Meine Domain ist per DNSSEC gesichert, der Webserver bietet TLS an. Mit DANE (DNS-based Authentication of Named Entities) lässt sich beides verbinden: Die Checksumme des TLS-Zertifikats wird als TLSA-Record im DNS veröffentlicht — DNSSEC schützt diesen Record vor Manipulation.
Warum DANE?
Das klassische CA-System hat ein grundsätzliches Problem: Jede der hunderten Certificate Authorities kann ein Zertifikat für jede Domain ausstellen. Wird eine CA kompromittiert oder handelt fahrlässig, können gefälschte Zertifikate im Umlauf sein — der Browser merkt nichts. DANE löst das, indem der Domaininhaber selbst festlegt, welches Zertifikat gültig ist. Der Hash steht im DNS, DNSSEC garantiert die Integrität. Keine CA kann das unterlaufen.
Unterstützt ein Client DANE, prüft er beim TLS-Handshake, ob der TLSA-Record zum angebotenen Zertifikat passt. Das funktioniert auch mit selbstsignierten Zertifikaten — solange der Hash stimmt und DNSSEC aktiv ist, wird dem Zertifikat vertraut. Die Spezifikation steht in RFC 6698.
TLSA-Record erstellen
Der TLSA-Record enthält einen Hash des Public Keys (SPKI) aus dem Zertifikat. Mit OpenSSL erzeugt:
Den Hash trägt man als TLSA-Record in die DNS-Zone ein. Für den Webserver (Port 443):
_443._tcp.www.kernel-error.de. 3600 IN TLSA 3 1 1 a321...f7
Die drei Zahlen 3 1 1 bedeuten:
3 — DANE-EE (End Entity): Das Zertifikat wird direkt geprüft, kein CA-Vertrauen nötig
1 — SPKI (Subject Public Key Info): Nur der Public Key wird gehasht, nicht das ganze Zertifikat. Vorteil: Bei Erneuerung mit demselben Key bleibt der TLSA-Record gültig
1 — SHA-256 als Hash-Algorithmus
Der TTL von 3600 Sekunden ist bewusst kurz gewählt — bei einem Zertifikatswechsel mit neuem Key soll der alte Record schnell ablaufen.
Ob der Record auch zum tatsächlich ausgelieferten Zertifikat passt, prüft man mit OpenSSL — Hash vom Server-Zertifikat erzeugen und mit dem DNS-Record vergleichen:
Stimmen die Hashes überein, ist alles korrekt. Komfortabler geht es mit posttls-finger (Teil von Postfix) — das Tool prüft TLSA-Record und Zertifikat in einem Schritt.
DANE für E-Mail
DANE funktioniert nicht nur für Webserver. Für E-Mail ist es sogar wichtiger — SMTP hat kein Vertrauensmodell wie Browser, opportunistisches TLS kann trivial per Downgrade-Angriff ausgehebelt werden. Mit DANE und TLSA-Records auf Port 25 wird die Verschlüsselung kryptographisch verifizierbar. Wie man das mit Postfix einrichtet, steht im Beitrag Postfix mit DANE und DNSSEC absichern. Zur Visualisierung des DANE-Anteils im Mailverkehr habe ich damals Mailgraph um DANE-Graphen erweitert.
