Dass mein DNS-Server DNSsec http://www.kernel-error.de/dnssec beherscht und so meine Zonen schützt, das wissen ja fast alle. Wie man damit nun seinen GPG Schlüssel verteilen kann und/oder die SSH-Fingerprints einzelner Hosts gegen den DNS Server validieren lassen kann…. Dieses findet sich nun hier:
OpenSSH kann die Fingerprints seiner Host Keys als SSHFP-Records im DNS veröffentlichen. Beim Verbindungsaufbau prüft der Client dann automatisch, ob der Fingerprint des Servers mit dem DNS-Eintrag übereinstimmt, ein wirksamer Schutz gegen Man-in-the-Middle-Angriffe. Ist die Zone zusätzlich per DNSSEC gesichert, kann der DNS-Record selbst nicht gefälscht werden. Die Spezifikation steht in RFC 4255.
Client konfigurieren
Damit OpenSSH beim Verbindungsaufbau SSHFP-Records prüft, muss VerifyHostKeyDNS aktiviert werden. Global für alle Benutzer in /etc/ssh/ssh_config:
VerifyHostKeyDNS yes
Oder nur für die aktuelle Sitzung:
ssh -o "VerifyHostKeyDNS=yes" server.example.de
SSHFP-Records erzeugen
Am einfachsten direkt auf dem Server mit ssh-keygen, das erzeugt die fertigen DNS-Records für alle vorhandenen Host Keys:
ssh-keygen -r server.example.de.
Ausgabe (Beispiel mit RSA, ECDSA und Ed25519):
server.example.de. IN SSHFP 1 1 47890eecc9a2893061734b07b8f60caa1a856148
server.example.de. IN SSHFP 1 2 b2518ad49cc2adf517d3f6a9faaf4017abc2c3e3...
server.example.de. IN SSHFP 3 1 3dd9de0dcf1523341b45a53f1d57043609e26c62
server.example.de. IN SSHFP 3 2 e1c76bd66b5a0641789b0b37be5b80ae3f6395c1...
server.example.de. IN SSHFP 4 1 a1b2c3d4e5f6...
server.example.de. IN SSHFP 4 2 d4e5f6a7b8c9...
Aufbau des SSHFP-Records
Ein SSHFP-Record besteht aus zwei Zahlen und dem Fingerprint:
hostname IN SSHFP [Algorithmus] [Hash-Typ] [Fingerprint]
Algorithmus:
1, RSA
3, ECDSA
4, Ed25519 (empfohlen, ab OpenSSH 6.7)
DSS (2) ist seit OpenSSH 7.0 standardmäßig deaktiviert und sollte nicht mehr verwendet werden.
Hash-Typ: 1 = SHA-1, 2 = SHA-256. Beide sollten veröffentlicht werden, ältere Clients verstehen nur SHA-1, neuere bevorzugen SHA-256.
Prüfen
Mit dig lässt sich prüfen, ob die Records im DNS angekommen sind:
DNS lookup error: data does not exist
No matching host key fingerprint found in DNS.
Are you sure you want to continue connecting (yes/no)?
Mit SSHFP-Records und DNSSEC:
debug1: found 4 secure fingerprints in DNS
debug1: matching host key fingerprint found in DNS
secure bedeutet: Die DNS-Antwort wurde per DNSSEC validiert. Ohne DNSSEC steht dort insecure, der Fingerprint wurde zwar gefunden, aber der DNS-Antwort selbst kann nicht vertraut werden. Für echte Sicherheit braucht man beides: SSHFP-Records und DNSSEC.
Strenge Prüfung erzwingen
Optional: OpenSSH anweisen, die Verbindung nur aufzubauen, wenn der Host Key erfolgreich validiert wurde:
Damit wird die Verbindung abgelehnt, wenn kein passender SSHFP-Record gefunden wird oder die DNSSEC-Validierung fehlschlägt. Das ist die sicherste Einstellung, setzt aber voraus, dass alle Zielserver SSHFP-Records haben.
Kleiner Aufwand, viel mehr Sicherheit. Fragen? Einfach melden.
DNSSEC (Domain Name System Security Extensions) schützt DNS-Antworten vor Fälschung. Ein anfragender Resolver kann damit prüfen, ob die gelieferten Zonendaten tatsächlich vom autorisierten Nameserver stammen und unterwegs nicht verändert wurden. DNSSEC wurde als Mittel gegen Cache Poisoning entwickelt — Serverauthentifizierung findet nicht statt.
Die Vertrauenskette
Was mich beim ersten Lesen zu DNSSEC durcheinandergebracht hat, war das Umherwerfen mit Begriffen: KSK, ZSK, DNSKEY, RRSIG, DS. Im Grunde ist es einfach:
Der KSK (Key Signing Key) hat eine Aufgabe: den ZSK unterschreiben. Der KSK wird als DS-Record in der übergeordneten Zone hinterlegt. Der ZSK (Zone Signing Key) hat auch nur eine Aufgabe: die eigentlichen Zonendaten unterschreiben.
