handshake-Overhead und sollte aktiv sein:

smtpd_tls_session_cache_database = btree:${data_directory}/smtpd_scache
smtp_tls_session_cache_database  = btree:${data_directory}/smtp_scache

Dovecot

Dovecot nutzt TLS 1.3 ebenfalls automatisch, sofern OpenSSL es liefert. Konfiguriert wird die minimale Protokollversion, alles darunter wird hart abgeschaltet:

ssl = required
ssl_min_protocol = TLSv1.2

Wer nur noch moderne Clients erwartet, kann das auf TLSv1.3 heben. Eigene Praxiserfahrung: für IMAPS auf 993 und Submission auf 587/465 ist das auf einem privat betriebenen Server problemlos machbar. Auf öffentlichen Hostern mit unbekannter Client-Basis lieber bei TLS 1.2 als Untergrenze bleiben.

Die Cipher-Liste betrifft auch in Dovecot nur TLS 1.2 und älter. Eine restriktive Liste verhindert unsaubere Fallbacks bei alten Clients:

ssl_cipher_list = \
ECDHE-ECDSA-CHACHA20-POLY1305:\
ECDHE-RSA-CHACHA20-POLY1305:\
ECDHE-ECDSA-AES256-GCM-SHA384:\
ECDHE-RSA-AES256-GCM-SHA384

ssl_prefer_server_ciphers = yes

Zertifikate werden wie gewohnt eingebunden:

ssl_cert = </etc/letsencrypt/live/DOMAIN/fullchain.pem
ssl_key  = </etc/letsencrypt/live/DOMAIN/privkey.pem

TLS 1.3 und Cipher-Suites

TLS 1.3 unterscheidet sich grundlegend von älteren Versionen. Die Cipher-Suites sind in RFC 8446 fest definiert und bestehen ausschließlich aus AEAD-Verfahren mit integrierter Authentifizierung und Forward Secrecy. Der Mailbetrieb sieht in der Praxis vor allem drei Suites: TLS_AES_256_GCM_SHA384, TLS_CHACHA20_POLY1305_SHA256 und TLS_AES_128_GCM_SHA256.

Postfix und Dovecot bieten keine Möglichkeit, diese Cipher direkt anzusteuern. Die Auswahl erfolgt während des Handshakes durch OpenSSL. Das ist kein Mangel, sondern Absicht und reduziert Fehlkonfigurationen erheblich.

Wer trotzdem versucht, TLS-1.3-Cipher über Applikationsoptionen zu beeinflussen, konfiguriert in Wahrheit nur TLS 1.2.

Der vollständige Mail-Crypto-Stack

TLS 1.3 alleine schützt eine SMTP-Verbindung nur dann zuverlässig, wenn die Gegenstelle die Verschlüsselung auch wirklich erwartet. Bei opportunistischem TLS auf Port 25 entscheidet jeder Server selbst, ob er sich auf eine unverschlüsselte Verbindung einlässt. Damit das nicht passiert, gibt es zwei Mechanismen die heute zum Standard gehören:

  • DANE nutzt DNSSEC und einen TLSA-Record, um den erwarteten Zertifikat-Fingerprint im DNS zu hinterlegen. Postfix kann das nativ verifizieren, sobald smtp_dns_support_level = dnssec und smtp_tls_security_level = dane gesetzt sind. Voraussetzung ist eine funktionierende DNSSEC-Validierung im lokalen Resolver.
  • MTA-STS publiziert die TLS-Erwartung über HTTPS und einen DNS-TXT-Record. Während DANE auf DNSSEC angewiesen ist, kommt MTA-STS ohne aus und wird daher von Anbietern wie Google, Microsoft und Apple breit unterstützt.
  • TLS-RPT liefert die Reports zurück, wenn ein Empfangsserver die TLS-Erwartung gerissen hat. Ohne TLS-RPT merkt man Konfigurationsdrift nur durch Zufall, mit TLS-RPT als JSON-Bericht ins Postfach.