Wie gewohnt habe ich dann den TXT-RECORD in mein Zonenfile gekippt. Beim signieren der Zone per DNSsec sprang mich aber folgende Fehlermeldung an:
dnssec-signzone: error: dns_rdata_fromtext: kernel-error.de:25: ran out of space
Na nu? Ach so… ja klar! Der TXT-RECORD ist zu lang. Da gibt es ja eine Beschränkung…. Fast vergessen! Mehr als 255 Zeichen sind ja nicht zulässig. Ich musste den DKIM TXT-RECORD also in ein multi-line TXT-RECORD umwandeln. Nicht weiter kompliziert, einfach Klammer auf, Klammer zu und alles brav mit Anführungszeichen trennen. Damit sieht mein Zoneneintrag nun wie folgt aus:
----------------------------------------------------------
DKIM check details:
----------------------------------------------------------
Result: pass (matches From: kernel-error@kernel-error.com)
ID(s) verified: header.d=kernel-error.com
Canonicalized Headers:
To:'20'<check-auth@verifier.port25.com>;'0D''0A'
Subject:'20'check-auth@verifier.port25.com'0D''0A'
MIME-Version:'20'1.0'0D''0A'
Content-Type:'20'text/plain;'20'charset=UTF-8;'0D''0A'
'20'format=flowed'0D''0A'
Content-Transfer-Encoding:'20'7bit'0D''0A'
Date:'20'Fri,'20'09'20'Nov'20'2012'20'11:33:48'20'+0100'0D''0A'
From:'20'Sebastian'20'van'20'de'20'Meer'20'<kernel-error@kernel-error.com>;'0D''0A'
Message-ID:'20'<c580aed4c89d48c1a93fea35ee80fe30@vandemeer.de>;'0D''0A'
DKIM-Signature:'20'v=1;'20'a=rsa-sha256;'20'c=simple/simple;'20'd=kernel-error.com;'0D''0A'
'09's=kernel-error.com;'20't=1352457228;'0D''0A'
'09'bh=v55t4Oe0VsnE3Xa3exogjgnS10dkjG1rhPQxGz4STJo=;'0D''0A'
'09'h=To:Subject:MIME-Version:Content-Type:Content-Transfer-Encoding:'0D''0A'
'09''20'Date:From:Message-ID;'0D''0A'
'09'b=
Canonicalized Body:
check-auth@verifier.port25.com'0D''0A'
DNS record(s):
kernel-error.com._domainkey.kernel-error.com. 300 IN TXT "v=DKIM1; g=*; k=rsa; p=MIIBIjANBgkqhkiG9w0BAQEFAAOCAQ8AMIIBCgKCAQEAtlhidIl+KZgelAOOVYiGHi+uGxEnpjmhXH2IVZNpH69ZsWYTYd1OgXIvWQnAiQ4rRCyvbjcrKaFnXJUpda9eGJeqlr3hE4YhOPLS34K86+8Gr17+WOofkdc3STmlqAI60r1+bQQh8rCWb1YPXIssinq3ll8GVDwAEmh3Bm8zSWz2Ntc+W/maURTlZbMGaRoi+lwhBzr+DnNYL+mPs3UVQoE9ei2Z/bjNQzdpzWeriFgfk56muVZNTvmn8LxkugMhoHMohCr/vkr99xTVmIeMFwMerB2B/JOpeADIf4Wsz6OJQR3GaBA91MX9T2nFncvW3pL03O4wYYVCGnFqz8gbcQIDAQAB"
NOTE: DKIM checking has been performed based on the latest DKIM specs
(RFC 4871 or draft-ietf-dkim-base-10) and verification may fail for
older versions. If you are using Port25's PowerMTA, you need to use
version 3.2r11 or later to get a compatible version of DKIM.
Dass mein DNS-Server DNSsec http://www.kernel-error.de/dnssec beherscht und so meine Zonen schützt, das wissen ja fast alle. Wie man damit nun seinen GPG Schlüssel verteilen kann und/oder die SSH-Fingerprints einzelner Hosts gegen den DNS Server validieren lassen kann…. Dieses findet sich nun hier:
OpenSSH kann die Fingerprints seiner Host Keys als SSHFP-Records im DNS veröffentlichen. Beim Verbindungsaufbau prüft der Client dann automatisch, ob der Fingerprint des Servers mit dem DNS-Eintrag übereinstimmt, ein wirksamer Schutz gegen Man-in-the-Middle-Angriffe. Ist die Zone zusätzlich per DNSSEC gesichert, kann der DNS-Record selbst nicht gefälscht werden. Die Spezifikation steht in RFC 4255.
Client konfigurieren
Damit OpenSSH beim Verbindungsaufbau SSHFP-Records prüft, muss VerifyHostKeyDNS aktiviert werden. Global für alle Benutzer in /etc/ssh/ssh_config:
VerifyHostKeyDNS yes
Oder nur für die aktuelle Sitzung:
ssh -o "VerifyHostKeyDNS=yes" server.example.de
SSHFP-Records erzeugen
Am einfachsten direkt auf dem Server mit ssh-keygen, das erzeugt die fertigen DNS-Records für alle vorhandenen Host Keys:
ssh-keygen -r server.example.de.