Es beginnt bei der Root-Zone. Die Root-Server wissen, welche Nameserver für die TLDs zuständig sind. Die TLD-Server wissen, welche Nameserver für die einzelnen Domains zuständig sind. Jede Ebene signiert ihre Zone und veröffentlicht den DS-Record der Ebene darunter. So entsteht eine durchgehende Kette vom Root-KSK bis zu meiner Zone.
Will ein Angreifer dafür sorgen, dass www.kernel-error.org auf seinen Server zeigt, hat er zwei Möglichkeiten:
Er antwortet auf die Delegation-Anfrage mit seinem eigenen Nameserver.
Er antwortet mit gefälschter Absenderadresse schneller als der echte Server.
Mit DNSSEC kann der Resolver beide Angriffe erkennen — die gefälschte Antwort hat keine gültige Signatur.
DNSSEC in BIND aktivieren
Auf dem autoritativen Nameserver muss DNSSEC-Validierung aktiv sein. In modernen BIND-Versionen (ab 9.16) reicht im options-Block:
options {
dnssec-validation auto;
};
auto bedeutet, dass BIND den eingebauten Root-Trust-Anchor nutzt und diesen bei KSK-Rollovers automatisch aktualisiert (RFC 5011). Der alte dnssec-enable yes wurde in BIND 9.18 entfernt — DNSSEC ist seitdem immer aktiv.
Zone signieren — der moderne Weg
Seit BIND 9.16 gibt es dnssec-policy. Damit übernimmt BIND die Schlüsselerzeugung, das Signieren und den Key-Rollover vollautomatisch:
zone "kernel-error.org" {
type primary;
file "kernel-error.org";
dnssec-policy default;
inline-signing yes;
};
Die default-Policy verwendet ECDSAP256SHA256 (Algorithmus 13) — schneller und sicherer als das früher übliche NSEC3RSASHA1 mit 4096-Bit-Schlüsseln. inline-signing yes bedeutet: BIND signiert die Zone im Speicher, die Zonendatei auf der Platte bleibt unsigniert und lässt sich wie gewohnt bearbeiten.
Zone manuell signieren
Wer mehr Kontrolle will oder eine ältere BIND-Version hat, kann die Schlüssel von Hand erzeugen. KSK erstellen:
$ dnssec-keygen -a ECDSAP256SHA256 -f KSK -n ZONE kernel-error.org
Kkernel-error.org.+013+12345
ZSK erstellen:
$ dnssec-keygen -a ECDSAP256SHA256 -n ZONE kernel-error.org
Kkernel-error.org.+013+67890
Die öffentlichen Teile (*.key) in die Zonendatei einbinden und signieren:
$ cat Kkernel-error.org.+013+*.key >> kernel-error.org
$ dnssec-signzone -S -K /pfad/zu/keys -o kernel-error.org kernel-error.org
Verifying the zone using the following algorithms: ECDSAP256SHA256.
Zone signing complete:
Algorithm: ECDSAP256SHA256: ZSKs: 1, KSKs: 1 active, 0 stand-by
kernel-error.org.signed
Dann BIND anweisen, die signierte Zonendatei zu laden. Nach jeder Änderung an der Zone muss neu signiert werden — oder man nutzt inline-signing, dann entfällt das.
DS-Record beim Registrar einreichen
Der öffentliche KSK muss als DS-Record in der übergeordneten Zone landen. Bei der DENIC (.de) und den meisten TLD-Registries gibt es dafür ein Webinterface beim Registrar. Man schickt den öffentlichen KSK hin, der Registrar erstellt daraus einen DS-Record und veröffentlicht ihn neben den NS-Records.
Ob der DS-Record gesetzt ist, lässt sich prüfen, indem man die TLD-Nameserver direkt fragt:
DNSSEC-Signaturen machen DNS-Antworten deutlich größer als die 512 Bytes, die klassisches DNS über UDP erlaubt. EDNS (RFC 6891) hebt dieses Limit auf. Das ist seit 1999 spezifiziert, aber manche Firewalls und Billig-Router haben damit immer noch Probleme — sie filtern große UDP-Pakete oder EDNS-Optionen.
Wichtig: Gehen die Schlüssel verloren oder die signierte Zonendatei brennt ab, hat man ein Problem. Vor jeder großen Änderung (Key-Rollover, Algorithmus-Wechsel) immer die längste TTL der Zone abwarten. Sonst sind gecachte Antworten mit der alten Signatur noch gültig, während die neue Signatur schon aktiv ist — die Zone wird temporär nicht validierbar.
Meinen „analogen“ DNSSEC-Masterplan dazu habe ich mir damals aufgezeichnet:
Was man auf DNSSEC aufbauen kann
Wenn die Zone signiert ist, lassen sich darüber weitere Sicherheitsmechanismen verteilen:
DANE/TLSA — TLS-Zertifikate per DNS verifizieren, unabhängig von CAs.