In der Praxis lohnt sich keiner der drei Mechanismen alleine. DANE, MTA-STS und TLS-RPT bilden zusammen die durchgängige Kette aus Erwartung, Verifikation und Auditing. Wer nur einen davon hat, verliert eine Etappe.

Logging, Monitoring und Adoption messen

Ohne TLS-Logging fliegt man blind. Postfix bringt das frei Haus mit:

smtpd_tls_loglevel = 1
smtp_tls_loglevel  = 1

Damit landet pro Verbindung eine Zeile im Log mit Protokoll, Cipher und Schlüsselaustausch. Aus diesen Zeilen lässt sich auch die TLS-Adoption auswerten, also wer mit welcher Version und welchem Cipher kommt. Das gleiche Vorgehen habe ich für die Webseite mit dem Beitrag Post-Quantum TLS auf Nginx: 15 Tage $ssl_curve ausgewertet dokumentiert. Für SMTP funktioniert das analog, der einzige Unterschied ist die Logquelle.

Bei Dovecot reicht ein verbose_ssl = yes in der relevanten Service-Sektion, wenn man im Detail wissen will, was der TLS-Handshake gerade tut. Im Normalbetrieb genügt der Default.

Verifikation

Ob TLS 1.3 wirklich genutzt wird, lässt sich von außen sauber prüfen.

SMTP mit STARTTLS:

openssl s_client -starttls smtp -connect mail.example.com:25 -tls1_3

Submission und IMAPS direkt:

openssl s_client -starttls smtp -connect mail.example.com:587 -tls1_3
openssl s_client -connect mail.example.com:465 -tls1_3
openssl s_client -connect mail.example.com:993 -tls1_3

Wird der Handshake mit einem AEAD-Cipher aufgebaut, ist TLS 1.3 aktiv. Fällt die Verbindung auf TLS 1.2 zurück, greift die konfigurierte Cipher-Liste.

Für eine zweite Meinung lohnt sich ein Blick auf Hardenize oder internet.nl. Beide testen den Mail-Stack inklusive DANE, MTA-STS, TLS-RPT und Cipher-Set in einem Rutsch.

Wohin geht die Reise

TLS 1.2 wird in den nächsten Jahren auch im Mail-Bereich aussterben. Auf der Web-Seite ist das praktisch schon passiert, im SMTP-Relay zwischen Mailservern dauert es länger, weil dort die langsameren Migrationszyklen großer Provider den Takt vorgeben. Wer heute neu konfiguriert, sollte TLS 1.0 und 1.1 hart raushalten und TLS 1.2 als reine Fallback-Etappe behandeln.

Die nächste Stufe ist Post-Quantum-Kryptografie. X25519MLKEM768 ist bei mir auf dem Mail-Server seit Anfang 2026 produktiv und ich habe das Setup im Beitrag Post-Quantum TLS für E-Mail dokumentiert. Auf der Webseite habe ich die Adoption über 15 Tage gemessen und die Ergebnisse in 15 Tage $ssl_curve ausgewertet aufgeschrieben. Für den Mail-Stack steht eine analoge Auswertung noch aus, das Setup dafür ist aber identisch.

Fazit

TLS 1.3 erfordert in Postfix und Dovecot keine Sonderbehandlung. Was zählt, ist eine moderne OpenSSL-Version, eine klare Mindest-TLS-Policy, eine saubere Cipher-Liste für den TLS-1.2-Fallback und das Zusammenspiel aus DANE, MTA-STS und TLS-RPT für die Transport-Verschlüsselung im Internet.

Kein Feature-Flag.
Keine Magie.
Nur korrekte Defaults, bewusst begrenzt.

Siehe auch: Post-Quantum TLS für E-Mail mit X25519MLKEM768, MTA-STS einrichten, DNSSEC und DANE: TLS-Zertifikate mit TLSA-Records absichern und Rspamd: Automatisches Spam/Ham-Lernen mit Dovecot und IMAPSieve.

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bhyve und vm-bhyve: Windows-VM auf FreeBSD einrichten

bhyve und vm-bhyve auf FreeBSD mit Windows-VM, ZFS-Storage, virtuellem Netzwerk, ISO-Import, VNC-Zugriff, RDP-Nutzung und VM-Verwaltung.