Ausgabe (Beispiel mit RSA, ECDSA und Ed25519):
server.example.de. IN SSHFP 1 1 47890eecc9a2893061734b07b8f60caa1a856148
server.example.de. IN SSHFP 1 2 b2518ad49cc2adf517d3f6a9faaf4017abc2c3e3...
server.example.de. IN SSHFP 3 1 3dd9de0dcf1523341b45a53f1d57043609e26c62
server.example.de. IN SSHFP 3 2 e1c76bd66b5a0641789b0b37be5b80ae3f6395c1...
server.example.de. IN SSHFP 4 1 a1b2c3d4e5f6...
server.example.de. IN SSHFP 4 2 d4e5f6a7b8c9...
Aufbau des SSHFP-Records
Ein SSHFP-Record besteht aus zwei Zahlen und dem Fingerprint:
hostname IN SSHFP [Algorithmus] [Hash-Typ] [Fingerprint]
Algorithmus:
1, RSA
3, ECDSA
4, Ed25519 (empfohlen, ab OpenSSH 6.7)
DSS (2) ist seit OpenSSH 7.0 standardmäßig deaktiviert und sollte nicht mehr verwendet werden.
Hash-Typ: 1 = SHA-1, 2 = SHA-256. Beide sollten veröffentlicht werden, ältere Clients verstehen nur SHA-1, neuere bevorzugen SHA-256.
Prüfen
Mit dig lässt sich prüfen, ob die Records im DNS angekommen sind:
DNS lookup error: data does not exist
No matching host key fingerprint found in DNS.
Are you sure you want to continue connecting (yes/no)?
Mit SSHFP-Records und DNSSEC:
debug1: found 4 secure fingerprints in DNS
debug1: matching host key fingerprint found in DNS
secure bedeutet: Die DNS-Antwort wurde per DNSSEC validiert. Ohne DNSSEC steht dort insecure, der Fingerprint wurde zwar gefunden, aber der DNS-Antwort selbst kann nicht vertraut werden. Für echte Sicherheit braucht man beides: SSHFP-Records und DNSSEC.
Strenge Prüfung erzwingen
Optional: OpenSSH anweisen, die Verbindung nur aufzubauen, wenn der Host Key erfolgreich validiert wurde:
Damit wird die Verbindung abgelehnt, wenn kein passender SSHFP-Record gefunden wird oder die DNSSEC-Validierung fehlschlägt. Das ist die sicherste Einstellung, setzt aber voraus, dass alle Zielserver SSHFP-Records haben.
Kleiner Aufwand, viel mehr Sicherheit. Fragen? Einfach melden.
DNSSEC (Domain Name System Security Extensions) schützt DNS-Antworten vor Fälschung. Ein anfragender Resolver kann damit prüfen, ob die gelieferten Zonendaten tatsächlich vom autorisierten Nameserver stammen und unterwegs nicht verändert wurden. DNSSEC wurde als Mittel gegen Cache Poisoning entwickelt — Serverauthentifizierung findet nicht statt.
Die Vertrauenskette
Was mich beim ersten Lesen zu DNSSEC durcheinandergebracht hat, war das Umherwerfen mit Begriffen: KSK, ZSK, DNSKEY, RRSIG, DS. Im Grunde ist es einfach:
Der KSK (Key Signing Key) hat eine Aufgabe: den ZSK unterschreiben. Der KSK wird als DS-Record in der übergeordneten Zone hinterlegt. Der ZSK (Zone Signing Key) hat auch nur eine Aufgabe: die eigentlichen Zonendaten unterschreiben.
Es beginnt bei der Root-Zone. Die Root-Server wissen, welche Nameserver für die TLDs zuständig sind. Die TLD-Server wissen, welche Nameserver für die einzelnen Domains zuständig sind. Jede Ebene signiert ihre Zone und veröffentlicht den DS-Record der Ebene darunter. So entsteht eine durchgehende Kette vom Root-KSK bis zu meiner Zone.
Will ein Angreifer dafür sorgen, dass www.kernel-error.org auf seinen Server zeigt, hat er zwei Möglichkeiten:
Er antwortet auf die Delegation-Anfrage mit seinem eigenen Nameserver.
Er antwortet mit gefälschter Absenderadresse schneller als der echte Server.
