Im Keller hing ein alter Ferraris-Zähler mit Drehscheibe. Zählt brav für den Energieversorger, liefert aber keine Daten. Ich wollte den Stromverbrauch im Haus grafisch auswerten, am besten mit Cacti. Dafür braucht man einen Zähler mit S0-Schnittstelle.
Der Zähler
Mein Energieversorger wollte für einen digitalen Zähler Fantasiepreise. Also selbst kaufen. Die Wahl fiel auf den Eltako DSZ12E-3x80A, einen Drehstromzähler mit S0-Ausgang. 3 × 80 A reicht für den normalen Hausgebrauch locker. Kostenpunkt damals rund 75 Euro.
Wichtig: Dieser Zähler ersetzt nicht den offiziellen Zähler des Versorgers. Er wird dahinter eingebaut. Das darf nicht jeder machen. Wer nicht weiß ob er es darf, darf es nicht. Ein Elektriker braucht dafür eine halbe bis eine Stunde, mit Anfahrt kommt man auf 100 bis 150 Euro.
Zur Deutlichkeit: Bei 3×80 A reden wir über 400 V Drehstrom. Ein Fehlkontakt ist lebensgefährlich. Selbst einbauen ist keine Option, auch wenn es auf YouTube einfach aussieht. Wer ohne Elektrikerschein bastelt, riskiert nicht nur sich selbst, sondern auch den Versicherungsschutz im Haus. Nebenbei: Für die eigene Auswertung ist der Zähler prima, für Abrechnungszwecke wie WG oder Mieter gelten eichrechtliche Anforderungen, die man vorher klären sollte.
S0-Schnittstelle und Raspberry Pi
Die S0-Schnittstelle ist ein potentialfreier Impulskontakt. Pro verbrauchter Kilowattstunde gibt der Zähler eine bestimmte Anzahl Impulse aus, beim DSZ12E sind es 2000 Impulse pro kWh. Der Raspberry Pi zählt diese Impulse über einen GPIO-Pin.
Die Verkabelung ist simpel: S0-Ausgang des Zählers an einen GPIO-Pin und GND des Raspberry Pi. Ein Pullup-Widerstand sorgt dafür, dass der Pin sauber zwischen High und Low wechselt. Bei jedem Impuls wird ein Zähler hochgezählt und der aktuelle Verbrauch berechnet.
Sauberer: Optokoppler statt direkter GPIO-Anschluss
In der Praxis funktioniert der direkte Anschluss meistens, spezifikationsgerecht ist er aber nicht. Die S0-Schnittstelle ist in DIN 43864 für 27 V DC Nennspannung und 10 bis 27 mA Schleifenstrom definiert. Wer es sauber haben will, baut einen Optokoppler dazwischen, zum Beispiel einen PC817. Die S0-Leitung versorgt man mit 5 oder 12 V über einen Vorwiderstand, der Ausgang des Optokopplers schaltet galvanisch getrennt den GPIO-Pin. Vorteil: kein Potentialproblem, keine Spec-Verletzung, und die Flanken sind sauber genug, dass man auf Software-Entprellung verzichten kann.
Die Auswertung habe ich nach dieser Anleitung aufgebaut: Stromzähler mit S0-Schnittstelle vom Raspberry Pi auswerten (Johannes Weber). Ein Python-Script zählt die Impulse und stellt die Werte per SNMP bereit.
Cacti-Graphen
Cacti fragt den Raspberry Pi per SNMP ab und zeichnet die Graphen. Neben dem aktuellen Verbrauch in Watt lassen sich mit zusätzlichen SNMP-Abfragen auch Tagesverbrauch, Wochenverbrauch und Monatsverbrauch darstellen. Die Berechnung macht das Script auf dem Pi, Cacti muss nur die fertigen Werte abgreifen und zeichnen.
Das Ergebnis: Auf einen Blick sieht man wann die Waschmaschine lief, wann der Herd an war und wie hoch die Grundlast nachts ist. Verbrauchsspitzen fallen sofort auf.
Update 2026: was heute anders wäre
Der Beitrag ist von 2014, und zwölf Jahre sind in der Energiemesstechnik eine halbe Ewigkeit. Inzwischen läuft in Deutschland der Pflichtrollout für intelligente Messsysteme (iMSys) nach dem Messstellenbetriebsgesetz. Wer ein Smart-Meter-Gateway (SMGW) hat, bekommt die Daten ohnehin digital, und über die HAN-Schnittstelle (Controllable Local Systems) lassen sich Verbräuche direkt abholen. Ist der alte Ferraris-Zähler hingegen noch drin, ist ein IR-Lesekopf auf der D0-Schnittstelle (SML-Protokoll) der Weg der Wahl, gut gepflegt im Volkszähler-Projekt oder in Kombination mit Tasmota. Fertige WLAN-Messmodule wie das Shelly 3EM oder Pro 3EM liefern Drehstrommessung direkt per MQTT, ganz ohne GPIO-Basteln. Als Backend wäre heute eher Home Assistant mit dem Energy-Dashboard oder Grafana plus InfluxDB gesetzt, Cacti hat seinen Charme, aber die Zeit der Graphen mit RRDtool ist in der HomeLab-Ecke vorbei.
Siehe auch: Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit DHT22 am Raspberry Pi messen
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