FreeBSD bringt seit Version 10.0 einen eigenen Typ-2-Hypervisor mit: bhyve. Für den täglichen Umgang empfiehlt sich vm-bhyve als Verwaltungstool, damit lässt sich eine Windows-VM in wenigen Minuten einrichten, ohne sich mit den bhyve-Basistools herumschlagen zu müssen.

vm-bhyve installieren und einrichten

# Installation
pkg install vm-bhyve grub2-bhyve uefi-edk2-bhyve

# ZFS-Dataset für VMs anlegen
zfs create pool/vm

# Autostart aktivieren
sysrc vm_enable="YES"
sysrc vm_dir="zfs:pool/vm"

# Initialisieren und Templates kopieren
vm init
cp /usr/local/share/examples/vm-bhyve/* /pool/vm/.templates/

# Netzwerk-Switch erstellen und physisches Interface anhängen
vm switch create public
vm switch add public em0

Windows-VM erstellen

ISO-Dateien importieren, die Windows-ISO und die virtio-Treiber für die Netzwerkkarte:

# Windows-ISO importieren
vm iso /home/kernel/Download/win10.iso

# virtio-net Treiber (für die Netzwerkkarte in der VM)
fetch https://fedorapeople.org/groups/virt/virtio-win/direct-downloads/stable-virtio/virtio-win.iso
vm iso /home/kernel/Download/virtio-win.iso

VM aus dem mitgelieferten Windows-Template erstellen:

vm create -t windows -s 200G win10

VM-Konfiguration anpassen

Das Windows-Template kommt mit 2 CPUs und 2 GB RAM. Für eine brauchbare Windows-VM besser anpassen:

vm configure win10
uefi="yes"
cpu=4
memory=8G
graphics="yes"
graphics_port="5999"
graphics_listen="127.0.0.1"
graphics_res="1280x1024"
graphics_wait="auto"
xhci_mouse="yes"
network0_type="virtio-net"
network0_switch="public"
disk0_type="ahci-hd"
disk0_name="disk0.img"

Die wichtigsten Optionen: graphics="yes" aktiviert einen VNC-Server für die Grafikausgabe, xhci_mouse="yes" sorgt für eine brauchbare Maus in der VM, network0_type="virtio-net" nutzt den schnelleren paravirtualisierten Netzwerktreiber statt einer emulierten Karte.

Installation und Zugriff

# VM starten und ISO einlegen
vm install win10 win10.iso

Dann mit einem VNC-Viewer auf 127.0.0.1:5999 verbinden und Windows installieren. Nach der Installation die virtio-Treiber-ISO einlegen (vm install win10 virtio-win.iso) und Windows die Netzwerktreiber dort suchen lassen.

Für den täglichen Zugriff RDP in der VM aktivieren, dann braucht man den VNC-Viewer nur noch für die Ersteinrichtung.

VM verwalten

# Laufende VMs anzeigen
vm list
NAME   DATASTORE  LOADER  CPU  MEMORY  VNC  AUTOSTART  STATE
win10  default    uefi    4    8G     ,    No         Running (10638)

# VM stoppen / starten
vm stop win10
vm start win10

# Snapshot erstellen (ZFS-Snapshot der VM-Disk)
vm snapshot win10

Details und weitere Optionen im vm-bhyve Wiki. Fragen? Einfach melden.

Jabber / XMPP R.I.P.

Ich habe gerade eben meinen Openfire abgeschaltet und werde ihn nicht mehr einschalten. Jabber / XMPP war eine wirklich schöne Möglichkeit der Kommunikation. Der Aufwand SPAM zu filtern und das Teil selbst zu betreiben steht aber inzwischen einfach in keinem Verhältnis mehr. Zudem hat sich Jabber nur minimal weiterentwickelt. Inzwischen ist es von vielen schönen Lösungen überholt worden.

Meine Kommunikation läuft inzwischen mehr über Matrix/Riot oder Slack Chat als über Jabber.