Mit DNSSEC kann der Resolver beide Angriffe erkennen — die gefälschte Antwort hat keine gültige Signatur.
DNSSEC in BIND aktivieren
Auf dem autoritativen Nameserver muss DNSSEC-Validierung aktiv sein. In modernen BIND-Versionen (ab 9.16) reicht im options-Block:
options {
dnssec-validation auto;
};
auto bedeutet, dass BIND den eingebauten Root-Trust-Anchor nutzt und diesen bei KSK-Rollovers automatisch aktualisiert (RFC 5011). Der alte dnssec-enable yes wurde in BIND 9.18 entfernt — DNSSEC ist seitdem immer aktiv.
Zone signieren — der moderne Weg
Seit BIND 9.16 gibt es dnssec-policy. Damit übernimmt BIND die Schlüsselerzeugung, das Signieren und den Key-Rollover vollautomatisch:
zone "kernel-error.org" {
type primary;
file "kernel-error.org";
dnssec-policy default;
inline-signing yes;
};
Die default-Policy verwendet ECDSAP256SHA256 (Algorithmus 13) — schneller und sicherer als das früher übliche NSEC3RSASHA1 mit 4096-Bit-Schlüsseln. inline-signing yes bedeutet: BIND signiert die Zone im Speicher, die Zonendatei auf der Platte bleibt unsigniert und lässt sich wie gewohnt bearbeiten.
Zone manuell signieren
Wer mehr Kontrolle will oder eine ältere BIND-Version hat, kann die Schlüssel von Hand erzeugen. KSK erstellen:
$ dnssec-keygen -a ECDSAP256SHA256 -f KSK -n ZONE kernel-error.org
Kkernel-error.org.+013+12345
ZSK erstellen:
$ dnssec-keygen -a ECDSAP256SHA256 -n ZONE kernel-error.org
Kkernel-error.org.+013+67890
Die öffentlichen Teile (*.key) in die Zonendatei einbinden und signieren:
$ cat Kkernel-error.org.+013+*.key >> kernel-error.org
$ dnssec-signzone -S -K /pfad/zu/keys -o kernel-error.org kernel-error.org
Verifying the zone using the following algorithms: ECDSAP256SHA256.
Zone signing complete:
Algorithm: ECDSAP256SHA256: ZSKs: 1, KSKs: 1 active, 0 stand-by
kernel-error.org.signed
Dann BIND anweisen, die signierte Zonendatei zu laden. Nach jeder Änderung an der Zone muss neu signiert werden — oder man nutzt inline-signing, dann entfällt das.
DS-Record beim Registrar einreichen
Der öffentliche KSK muss als DS-Record in der übergeordneten Zone landen. Bei der DENIC (.de) und den meisten TLD-Registries gibt es dafür ein Webinterface beim Registrar. Man schickt den öffentlichen KSK hin, der Registrar erstellt daraus einen DS-Record und veröffentlicht ihn neben den NS-Records.
Ob der DS-Record gesetzt ist, lässt sich prüfen, indem man die TLD-Nameserver direkt fragt:
DNSSEC-Signaturen machen DNS-Antworten deutlich größer als die 512 Bytes, die klassisches DNS über UDP erlaubt. EDNS (RFC 6891) hebt dieses Limit auf. Das ist seit 1999 spezifiziert, aber manche Firewalls und Billig-Router haben damit immer noch Probleme — sie filtern große UDP-Pakete oder EDNS-Optionen.
Wichtig: Gehen die Schlüssel verloren oder die signierte Zonendatei brennt ab, hat man ein Problem. Vor jeder großen Änderung (Key-Rollover, Algorithmus-Wechsel) immer die längste TTL der Zone abwarten. Sonst sind gecachte Antworten mit der alten Signatur noch gültig, während die neue Signatur schon aktiv ist — die Zone wird temporär nicht validierbar.
Meinen „analogen“ DNSSEC-Masterplan dazu habe ich mir damals aufgezeichnet:
Was man auf DNSSEC aufbauen kann
Wenn die Zone signiert ist, lassen sich darüber weitere Sicherheitsmechanismen verteilen:
DANE/TLSA — TLS-Zertifikate per DNS verifizieren, unabhängig von CAs.