Siehe auch: Eigenen Jabber-Server betreiben

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Piwigo 2.8.2/2.9 Upgrade: Häufige Fehler und Lösungen

Upgrade von Piwigo 2.8 auf 2.9 geklickt, schien sauber durchgelaufen zu sein. Danach zeigte die Galerie nur noch eine Fehlermeldung.

Das Problem

Warning: [mysql error 1054] Unknown column 'last_visit' in 'field list'

UPDATE piwigo_user_infos
  SET last_visit = NOW(),
      lastmodified = lastmodified
  WHERE user_id = 1

Die Spalte last_visit existierte nicht. Ein Blick ins Nginx-Error-Log zeigte, dass der Fehler schon während des Upgrades auftrat:

ALTER TABLE `piwigo_user_infos`
  ADD COLUMN `last_visit` datetime default NULL,
  ADD COLUMN `last_visit_from_history` enum('true','false') NOT NULL default 'false'
;

Das ALTER TABLE war beim Upgrade aus irgendeinem Grund fehlgeschlagen. Die Datenbank-Migration ist abgesoffen.

Die Lösung

Die fehlenden Statements aus dem Upgrade-Script herausgesucht und von Hand auf die Datenbank losgelassen:

ALTER TABLE `piwigo_comments` CHANGE `date` `date` datetime NOT NULL default '1970-01-01 00:00:00';
ALTER TABLE `piwigo_history` CHANGE `date` `date` date NOT NULL default '1970-01-01';
ALTER TABLE `piwigo_images` CHANGE `date_available` `date_available` datetime NOT NULL default '1970-01-01 00:00:00';
ALTER TABLE `piwigo_old_permalinks` CHANGE `date_deleted` `date_deleted` datetime NOT NULL default '1970-01-01 00:00:00';
ALTER TABLE `piwigo_rate` CHANGE `date` `date` date NOT NULL default '1970-01-01';
ALTER TABLE `piwigo_sessions` CHANGE `expiration` `expiration` datetime NOT NULL default '1970-01-01 00:00:00';
ALTER TABLE `piwigo_upgrade` CHANGE `applied` `applied` datetime NOT NULL default '1970-01-01 00:00:00';
ALTER TABLE `piwigo_user_infos` CHANGE `registration_date` `registration_date` datetime NOT NULL default '1970-01-01 00:00:00';
ALTER TABLE `piwigo_user_infos`
  ADD COLUMN `last_visit` datetime default NULL,
  ADD COLUMN `last_visit_from_history` enum('true','false') NOT NULL default 'false'
;

Danach lief alles wieder. Lektion: Nach einem Piwigo-Upgrade immer prüfen, ob die Datenbank-Migration vollständig durchgelaufen ist. Im Zweifel ins Error-Log schauen.

Siehe auch: Umzug auf FreeBSD/Nginx

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matrix und Riot als Ersatz für Jabber?

Ich teste im Moment matrix als Basis für die Kommunikation. Client ist dabei Riot auf Android und iOS und als Server probiere ich im moment Synapse aus. Alles unter der Domain: https://matrix.kernel-error.com

Beim Identiy Server bin ich einfach mal bei https://matrix.org geblieben! Alles ist noch sehr beta. Dafür tut es aber schon ganz ordentlich. Schreiben und Dateien verschicken funktioniert problemlos. Videocalls gehen so mäßig. Das Bild hängt halt immer mal wieder. Einfache Voicecalls klappten dafür richtig gut, sowohl zu zweit als auch in der Konferenz.

Etwas hakelig war das Einfügen von E-Mail Adresse und Rufnummer über den Andoid Client… Das war etwas verwirred. Hier ist der Workflow und die UI auf dem iOS besser. Insg. tut es aber….

Zuletzt habe ich nun den nginx als proxy for den matrix-synapse Server gesetzt. Dem vertraue ich an der Stelle einfach etwas mehr. Oh es läuft in einer FreeBSD 11 jail und dort auch recht Problemlos.

Sobald es mehr zu berichten gibt schreibe ich mehr! Wer es ebenfalls nutzt und mich anschreiben möchte: @kernel:matrix.kernel-error.com

So long…

Siehe auch: Eigenen Jabber-Server betreiben

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